Fußball

CL-Endspiel um seinen Job Lopetegui droht Super-Fiasko in Madrid

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In der Liga ist Julen Lopetegui mit Real Madrid inzwischen seit vier Spielen sieglos.

(Foto: REUTERS)

Fünf sieglose Spiele, dazu ein Negativ-Rekord: Für Trainer Julen Lopetegui läuft es bei Real Madrid nach dem Wechsel-Beben vor der WM überhaupt nicht. Patzt Real auch in der Champions League gegen Pilsen, könnte der 52-Jährige noch vorm Clasico fliegen.

Nach Real Madrids peinlichem Negativ-Rekord hagelte es Spott für Julen Lopetegui. Eine Fotomontage im Netz zeigte den Trainer der kriselnden Königlichen vor dem Arbeitsamt. Auch eine in Spanien bekannte Online-Jobbörse machte sich einen Spaß aus Lopeteguis heikler Lage. Spanische Sporttageszeitungen wie AS oder "Marca" spekulierten bereits über mögliche Nachfolger des 52-Jährigen, dem das Super-Fiasko droht.

Er könnte als der Trainer in die spanische Fußballgeschichte eingehen, der mit seinem Wechsel erst Spaniens WM-Chancen sabotiert hatte - nur um dann bei Real im Blitztempo zu scheitern. Lopetegui, der erst im Sommer bei Real auf Erfolgscoach Zinedine Zidane gefolgt war, steht bei Real nach zuletzt fünf sieglosen Spielen mit vier Niederlagen und einer Torflaute stark in der Kritik. Am 3. Spieltag der Champions-League-Gruppenphase gegen Außenseiter Viktoria Pilsen (ab 21.00 Uhr im n-tv.de Liveticker) ist ein Sieg Pflicht, um den Druck vom angezählten früheren spanischen Nationalcoach zu nehmen.

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Das Tor von Reals Marcelo gegen Levante kam zu spät, um die Rekord-Blamage für die "Königlichen" noch abzuwenden.

(Foto: dpa)

Der verantwortet eine tiefe sportliche Krise, die am Wochenende ein historisches Ausmaß angenommen hatte. Beim 1:2 (0:2) gegen UD Levante stellte Real einen klubinternen Negativ-Rekord auf: Nie in der ruhmreichen 116-jährigen Geschichte des Vereins hat Madrid länger auf ein Tor warten müssen (480 Minuten). Der Anschlusstreffer des Brasilianers Marcelo (72.) kam zu spät, um die zuvor längste Durststrecke von 465 Minuten aus der Saison 1984/85 zu unterbieten. Aufgrund der Torkrise wurde schon spekuliert, dass Real im Winter den 37-jährigen Sturm-Altstar Zlatan Ibrahimovic aus der US-Profiliga MLS als "Retter" verpflichten könnte.

Spieler beteuern "großes Vertrauen"

Lopetegui wollte sich dennoch nicht mit der aufkeimenden Trainerdebatte befassen. "Ich mache mir nicht zu viele Gedanken über das, was geschrieben und gesagt wird. Ich konzentriere mich auf das Spiel. Wir müssen uns auf unsere Ziele fokussieren", sagte er am Montag: "Wir haben viele Chancen kreiert, diese aber nicht genutzt. Das müssen wir verbessern." Lopetegui hofft, gegen den tschechischen Meister im heimischen Santiago Bernabéu "die Wende" einzuleiten und versprach: "Wir werden kämpfen!"

Rückendeckung erhielt Lopetegui von seinen Spielern. "Wir haben großes Vertrauen in ihn. Wir Spieler schießen keine Tore und verteidigen nicht gut. Es liegt nicht immer nur am Trainer", sagte Mittelfeldspieler Isco. Kapitän Sergio Ramos versicherte: "Julen hat den Rückhalt der gesamten Kabine."

Clasico als Endspiel?

Wie lange der mächtige Klub-Präsident Florentino Perez noch hinter Lopetegui steht, bleibt abzuwarten. Nach dem Spiel gegen Pilsen tritt Real am kommenden Sonntag zum Clasico beim FC Barcelona an. Ein Real-Sieg könnte zur Wende, zum Befreiungsschlag werden. Eine Niederlage beim Erzrivalen und Tabellenführer dürfte in Madrid, das als Siebter der Primera Division sogar aus den internationalen Plätzen gerutscht ist, aber vermutlich personelle Folgen haben.

Rund um das Estadio Santiago Bernabeu kursieren längst prominente Namen. Antonio Conte etwa, zuletzt beim FC Chelsea angestellt, steht angeblich als Nachfolger hoch im Kurs. Die besten Karten hat aber wohl ein weitgehend Unbekannter im Trainergeschäft. Santiago Solari, 42, betreut Reals Nachwuchsteam Castilla - und das ziemlich erfolgreich.

Die B-Mannschaft Madrids ist hervorragend in die Saison gestartet und nach neun Spielen noch ungeschlagen. Zudem dürften dem Argentinier die Parallelen zu Zidane in die Karten spielen. Solari und das französische Mittelfeld-Genie liefen einst gemeinsam für Real auf. Und auch Zidane betreute die Castilla, bevor er im Januar 2016 Rafael Benitez als Chefcoach beerbte und anschließend dreimal nacheinander die Champions League gewann. Präsident Perez wird es nicht vergessen haben.

Quelle: ntv.de, Emanuel Reinke, sid