Fußball

Messi zu kurz, Ronaldo zu schlecht Manuel Neuer wird Weltfußballer - oder?

imago16954946h.jpg

Glückwunsch: Rio de Janeiro, 13. Juli 2014 - Manuel Neuer gratuliert Lionel Messi, dem besten Spieler der WM.

(Foto: imago/Laci Perenyi)

Er ist Weltmeister, Teilzeit-Libero und einer der besten Torhüter dieses Planeten. Dass Manuel Neuer es in die Top 3 zur Wahl des Weltfußballers schafft, ist famos. Dennoch hat er keine Chance. Und das liegt nicht nur an Nordkorea.

Manuel Neuer macht das Rennen, ganz klar. Die Konkurrenz ist einfach schlechter als der Torhüter der deutschen Nationalelf. Bei allem Respekt: Lionel Messi misst 169 Zentimeter - auf der Linie steht der Argentinier auf verlorenem Posten. Und der Portugiese Cristiano Ronaldo hat nachweislich Probleme, den Ball einfach mal festzuhalten. Also kann es nur einen geben, wenn der Weltverband am 12. Januar im Züricher Kongresshaus verkündet, wer der beste Fußballer der Welt ist: Manuel Neuer, der Weltmeister. Oder? Ach so. Messi und Ronaldo sind gar keine Torhüter? Hm. Dann sieht die Sache natürlich anders aus.

Also noch einmal von vorne: Der Weltfußballer steht längst fest, Einsendeschluss war der 21. November. Wir wissen nur noch nicht, wer den Ballon d'Or, den Goldenen Ball, bekommt, weil die Fifa nur die Namen der besten drei bekanntgegeben hat. Es soll halt spannend bleiben, für die Verleihung gibt's extra eine Gala. Stimmberechtigt waren die Nationaltrainer und Kapitäne der 209 Mitgliedsverbände sowie ein Journalist aus jedem Land. Laut Fifa lag die Wahlbeteiligung bei Spielern und Trainern bei 87 Prozent, bei den Medienvertretern waren es 94 Prozent. Und diese 560 Menschen haben sich mehrheitlich für Neuer, Messi und Ronaldo entschieden. Womit wir bei der Frage sind, worum es überhaupt geht.

Sie wählen das Spektakel

Es steht nämlich ausdrücklich nicht der für seine Mannschaft wertvollste, sondern der individuell beste Fußballer zur Wahl. Und auch wenn es zu großen Teilen eine Abstimmung unter Kollegen ist, verhalten die sich in der Regel wie Fans. Sie wählen das Spektakel, die Spieler, die dafür sorgen, dass die Leute ins Stadion gehen; die für die besonderen Momente sorgen; die die Tore schießen und so weltweit für Furore sorgen. Im vergangenen Jahr gewann Ronaldo, 2012, 2011, 2010 und 2009 Messi, 2008 Ronaldo. Auch dieses Mal wird einer von den beiden den Goldenen Ball bekommen.

Wie sagte es Han Un-Gyong, Nordkoreas Vertreterin in der Exekutive des asiatischen Kontinentalverbandes AFC: "Alle Kinder in unserem Land lieben Messi und verfolgen über das Internet seine Spiele." Selbst wenn es erhebliche Zweifel am Wahrheitsgehalt dieser im Grunde sehr originellen Aussage aus einer sich abschottenden Diktatur gibt, steht sie doch exemplarisch dafür, dass es beim Ballon d'Or nicht nur um Fußballer, sondern in erster Linie um globale Marken geht. Messi und Ronaldo kennt auf diesem Planeten jedes Kind. Da steht einer wie Manuel Neuer natürlich auf verlorenem Posten. Auch wenn er für den FC Bayern und die DFB-Elf ungeheuer wertvoll ist, mit seinem Drang zur Offensive das Torwartspiel als Teilzeit-Libero revolutioniert hat, den Ball bisweilen elegant mit der Hacke spielt und zweifelsohne einer der Besten, wenn nicht der Beste seines Fachs ist. Und auch, wenn nach Lew Jaschin 1963 nie mehr ein Torhüter Weltfußballer wurde und die Gelegenheit jetzt doch günstig wäre - er hat keine Chance. Er ist zwar fundamentaler Bestandteil der besten Mannschaft der Welt, aber eine Ein-Mann-Show, die die Massen begeistert, ist er nicht.

Er hat Recht, wenn er sagt: "Dass ein Torwart nominiert wird, ist ja nicht selbstverständlich." Es stimmt auch, was er hinzufügt: "Das habe ich aber in besonderem Maße auch meinen Mannschaften zu verdanken. Mit dem FC Bayern und der deutschen Nationalmannschaft haben wir ein großartiges Jahr 2014 gespielt und Titel gewonnen." Das ist es ja gerade. In beiden Fällen ist das Team der Star. Und das stand nicht zur Wahl. Das letzte Wort soll Andreas Köpke haben, der Bundestorwarttrainer. Der hatte jüngst gesagt: "Ich bin mir sicher, dass wir auch mit Roman Weidenfeller oder Ron-Robert Zieler im Tor Weltmeister geworden wären."

Quelle: ntv.de