Fußball

Kader-Knockout für die EM Löw leidet mit seinem Ziehkind Draxler

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Wehmütiger Blick zum DFB.

(Foto: Witters/Witters/Pool/Witters)

Julian Draxler galt nach dem Confed-Cup-Triumph 2017 als eine künftige tragende Säule in der Nationalmannschaft. Vier Jahre später schafft es der Hochbegabte nicht einmal mehr in den EM-Kader. Es ist eine Enttäuschung mit Ansage. Bundestrainer Joachim Löw hatte ihn bereits angezählt.

Für manche breche "eine Welt zusammen", berichtete Joachim Löw bei der Kader-Nominierung für die EM über die Reaktion der Aussortierten. Vor allem der Anruf bei Julian Draxler fiel dem Bundestrainer schwer. "Seine Enttäuschung war groß", verriet Löw - auch bei ihm selbst: "Es ist mir schwer gefallen, die Entscheidung so zu treffen, weil wir ihn kennen und schätzen." An Julian Draxler hat der Bundestrainer einen Narren gefressen, "ich bin ein Fan von seinen Fähigkeiten", sagte der Bundestrainer einmal, "egal, wie unsere Aufstellung aussieht: Julian wird immer viele Freiheiten bei mir haben."

Während der EM ist Draxler aber komplett frei, der Offensivspieler von Paris St. Germain wurde von Löw nicht nominiert. "Er kann extrem viel. Das Potenzial hat er vielleicht nicht immer so gezeigt", begründete Löw seine Wahl. Er wünsche seinem sportlichen Ziehkind, dem er 2012 zum Debüt verholfen und auch in schlechten Zeiten immer unterstützt hatte, "dass er in Paris dauerhaft eine andere Rolle findet und in die Nationalmannschaft zurückfindet".

Statt des Rio-Weltmeisters erhielt unter anderem Bayern-Talent Jamal Musiala den Vorzug. Vor vier Jahren führte Draxler die Nationalmannschaft als bärenstarker Kapitän zum Confed-Cup-Triumph und galt als unverzichtbar - jetzt steht er plötzlich auf dem Abstellgleis. "2017 war er beim Confed Cup der Spieler des Turniers. Dass er viel kann, weiß man", hatte Löw kürzlich gesagt. Doch der Bundestrainer geizte auch nicht mit Warnungen. Schon bei den März-Länderspielen fehlte Draxler im DFB-Kader, und im vergangenen Herbst hatte ihm der Bundestrainer sogar öffentlich geraten: Geh' weg aus Paris!

"Ich liebe diesen Klub und die Stadt Paris"

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"Es wäre wichtig, einen Schritt (zu einem Verein) zu machen, wo er regelmäßig spielt", hatte Löw gesagt: "Für Julian wäre es gut, wenn er Woche für Woche im Einsatz ist." Doch der frühere Schalker und Wolfsburger ließ das Winter-Transferfenster ungenutzt verstreichen, nach dem Trainerwechsel von Thomas Tuchel zu Mauricio Pochettino wollte er unbedingt bei PSG bleiben. Mehr noch: Vor wenigen Tagen verlängerte er bis 2024. "Es erfüllt mich mit großem Stolz, ich liebe diesen Klub und die Stadt Paris", sagte Draxler. Er freue sich darauf, "mit so großartigen Spielern für ein Team wie dieses zu spielen." Auch wenn es bedeutet, dass ihm im Schatten von Kylian Mbappe, Neymar und Angel Di Maria wohl weiter nur die Nebenrolle bleibt. Wenn überhaupt.

Der immer mal wieder angeschlagene Draxler bestritt in dieser Saison insgesamt 24 Ligaspiele, nur die Hälfte als Startspieler. Drei Tore und vier Vorlagen sind für einen Spieler seiner Klasse eigentlich nicht der Rede wert, aber die Bälle bekommen bei PSG eben andere. Und die EM-Tickets im Nationalteam auch.

Quelle: ntv.de, tno/sid

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