Fußball

Was bleibt, ist die Hoffnung Löw verzweifelt am deutschen WM-Puzzle

Titelreif ist das nicht, was die DFB-Elf beim Sieg gegen Chile zeigt. Per Mertesacker spricht von einer Lehrstunde, der Bundestrainer wirkt erstaunt. Nun muss er hoffen, dass sich bis zur WM doch noch etwas zum Guten wendet.

Seine Sorgen dürften nicht kleiner geworden sein. Vor dem Spiel der deutschen Fußball-Nationalelf in Stuttgart gegen Chile hatte Joachim Löw davon gesprochen, seiner Mannschaft fehle derzeit "die weltmeisterliche Form". Einige Spieler "sind verletzt, andere haben bis heute wenig Spielrhythmus und Selbstbewusstsein. Aber wir haben noch zweieinhalb Monate und müssen noch einiges korrigieren". Nach dem schmeichelhaften Sieg lässt sich mit Fug und Recht behaupten: Stimmt.

Gegen spielstarke und früh störende Chilenen hatte sich das DFB-Team vor allem in der zweiten Halbzeit darauf beschränkt, dem Angriffswirbel irgendwie standzuhalten und die Führung, die der Münchner Mario Götze nach 16. Minuten erzielt hatte, über die Zeit zu retten. Auch der Bundestrainer scheute das Risiko, mit einem Unentschieden oder gar einer Niederlage den Start ins WM-Jahr vollends zu verpatzen und für noch schlechtere Stimmung zu sorgen. So warteten die Neulinge André Hahn vom FC Augsburg und Shkodran Mustafi von Sampdoria Genua vergeblich darauf, vor mehr als 54.000 Zuschauern im ausverkauften Stadion ihr Debüt zu feiern. Allein der Freiburger Matthias Ginter darf sich nach seinem Kurzeinsatz nun Nationalspieler nennen. Das war’s aber auch. Die Chance auf tiefer greifende Erkenntnisse hat Joachim Löw verstreichen lassen.

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Engagierte Fuchtelei: Joachim Löws Arme legten mehr Kilometer zurück als Bastian Schweinsteiger.

(Foto: dpa)

Und auch er wird wissen: Bei aller Qualität der Gäste - das war ein bisschen wenig für eine Mannschaft, die im Sommer nach Brasilien fliegt, um dort Weltmeister zu werden. "Die Chilenen haben uns gezeigt, wie man guten und produktiven Fußball spielt - bis aufs Toreschießen", sagte Per Mertesacker und sprach von einer Lehrstunde. "Wir waren nicht in der Lage, Dominanz auszustrahlen", resümierte Joachim Löw und wirkte dabei fast ein wenig erstaunt. Da wird es den Bundestrainer wenig trösten, dass er die Labilität seines Teams richtig eingeschätzt hat. Denn er kann jetzt nur noch zuschauen, wie die Spieler sich in ihren Vereinen entwickeln und darauf setzen, dass sich einiges zum Guten wendet. Eine Gelegenheit, irgendetwas zu üben oder zu testen, steht nicht mehr auf dem Programm.

Sami Khedira wäre der Richtige gewesen

Was bleibt, ist die Hoffnung. Vor allem darauf, dass Sami Khedira nach seinem Kreuzbandriss doch noch rechtzeitig fit wird. Der defensive Mittelfeldspieler von Real Madrid wäre gegen Chile der Richtige gewesen, sich erfolgreich gegen den Angriffswirbel zu stellen und für die nötige Struktur im deutschen Spiel zu sorgen. Joachim Löw muss aber auch darauf hoffen, dass der Dortmunder Ilkay Gündogan, ebenfalls Kandidat für die Position des Sechsers, vielleicht sein rätselhaftes Rückenleiden überwindet. Dass die Angreifer Miroslav Klose bei Lazio Rom und Mario Gomez beim AC Florenz in Tritt kommen, dass Bastian Schweinsteiger in München seinen Rhythmus findet und Mesut Özil sich beim FC Arsenal aus seinem Tief herausarbeitet. Und er muss eine Lösung finden, wie er die vakanten Stellen auf den Außenverteidigerpositionen WM-reif besetzt, auch wenn die Dortmunder Marcel Schmelzer und Kevin Großkreutz ihre Arbeit in Stuttgart einigermaßen solide verrichtet haben.

Im Moment scheint es aber, als seien das zu viele Teile, die nicht ins Puzzle WM-Kader passen. Deswegen betont der Bundestrainer auch immer wieder: "Alle haben noch eine Chance auf den WM-Zug aufzuspringen. Die Tür ist nicht zu." Aber Joachim Löw hat es jetzt ja oft genug gesagt: Die Uhr tickt. Am 8. Mai will er die Akteure benennen, die für die WM infrage kommen. Aus ihnen muss er dann genau 23 - drei Torhüter und 20 Feldspieler - auswählen und die Namen bis zum 2. Juni dem Weltverband melden. Schon am 13. Mai muss der DFB aber eine Liste von 30 Spielern bei der Fifa hinterlegen.

Am 12. Juni eröffnen die Brasilianer dann in Sao Paulo mit der Partie gegen Kroatien die Weltmeisterschaft, die deutsche Mannschaft greift am 16. Juni mit dem ersten Gruppenspiel in Salvador gegen Portugal ins Turnier ein. Bis sollte die deutsche Mannschaft zu ihrer Form finden. Abwehrchef Mertesacker versprach immerhin: "Wir werden nicht verzagen." Und wiederholte die Losung, die der Bundestrainer zu Beginn der Woche ausgegeben hatte: "Jeder muss sich bis dahin in eine Top-Verfassung bringen."

Quelle: n-tv.de

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