Fußball

Grotesk reloaded vs. San Marino Löw fordert, Rudy rät - und Wagner tönt

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Wagner (r.) hört noch mal genau hin, wieviele Tore er gegen San Marino schießen soll.

(Foto: imago/Zink)

Wenn die Menschen wissen, wie das Fußballspiel ausgeht, kommen sie nicht ins Stadion. Ganz so ist es nicht, aber das Stadion ist nicht annähernd ausverkauft, wenn die DFB-Elf gegen San Marino in der WM-Qualifikation spielt. Wen wundert's?

Worum geht's?

Hoffenheims Mittelfeldspieler Sebastian Rudy, der in der kommenden Saison für den FC Bayern spielt, hat sich mit seiner Prognose sehr weit aus dem Fenster gelehnt: "Ich denke, dass San Marino sehr defensiv spielt." Wer hätte das gedacht? In fünf von insgesamt zehn Qualifikationsspielen für die Weltmeisterschaft 2018 in Russland haben die Fußballer aus dem Zwergstaat nahe der italienischen Adriaküste null Punkte auf dem Konto, genau ein Tor geschossen, 23 Treffer kassiert - acht davon in einer grotesken Partie zu Karnevalsbeginn am 11. November vergangenen Jahres in Serravalle gegen die deutsche Mannschaft. Nun steht (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de und RTL) das Rückspiel an. Bundestrainer Joachim Löw will sich nicht lange mit dem Gegner befassen. "Es geht einzig und allein darum, wie wir die Dinge angehen und nicht, wie San Marino spielt." Seine Forderung an seine Mannschaft: "Eine hohe Schlagzahl erarbeiten und ein paar Tore schießen." Und am Ende wird dann für die DFB-Elf der sechste Sieg in der sechsten Partie in dieser Gruppe C stehen.

Wie ist die Ausgangslage?

Weil das alles sportlich nicht über die Maßen spannend ist, wird das Frankenstadion heute auch nicht ausverkauft sein, vielleicht 30.000 Zuschauer werden es am Ende sein - Platz ist für 44.000. Selbst die preiswertesten Karten für 25 Euro waren am Samstagmorgen noch zu haben. Im Grunde ist das keine Überraschung: Warum Geld für ein Fußballspiel ausgeben, wenn eh klar ist, wer gewinnt. Zumal das deutsche Team mit seiner Confed-Cup-Combo antritt und die Stars sich eine Sommerpause gönnen dürfen. Dieser Kader der zweiten Garde spielt zwar, wie er am Dienstag beim 1:1 in Kopenhagen gegen Dänemark gezeigt hat, durchaus ansehnlich und ist hoch motiviert - aber es ist eben sehr viel mehr die B-Elf und sehr viel weniger der Weltmeister. So gesehen sind 30.000 Zuschauer fast schon wieder viel. Andererseits: Zum 1. FC Nürnberg, der in der vergangenen Saison Platz zwölf in der zweiten Liga belegte, kamen im Schnitt 28.833 Fans. Wie der "Kicker" berichtete, steht der schwächste Besuch eines deutschen Pflichtheimspiels seit über 16 Jahren bevor. Am 24. März 2001 kamen 22.500 Zuschauer zum 2:1 gegen Albanien nach Leverkusen. Von 2003 bis 2008 waren hingegen 22 Pflichtheimspiele in Serie ausverkauft. Der DFB überlegt nun, künftig Partien wie gegen San Marino in kleineren Stadien zu veranstalten. Präsident Reinhard Grindel hatte im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" behauptet: "Das Grundproblem ist keineswegs eine abnehmende Akzeptanz der Nationalmannschaft oder eine überzogene Kommerzialisierung." Die Zuschauer hätten eben "ein feines Gespür, ob es um etwas geht oder eben nicht". Nun ja, so fein muss das Gespür in solchen Fällen gar nicht sein.

Wie ist die DFB-Elf drauf?

Deutschland - San Marino, 20.45 Uhr

Deutschland: ter Stegen - Rudy, Mustafi - Kimmich, Hector - Can, Goretzka - Brandt, Draxler, Younes - Wagner. Trainer: Löw
San Marino: Benedettini - Bonini, Biordi, Della Valle, Palazzi - Zafferani, A. Golinucci, Cervellini, Mazza, Hirsch - Rinaldi. - Trainer: Manzaroli
Schiedsrichter: Radu Marian Petrescu (Rumänien)

Sie freut sich auf den Konföderationen-Pokal, der für sie am 19. Juni in Sotschi mit dem Spiel gegen Australien beginnt. Und das nicht nur, weil es bei dem Gewinn des Turniers für jeden 50.000 Euro vom DFB gibt. Die Spieler scheinen diese kleine Generalprobe für die WM ernsthaft als Chance zu begreifen, sich für einen Platz in der Reisegruppe Russland 2018 zu empfehlen. "Wir wachsen von Tag zu Tag als Mannschaft mehr zusammen. Wir freuen uns alle, das Turnier spielen zu können. Und wir wollen natürlich ganz oben mitspielen", sagt Rudy. Und für heute gelte: "Ich appelliere auch an uns: Wir haben die Chance, die Zuschauer zu begeistern." Der Bundestrainer hat sein Team im Training entsprechend vorbereitet. Löw ließ ein 1-3-4-2-System üben, in dem Shkodran Mustafi, neben Matthias Ginter und Julian Draxler einer von drei Weltmeistern im Kader, als einziger Innenverteidiger vor Torwart Marc-André ter Stegen agierte. Die Kollegen sollen sich in erster Linie damit beschäftigen, Lücken und Räume in der Defensive des Gegners zu finden. "Wir müssen schnell den Ball laufen lassen", rät Rudy. Guter Plan. Besonders interessiert an einem Treffer ist Sandro Wagner. Der Hoffenheimer Rustikalangreifer gab in Dänemark mit 29 Jahren sein Debüt in der DFB-Elf. Und er brennt. "Ein Tor wäre natürlich super. Ich war ja in Dänemark schon ein-, zweimal davor." An Selbstbewusstsein mangelt es ihm jedenfalls nicht. Wie Grindel hat er sich in dieser Woche mit der "FAZ" unterhalten. Ob er bei der TSG Hoffenheim ein besserer Spieler geworden sei? Er fühle sich dort wohl, antwortete Wagner. "Aber ich denke schon, man ist dort auch froh, dass ich dort spiele. Die Rückendeckung spüre ich auch. Nein, ich habe Hoffenheim zu einer besseren Mannschaft gemacht. Bevor ich da war, war dort nicht dieser Erfolg. Das hat sich geändert, seit ich da bin."

Was machen die San Marinesen so?

San Marinos Trainer Pierangelo Manzaroli ist ein kluger Mann: "Wir wollen eine gute Leistung liefern. Was im November passiert ist, ist Schnee von gestern." Was soll er auch sagen? "Eine gute Leistung ist für mich ein gutes Ergebnis." Von 140 Länderspielen haben die Kicker aus dem Ministaat nur eins gewonnen - ein Testspiel gegen Liechtenstein am 28. April 2004 mit 1:0. Jüngst aber gab es gar eine Heimniederlage gegen Andorra im "schlechtesten Fußballspiel aller Zeiten". Die Aufgabe in Nürnberg wird nicht einfacher dadurch, dass einige Spieler fehlen. Bei den bisher 27 Gegentreffern, die die San Marinesen gegen Deutschland kassierten, stand Aldo Simoncini im Tor. Nun bekommt der 21 Jahre alte Elia Benedettini vom Zweitligisten Novara Calcio seine, nun ja, Chance. "Wir haben großes Vertrauen", sagte Manzaroli über den sechsfachen Nationalspieler. 30.000 Menschen leben in dem 60 Quadratkilometer kleinen Land. "In San Marino ist es einfacher, Staatsoberhaupt zu werden als Torschütze der Nationalmannschaft. Das klingt wie billiger Spott für den Gegner der deutschen Elf, lässt sich aber belegen", schrieb die "Süddeutsche Zeitung". In der Republik nahe Rimini wechselt die Staatsspitze alle sechs Monate. Da sie doppelt besetzt wird, gab's in den jüngsten 27 Jahren 54 Männer und Frauen auf diesen Posten. In 27 Jahren Zugehörigkeit zum Weltverband Fifa schoss das Nationalteam nur 22 Tore.

Quelle: n-tv.de

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