Fußball

Viertes Spiel ohne Sieg Man United und Mourinho in der Krise

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(Foto: REUTERS)

Auch im Spiel gegen den FC Valencia enttäuscht Manchester United. Das stellt sich die Frage: Welchen Zweck haben José Mourinhos Wunderlichkeit und sein deprimierender Fußball, wenn die Ergebnisse ausbleiben?

Eine Viertelstunde war noch zu absolvieren im Old Trafford, diesem heiligen Ort des Fußballs. "Lasst uns weiter auf den Siegtreffer drängen!", twitterte die Medienabteilung von Manchester United in dem Wissen, dass ein torloses Unentschieden gegen den FC Valencia kein erbauliches Resultat ist. Trotzdem hatte Außenstürmer Alexis Sánchez keine Eile, als er bei seiner Auswechselung den Rasen verließ. Er wirkte auf dem Weg zur Ersatzbank wie jemand, der einen Sonntagsspaziergang im Park genießt. Erst als sich auf den Rängen Protest regte, beschleunigte er seinen Gang. Als er die Seitenlinie überquerte, jubelte das Publikum.

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Er zumindest in beliebt: Anthony Martial, Manchester United.

(Foto: REUTERS)

Das lag vermutlich daran, dass der eingewechselte Anthony Martial beliebt ist bei den Fans. Genauso gut hätten die Zuschauer aber auch einfach nur erleichtert sein können, dass es Sánchez endlich vom Feld geschafft hatte. Die Szene eignet sich als Sinnbild des Spiels, in dem es auch beim Abpfiff noch 0:0 stand. Manchester United enttäuschte wieder einmal, die Mannschaft operierte lustlos und behäbig und je länger die Veranstaltung dauerte, desto ungehaltener wurde das Publikum. Im Verlauf der zweiten Hälfte klang immer wieder ein Schlachtruf durch das Stadion, der traditionell anzeigt, dass die Fans mit ihrer Geduld am Ende sind: "Attack! Attack! Attack!", riefen sie. Doch United griff nicht an. "Das ist kein gutes, aber auch kein schlechtes Ergebnis", sagte Trainer José Mourinho über den torlosen Ausgang der Partie.

Isoliert betrachtet ist ein Remis in der Champions League kein Drama, zumal der englische Rekordmeister die erste Partie bei Young Boys Bern überzeugend mit 3:0 gewonnen hatte. Doch das Spiel gegen Valencia lässt sich nicht isoliert betrachten. Es ist die Fortsetzung einer sportlichen und atmosphärischen Krise bei der vielleicht größten Fußball-Institution des Planeten. In der Liga hat United durch die 1:3-Niederlage am Wochenende gegen West Ham den schlechtesten Start seit 29 Jahren perfekt gemacht, im Ligapokal ist die Mannschaft am Zweitligisten Derby County gescheitert. Das 0:0 gegen Valencia war das vierte Spiel ohne Sieg hintereinander.

"Er macht den Verein lächerlich"

Mourinho hat mit seiner Streitsucht ein destruktives Klima geschaffen. Er hat die Klubführung in Person von Vizepräsident Ed Woodward für die Transferpolitik im Sommer kritisiert, er stellt immer wieder Spieler öffentlich bloß und liefert sich seit Wochen eine Fehde mit Weltmeister Paul Pogba, die sich wunderbar als Seifenoper verfilmen ließe. Nach der Partie gegen Valencia eröffnete Mourinho den nächsten Nebenkriegsschauplatz - und gab der Polizei von Manchester die Schuld daran, dass Uniteds Mannschaftsbus mit Verspätung am Stadion angekommen war. Unabhängig davon, ob er damit richtig lag oder nicht, zeigt die Episode, dass es mittlerweile seine Lieblingsdisziplin ist, die Verantwortung bei anderen zu suchen.

Doch diese Strategie funktioniert nicht mehr. "Sein Mund ist außer Kontrolle. Er macht den Verein lächerlich", urteilte Uniteds Legende Paul Scholes, Mitglied der berühmten Truppe, die 1999 die Champions League gewann, schon vor dem Anpfiff im Bezahlsender BT Sport. Mourinho wollte diesen Kommentar nach dem Spiel nicht kommentieren. "Er kann sagen, was er will. Wir sind in einem freien Land", stellte er lediglich fest. Die milden Worte waren erstaunlich, in der Vergangenheit hat er Ex-Profis wie Scholes gerne mit scharfen Worten gekontert. Doch Mourinho wirkt zunehmend desinteressiert. Auch das Publikum verzagt. Als die Partie gegen Valencia vorbei war, wurde kurz gebuht. Dann schossen die Zuschauer ein letztes Erinnerungs-Selfie und verließen den Ort des Geschehens schweigend.

Mourinho ist immer schon ein komplizierter Charakter gewesen, sein Fußball war nie von Entdeckungsgeist oder Draufgängertum geprägt, sondern streng auf Ergebnisse ausgerichtet. Weil die Ergebnisse in der vergangenen Saison ordentlich waren mit der Vizemeisterschaft in der Premier League, der besten Platzierung seit dem Abschied von Sir Alex Ferguson vor fünf Jahren, und dem Einzug ins Endspiel des FA-Cups, hatten sich die Fans mit den Macken ihres Trainers arrangiert. Doch welchen Zweck haben seine Wunderlichkeit und sein deprimierender Fußball, wenn die Ergebnisse ausbleiben?

Es deutet viel darauf hin, dass Mourinho bei Manchester United wieder einmal in seiner dritten Saison scheitert, wie vorher schon bei Real Madrid und beim FC Chelsea. Seine Regentschaft im Old Trafford weist alle Symptome eines Endstadiums auf. Wobei nicht abzusehen ist, wie lange dieses Endstadium noch dauern wird. Der Klub lässt sich unter Woodward gern Zeit mit komplizierten Entscheidungen. Eine angebliche Kontaktaufnahme zu Zinedine Zidane, dem im Moment arbeitslosen Ex-Trainer von Real Madrid, hat er gerade als "Unsinn” abgetan.

Quelle: n-tv.de

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