Fußball

Thiago-Diagnose schockt München Lauter Heynckes weckt lasche Bayern auf

Der FC Bayern bekommt sein Champions-League-"Endspiel" gegen Paris. Der Gruppensieg ist für Allesgewinner Jupp Heynckes jedoch ein "vermessenes" Ziel. Beim Fußballkrampf gegen Anderlecht bietet sein Team das "schlechteste Spiel seit Langem".

In Jubellaune waren die Bayern nach Erfolg neun unter Allesgewinner Jupp Heynckes nicht. Schwach gespielt, dazu ein langer Ausfall von Edeltechniker Thiago und eine vermutlich leichtere Verletzung von Flügelflitzer Arjen Robben: Das knappe 2:1 (0:0) im Champions-League-Spiel beim RSC Anderlecht war wahrlich "kein Ruhmesblatt", wie Heynckes resümierte. Allerdings war es auch so: "Ich muss der gegnerischen Mannschaft auch ein Kompliment aussprechen. Sie haben so gespielt, wie man ein Champions-League-Spiel angehen muss. Wir sind zu unbekümmert ins Spiel gegangen und haben gedacht, dass wir das locker runterspielen. Aber das kann man heute nicht mehr."

"Es ist keine gute Stimmung", berichtete später auch Sportdirektor Hasan Salihamidzic, den vor allem die neuen Personalprobleme bedrückten. Der spanische Fußball-Nationalspieler Thiago erlitt eine schwere Muskelverletzung. "Er fällt sicher länger aus, wahrscheinlich mehrere Monate", teilte Salihamidzic mit. Bei Robben sah es dagegen so aus, dass er bei einem Foul wohl keine schlimme Muskelblessur erlitten hat und entsprechend nicht lange ausfallen wird. "Für den Moment können wir uns keine Ausfälle mehr leisten", urteilte Heynckes, "die Decke wird immer dünner."

Anderlecht - München 1:2 (0:0)

RSC Anderlecht: Sels - Spajic, Kara Mbodji, Deschacht - Appiah, Dendoncker, Kums, Trebel - Gerkens (65. Onyekuru), Teodorczyk (82. Harbaoui), Hanni (71. Bruno). – Trainer: Vanhaezebrouck
FC Bayern München: Ulreich - Kimmich, Boateng, Süle, Friedl - Tolisso, Rudy, Vidal (87. Hummels) - Robben (48. Martinez), Thiago (44. James), Vidal - Lewandowski. - Trainer: Heynckes
Tore: 0:1 Lewandowski (51.), 1:1 Hanni (63.), Tolisso (77.)
Schiedsrichter:
Taylor (England)
Zuschauer: 19.753 im Constant-Vanden-Stock-Stadion

Das sieht auch Mats Hummels so: "Wir haben gerade eine kleine Lücke im Kader durch ein paar Verletzte", sagte der Nationalspieler zur misslichen Situation vor dem Bundesliga-Topspiel am Samstag bei Borussia Mönchengladbach (18.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de). Denn neben Robben (kurzfristig) und Thiago fehlen den Münchenern ja weiterhin die Langzeitverletzten Franck Ribéry, Thomas Müller und Manuel Neuer. In Anderlecht waren außerdem die Außenverteidiger Rafinha und David Alaba (Vorsichtsmaßnahmen nach Knöchel- und Rückenblessur) sowie überraschend auch Kingsley Coman nicht im Kader.

Ulreich hält die Bayern im Spiel

In Anderlecht waren dem FC Bayern die personellen Probleme deutlich anzumerken. Weltmeister Jérôme Boateng sprach sogar vom "schlechtesten Spiel seit Langem". Entsprechend laut sei der Trainer in der Halbzeitpause geworden, verriet der Nationalspieler. "Er ist zurecht laut geworden." Heynckes erklärte seine wuchtige Ansprache so: "Es ist doch klar, dass ich in der Halbzeitpause ein paar Anweisungen geben musste. Wir haben in der ersten Halbzeit sehr schlecht gespielt. Die Mannschaft war in der ersten Halbzeit nicht wiederzuerkennen. Dann muss man die Dinge ganz deutlich ansprechen."

Es war allein Torhüter Sven Ulreich zu verdanken, dass es zur Pause 0:0 stand. Torjäger Robert Lewandowski und Corentin Tolisso sorgten bei einem Gegentor von Sofiane Hanni zum zwischenzeitlichen 1:1 aber doch noch für den vierten Sieg im fünften Gruppenspiel. Damit erhielten sich die Bayern in der Königsklasse die Mini-Chance auf Platz eins, auch wenn dafür in zwei Wochen gegen Paris St. Germain etwas Großes passieren müsste. Wegen des direkten Vergleiches bei Punktgleichheit müsste nach dem 0:3 im Hinspiel ein Sieg mit mindestens vier Toren Differenz gelingen.

Während Heynckes dieses Ziel als "vermessen" bezeichnete, versprühte Mats Hummels in Belgien die pure Vorfreude auf die große Aufgabe gegen das Multi-Millionen-Ensemble um den brasilianischen Weltstar Neymar, das am Mittwochabend Celtic Glasgow mit 7:1 abfertigte. "Wir haben da ein Spiel, in dem wir nichts verlieren können. Das gibt es als Bayern München ganz selten. Das genießen wir auf jeden Fall", verkündete Hummels nach einem Spiel, das nicht zum Träumen animierte.

Quelle: ntv.de, tno/dpa/sid