Fußball

Königsblaue Depressionen Magath ratlos, S04 im freien Fall

Mit vier Niederlagen ist der FC Schalke 04 in die Bundesliga gestartet, so schlecht wie nie zuvor. Den dringend benötigten Europacup-Platz können die Gelsenkirchener damit rein statistisch schon abschreiben. Die Mannschaft ist komplett verunsichert, Alleinherrscher Felix Magath sichtlich angeschlagen. Antworten auf die Dauerkrise hat er nicht.

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Verantwortlich für die Schalker Krise: Felix Magath.

(Foto: dpa)

Freispielen wollte sich der FC Schalke gegen den Erzrivalen Borussia Dortmund, den katastrophalen Saisonstart mit einem Derby-Sieg vergessen machen, neu durchstarten. Nun haben die Schalker erstmal einen Tag frei, um das Debakel gegen den BVB aus dem Kopf zu bekommen. Das schmeichelhafteste am Revier-Klassiker war für Schalke das Ergebnis von 1:3. Dortmund hätte höher gewinnen müssen, so überlegen gestaltete das Team von Jürgen Klopp die Partie in Gelsenkirchen. Doch Schalke-Keeper Manuel Neuer mit zahlreichen Paraden und gleich dreimal die Torlatte verhinderten, dass sich die Kräfteverhältnisse auf dem Rasen auch im Ergebnis spiegelten.

Versteinert war die Miene von Schalkes Alleinherrscher Felix Magath nach Spielende dennoch, er sprach von einem der "schlimmsten Tage" seiner Trainerlaufbahn. Der in der Vorsaison noch als Heilsbringer gefeierte Magath wirkt inzwischen ratlos und, was noch schlimmer ist, er bleibt die Antwort auf die drängendste Frage schuldig. Die würde erklären, wie sich aus der von ihm radikal umgebauten Mannschaft in kürzester Zeit ein Team formen lässt, das die völlige Verunsicherung ablegt und endlich punktet. Stattdessen sagt Magath: "Man darf jetzt nicht alles grundsätzlich infrage stellen. Ich muss das Spiel erst analysieren, um entsprechende Maßnahmen zu ergreifen." Um dann zu der banalen Erkenntnis zu gelangen: "Wir müssen was verändern."

Offenbarungseid auf dem Platz

Anders als bei den vier Pflichtspielpleiten zuvor hatte Magath diesmal nicht einmal Lust, das Spiel seiner Mannschaft schönzureden. "Erstmals musste ich feststellen, dass wir völlig verunsichert waren und überhaupt keine Chance hatten, das Spiel zu gewinnen", befand der Trainer. Ein Offenbarungseid auch für ihn, schließlich hat er diese Mannschaft für stolze 37 Millionen Euro zusammengestellt und sich damit bislang grandios verzockt. Insbesondere die Abwehr agierte gegen Dortmund erneut vogelwild, obwohl der von den Schalke-Fans ob seiner BVB-Vergangenheit zum alleinigen Sündenbock erkorene Christoph Metzelder verletzt fehlte.

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Gesicht der Schalker Krise auf dem Platz: Benedikt Höwedes. glückloser Abwehrchef.

(Foto: dpa)

Der Grund scheint einfach zu benennen: Von der kaum bezwingbaren Schalker Viererkette der Vorsaison ist auf Magaths Wunsch hin nur Benedikt Höwedes übriggeblieben. Der aber spielt wie Metzelder bislang eine Saison zum Vergessen. In Liga und Champions League hat Höwedes bereits zwei Platzverweise kassiert, ein Eigentor geschossen und den Ball bei Dortmunds 1:0 durch Shinji Kagawa unhaltbar abgefälscht. Nach dem Revier-Derby entschuldigte er sich bei den Fans für die "unterirdisch schwache" Leistung. Dann appellierte er an sich und seine Teamkollegen, im nächsten Spiel gegen den SC Freiburg jetzt "erstmal einfachste Tugenden wie Leidenschaft" zu zeigen.

Team ohne Tugenden

Tugenden, die Schalkes Team der Vorsaison hatte. Damals wurde zwar nicht attraktiv gespielt, aber zumindest regelmäßig gepunktet. Ersteres wollte Magath mit seinem Großeinkauf trotz klammer Kassen ändern. Doch herausgekommen ist ein Schalker Team, das weiterhin nicht attraktiv spielt und auch nicht mehr punktet. Als einziges Team der Liga hat der Vizemeister nach vier Spieltagen keinen Zähler auf dem Konto, doch besonders bitter ist: Schalke steht vollkommen zu Recht am Tabellenende. In jedem Ligaspiel waren die "Knappen" bislang auch die schlechtere Elf.

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Bislang ein Flop: Altstar Raul.

(Foto: dpa)

Mit dem Umbau der Abwehr hat Magath die Statik der Mannschaft derart verändert, dass das Team regelmäßig in sich zusammenfällt. Der spanische Altstar Raúl ist ein Totalausfall in der Offensive, der neue Starstürmer Klaas-Jan Huntelaar ein Fremdkörper in einer Mannschaft, die noch keine ist. Und der 13 Millionen Euro teure Spielmacher José Manuel Jurado ist hinter Mario Gomez der aktuell teuerste Bankdrücker der Bundesliga. Hoffnung macht den Schalkern das relativ leichte Programm in den nächsten Wochen. Nach dem Spiel in Freiburg am Mittwoch folgen ein Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach und ein Auswärtsspiel in Nürnberg.

Europacup nur noch Utopie

Schon jetzt können die Schalker das Erreichen des Liga-Saisonziels abschreiben: Das lautete, einen Europapokalplatz zu erreichen, um sich auch für die nächste Saison dringend benötigte Einnahmen zum Unterhalt der noch immer teuren Mannschaft zu sichern. Dieses Unterfangen ist rein statistisch bereits zum Scheitern verurteilt, vermeldet der "Spiegel". Bislang beendeten Mannschaften, die sich zu Saisonbeginn vier Niederlagen leisteten, eine Saison nie besser als auf Platz elf. Allerdings: Als Schalke das letzte Mal mit drei Pleiten in eine Saison gestartet war, 1987/88, stieg die Mannschaft anschließend ab.

Ein Rauswurf von Felix Magath steht auf Schalke dennoch nicht bevor, behauptet zumindest der vor Wochen von Magath als Fan-Beauftragter entmachtete Rolf Rojek. Er sagt: "Dass man jetzt den Trainer los werden will, das ist noch nicht so. Aber natürlich häufen sich Stimmen und fragen, ob das alles richtig war." Antworten bekommen sie vorerst nicht, zumindest nicht von Felix Magath.

Quelle: ntv.de, mit dpa