Fußball

So läuft das Finale gegen Chile Löw stutzt DFB-Bubis auf Normalmaß

Bundestrainer Löw erinnert sich vor dem Endspiel des Confed Cups an seine Weltmeister - und zeigt seinem Perspektivteam die Grenzen auf. Der Kollege aus Chile ist derweil ein wenig knatschig - aber optimistisch.

Worum geht's?

Das ist schnell erzählt. Julian Draxler, der Kapitän des deutschen Confed-Cup-Teams sagte am Tag vor dem Finale gegen Chile heute (ab 20 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) im St. Petersburger Krestowski-Stadion: "Es wird das letzte Spiel der Saison sein und ich glaube, es gibt nichts Schöneres, dann in den Urlaub zu gehen und den Titel mitzunehmen." Dazu gäbe es dann noch 50.000 Euro für jeden Spieler, die hat der DFB für einen Sieg ausgelobt. Bei einer Niederlage gibt’s immerhin noch 30.000 Euro für jeden. Und Arturo Vidal, bekannt aus Funk, Fernsehen und wegen seines Engagements beim FC Bayern, hatte zuvor völlig überraschend bekannt: "Wir haben das große Verlangen, den Pokal nach Chile zu holen." Schließlich sei es so: "Wenn wir gewinnen, sind wir das beste Team der Welt und darum sind wir da." Hm, diese Einschätzung hat er vermutlich exklusiv.

Wie ist die Ausgangslage?

Deutschland - Chile, 20 Uhr

Deutschland: ter Stegen - Süle, Mustafi, Ginter - Kimmich, Rudy, Goretzka, j. Hector - Stindl, Draxler - Werner; Trainer: Löw.
Chile: Bravo - Isla, Medel, Jara, Beausejour - M. Diaz - Aranguiz, Vidal - Vargas, Sanchez, Hernandez; Trainer: Pizzi
Schiedsrichter: Mazic (Serbien)
Stadion: Krestovsky, St. Petersburg

Vor genau neun Tagen hatten sich beide Mannschaften in Sotschi schon einmal getroffen, im zweiten Gruppenspiel gab's ein 1:1. Alexis Sanchez hatte die Chilenen - auf Vorlage von Vidal übrigens - nach sechs Minuten in Führung gebracht, Lars Stindl vier Minuten vor der Pause ausgeglichen. Ein Remis wird's nun auf keinen Fall geben, irgendjemand wird den Pokal am Ende bekommen, wenn nicht nach 90 Minuten, dann nach 120 oder gar erst nach einem Elfmeterschießen. Draxler glaubt eh, dass die Vorrundenpartie keine Bedeutung mehr habe: "Ein Finale ist immer ein anderes Spiel", sagte er und schaute dabei sehr ernst und fast ein wenig angespannt in die Runde. Aber schließlich ist er ja der Kapitän: "Wir werden als Mannschaft auf den Platz gehen und uns Chile mit allem, was wir haben, entgegenstellen." Wer das genau sein wird, ist noch offen. Zumindest wissen wir es nicht, weil Joachim Löw wie stets nichts verriet. Nur so viel: "Es wird Veränderungen geben."

Wie ist die DFB-Elf drauf?

Der Bundestrainer ließ aber ausrichten: "Die Stimmung in der Mannschaft ist natürlich sehr gut." Wer hätte das gedacht? Sein Plan für das Endspiel lautet, es zu gewinnen. "Dafür müssen wir Chiles flexible Offensive in Schach halten und selbst mehr Druck erzeugen." Ansonsten betonte er wieder einmal, wie toll alles bei diesem Konföderationenpokal in Russland gelaufen und wie zufrieden er sei. Was allerdings auch daran liegt, dass er ständig danach gefragt wird. Jedenfalls konstatierte er: "Wir Trainer haben das Ziel zu hundert Prozent erreicht. Wir wollten einzelne Spieler weiterbringen und ihnen Erfahrung geben." Ansonsten aber war es ihm ein Anliegen, keinem seiner doch größtenteils sehr jungen Spieler falsche Hoffnungen zu machen. Klar, er habe sich sehr darüber gefreut, dass sein Team es bis ins Finale geschafft habe, schließlich habe das niemand erwarten können.

Und darüber, dass die Junioren bei der Europameisterschaft in Polen den Titel geholt haben, habe er sich auch sehr gefreut. Es sei nur so: Was die Weltmeisterschaft angehe, hätten beide Turniere - U21-EM und Confed Cup - "kaum eine Aussagekraft". Das klang fast ein wenig so, als wolle er rechtzeitig seine Perspektiv-Bubis auf Normalmaß zurechtstutzen und klarstellen, dass in der DFB-Elf ohne Manuel Neuer, Toni Kroos, Jérôme Boateng, Mats Hummels, Sami Khedira, Mesut Özil und Kollegen zumindest im kommenden Jahr noch aber so was von gar nichts läuft. "Die WM ist das schwierigste Turnier überhaupt. Dort braucht man über fünf Wochen gesehen eine übermenschliche Leistung und darf fast keine Fehler machen." Anderes Kaliber soll das wohl heißen. Für die jungen Spieler bedeute das: "Die schwierigste Zeit für sie kommt noch, die haben sie nicht hinter sich. Die Frage ist: Können sie von Talenten zu Weltklassespielern reifen?" Und dann sagte der Bundestrainer den schönen Satz: "Bis zum nächsten Jahr sind noch zwölf Monate Zeit." Und lächelte zufrieden.

Was machen die Chilenen so?

Juan Antonio Pizzi, der Trainer der Chilenen, war ein wenig knatschig, weil beide Teams am Tag vor dem Finale nicht im Krestowski-Stadion trainieren durften, da der Rasen geschont werden soll. Während die deutsche Mannschaft klaglos im alten Stadion von Zenit Sankt Petersburg übte, das interessanterweise auf der Petrowski-Insel in der Kleinen Newa steht, beschwerte sich Pizzi: "Wir hätten sehr gern darauf trainiert. Das wird normalerweise auch gestattet. Mit dem Argument, den Zustand erhalten zu wollen, wurde es uns dieses Mal verweigert." Aber sei's drum: "Es wird keinen Zweifel geben, dass wir unser Bestes geben, um diesen Titel zu gewinnen." Dabei setzt er wie in der Vorrundenpartie auf die aggressive Spielweise seiner Auswahl. "Es ist nicht gut für uns, wenn wir unser Erfolgsrezept aufgeben", sagte Pizzi: "Wir werden versuchen, dem Gegner unseren Spielstil aufzudrücken." Das wird wohl bedeuten, dass neben Torhüter Claudio Bravo von Manchester City, dem Leverkusener Charles Aranguiz und dem Ex-Hoffenheimer Eduardo Vargas auch Alexis Sanchez vom FC Arsenal und, klar, Vidal in der Startelf stehen. "Wir haben unser erstes Ziel erreicht, nämlich das Finale. Jetzt wollen wir das auch gewinnen."

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Quelle: n-tv.de

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