Fußball

DFB-Elf im Confed-Cup-Hoch Löw knackt die 100 und korrigiert sich

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Da staunste, wa? 100 Siege in 150 Spielen - eine ganz starke Bilanz für Joachim Löw.

(Foto: imago/Moritz Müller)

Er ist der erfolgreichste Trainer, den Deutschlands Fußballer je hatten. Doch Joachim Löw ist noch lange nicht fertig. Schließlich steht im nächsten Jahr die WM an. Und er ist dabei, ein Versäumnis nachzuholen.

Am Ende bekam Timo Werner, was er wollte. Mit zwei Toren hatte der Angreifer von RB Leipzig am Sonntagabend die deutsche Fußball-Nationalelf beim 3:1 (0:0) gegen Kamerun vor 30.230 Zuschauern im Olympiastadion Fisht ins Halbfinale des Confed Cups in Russland geschossen. Und weil die DFB-Elf ihre Gruppe B gewann, darf sie in Sotschi bleiben und dort am Donnerstag (ab 20 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) gegen Mexiko, den Zweiten der Gruppe A, um den Einzug ins Finale spielen, das am 2. Juli in St. Petersburg stattfindet.

Das alles fand der Bundestrainer so prima, dass er seinen Spielern für diesem Montag frei gab. Und Timo Werner kann das tun, was er, wie er sagte, in Sotschi besonders gerne tut: "Am Pool liegen und sich ein bisschen zu bräunen, das ist immer schöner, als im Hotelzimmer zu sitzen." Und wohl auch schöner, als zu trainieren. Joachim Löw, 57 Jahre alt, hatte aber noch einen anderen Grund, sich zu freuen. Der Erfolg gegen den Afrikameister war sein 100. Sieg im 150. Spiel als oberster Chef der wichtigsten Mannschaft des Landes.

Das hatte vor ihm noch keiner geschafft, selbst Sepp Herberger nicht, der zwischen 1936 und 1964 auf 94 Siege in 167 Spielen kam. Als Löw und seine Spieler nach der Partie im drei Kilometer vom Stadion entfernten Radisson Blu Paradise Resort & Spa im Stadtteil Adler ankamen, das der DFB-Combo nun noch bis Freitag als Herberge direkt am Schwarzen Meer dient, zeigte er sich allerbestens gelaunt, schrieb geduldig Autogramme für die dort wartenden Fans und ließ sich nur allzu gerne mit ihnen fotografieren.

"Es gab ja auch manche Enttäuschung"

Ein bisschen hat er sich also doch auch über sich selbst und seine Leistung gefreut, auch wenn er direkt nach dem Spiel vor allem an die dachte, die ihm dabei geholfen haben. "100 Siege sind natürlich schön, das erinnert mich an die Zeit, in der ich Nationaltrainer bin - und ich muss da in erster Linie denen danken, die mit mir von Anfang an zusammengearbeitet haben. Oliver Bierhoff, Andreas Köpke, Hansi Flick, Urs Siegenthaler, das Team hinter dem Team. Sie haben mir Motivation und Inspiration gegeben." Der Manager, der Torwarttrainer, sein ehemaliger Co-Trainer und sein Chefscout also. Seine aktuellen Assistenten, Thomas Schneider und Marcus Sorg, bedachte er ebenso. Einmal in Fahrt, dankte er "allen Spielern. Auch denen, die nicht da sind, die lange gespielt haben oder auch nur gelegentlich. Weil sie mit guten Leistungen und unglaublicher Einstellung so viele Siege erreicht haben und so viele Erfolge. Es gab ja auch manche Enttäuschung und manche Situation, die nicht schön war".

Damit meinte er das Finale bei der Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz, als die DFB-Elf Spanien mit 0:1 unterlag. Und das Halbfinale der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika, das er und die Seinen wieder gegen die Spanier mit dem gleichen Ergebnis verloren. Vor allem aber meinte er das Halbfinale der EM 2012 in Polen und der Ukraine, als die Italiener sein Team mit 2:1 ausknockten. Es war die wohl bitterste Niederlage seiner Laufbahn, die er nur schwer überwand. Schönen Fußball lässt er ja spielen, der Löw, hieß es seinerzeit. Aber kann er auch Titel gewinnen?

Das konnte er. Der Sieg bei der WM 2014 in Brasilien ist sein größter Erfolg, seitdem gilt er als nahezu unantastbar und darf auf Lebzeiten unter dem Label Weltmeistertrainer firmieren. Da fiel das Halbfinal-Aus bei der EM vor fast einem Jahr am 7. Juli 2016 in Marseille mit 0:2 gegen Gastgeber Frankreich prompt ungleich weniger schwer ins Gewicht, auch wenn sich Löw hinterher ein wenig vom Schicksal beleidigt fühlte und auch diese Niederlage schmerzte.

Für kurze Zeit schien es fraglich, ob er weitermacht. Von einem Motivationsloch war die Rede. Doch dann verlängerte er seinen Vertrag bis 2020. Nun beim Confed Cup erfindet sich der Bundestrainer zwar nicht neu, fühlt sich aber mit seinem jungen und mittlerweile auch mit sieben Punkte und sieben Toren in drei Partien sehr erfolgreichen Perspektivteam sichtlich wohl. Er holt nun das nach, was er vor besagter EM in Frankreich ein wenig versäumt hat: die Mannschaft des Weltmeisters zu verjüngen. Schließlich ist es sein oberstes Ziel, im kommenden Jahr in Russland den Titel erfolgreich zu verteidigen. Auch das ist noch keinem vor ihm gelungen.

Erst aber einmal gilt es, bei dieser Mini-WM mit der Nachwuchsgarde zu reüssieren: "Ich bin sehr stolz auf die Jungs und voll des Lobes, dass wir dieses Ziel geschafft haben, das Halbfinale zu erreichen. Das konnte man vielleicht vorher so nicht unbedingt erwarten in dieser Konstellation, mit dieser Mannschaft", sagte Löw. In Abwesenheit fast aller Weltmeister und vieler etablierter Akteure kam seine Startelf gegen Kamerun auf ein Durchschnittsalter von 23,8 Jahren - es war das jüngste deutsche Team bei einem Turnier seit der WM 1938 - womit wir wieder bei Herberger sind. Und um dem jungen, 21 Jahre alten Timo Werner, der mit dem 3:1 gegen Kamerun das 250. Tor im 92. Pflichtspiel der Ära Löw erzielte, nicht völlig Unrecht zu tun: Er hat schon mehr im Sinn, als sich in der Sonne zu bräunen: "Wir wollten diesen Gruppensieg - jetzt wollen wir auch das Finale." Nicht ausgeschlossen, dass er wieder das bekommt, was er will.

Quelle: ntv.de