Fußball

Fußball-Zeitreise, 19.1.1994 Matthias Ginter und sein besonderer Rekord

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Er hat, das lässt sich ohne Übertreibung sagen, mit seinen 25 Jahren schon viel erlebt: Matthias Ginter.

imago/MIS

Heute wird Matthias Ginter 25 Jahre alt. Erst. Denn der Mann hat schon eine ganze Menge erlebt. Nicht immer nur Positives. Aber er ist Fußball-Weltmeister geworden. Und durch einen ganz speziellen Rekord hat er einen anderen Weltmeister vermutlich sehr glücklich gemacht.

Günter Hermann dürfte froh sein. Obwohl er nicht der einzige Fußball-Weltmeister war, der 1990 als Feldspieler nicht eine Sekunde während des Turniers in Italien auf dem Platz gestanden hat, galt er immer als das Sinnbild für den WM-Sieger ohne Einsatzzeit. Dabei hatten schon 1954 in der Schweiz Herbert Erhardt, Karl-Heinz Metzner und Ulrich Biesinger und 1974 in Deutschland Helmut Kremers und Jupp Kapellmann keine Chance gehabt, sich über erfolgreiche Aktionen auf dem Feld direkt am WM-Gewinn zu beteiligen. Und 1990 in Italien blieben neben Hermann auch Stürmer Frank Mill ("Ich fühle mich nicht als Weltmeister") und Verteidiger Paul Steiner ebenfalls eine komplette WM außen vor.

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WM 1990, Halbfinale in Turin. Deutschland gewinnt gegen England im Elfmeterschießen. Und wer sitzt auf der Bank? Günther Hermann. Links neben ihm der Ersatztorhüter der DFB-Elf, Raimond Aumann vom FC Bayern. Auch er spielte in Italien keine Minute.

(Foto: imago sportfotodienst)

Komischerweise wurde aber Hermann das Gesicht des Weltmeisters ohne Spiele. Bis 2018. Denn dann trat ein junger Mann in den Fokus der Öffentlichkeit, der als Feldspieler nicht nur eine WM ohne Einsatzzeit erlebt hat - sondern gleich zwei. Matthias Ginter, der am heutigen 19. Januar Geburtstag feiert, wurde 2014 in Brasilien Weltmeister und schied 2018 in Russland sang- und klanglos mit der Nationalmannschaft aus, ohne eine einzige Sekunde gespielt zu haben. Ein Rekord. Und so verblasst seit dem Sommer vergangenen Jahres das Schicksal des ehemaligen Werder-Profis Hermann immer mehr.

Doch auch wenn Ginter die neue Bestmarke vermutlich noch länger mit sich rumtragen wird müssen, so ist es doch sehr wahrscheinlich, dass er in drei Jahren ein weiteres und sicherlich erfreulicheres Kapitel in seinem Nationalmannschaftsleben wird aufschlagen können. Sein Stellenwert im DFB-Team ist nach der verkorksten WM in Russland - er wurde übrigens als einziger der 20 Feldspieler nicht eingesetzt - ein komplett anderer. Und auch bei seinem Klub Borussia Mönchengladbach lief es bis zum 25. November des vergangenen Jahres richtig gut. Erst der Zusammenstoß mit Noah Sarenren Bazee sorgte für eine längere Auszeit. Beim Crash mit seinem Hannoveraner Gegenspieler zog sich Ginter einen Bruch der Augenhöhle und des Kiefers zu. Kurzfristig drohte dem Innenverteidiger sogar eine Erblindung des Auges. Heute im Spiel gegen Bayer Leverkusen steht Ginter seinem Trainer Dieter Hecking nun aber wieder zur Verfügung.

Damals dachte er ans Aufhören

Wer sich die Profikarriere des gebürtigen Freiburgers anschaut, mag kaum glauben, dass Ginter erst 25 Jahre alt ist. Denn neben dem WM-Gewinn 2014 in Brasilien stehen auch die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 2016 und der Sieg beim Konföderationen-Pokal 2017 in seinem Lebenslauf. Doch bei all den Erfolgen hat Ginter auch die Schattenseiten des Lebens kennenlernen müssen. Als am 13. November 2015 in Paris der Terror regierte und während der ersten Halbzeit am Stadion laut und deutlich vernehmbar Bomben explodierten, war Ginter hautnah mit dabei. Und als 2017 ein Irrer aus Geldgier vor dem Champions League-Spiel gegen den AS Monaco in Dortmund einen Anschlag auf den Mannschaftsbus des BVB verübte, saß Ginter mit seinen Kollegen im Bus. Damals dachte er ans Aufhören. Er überlegte ernsthaft, seine Karriere zu beenden. Doch Ginter wollte sich nicht das nehmen lassen, was er am meisten liebt: das Fußballspielen. Richtig so.

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Hermann war beim Gewinn der Weltmeisterschaft 1990 in Italien bereits 29 Jahre alt. Nach der WM bestritt er nie wieder ein Spiel für die DFB-Elf. Und auch wenn Ginter nun diesen einsamen Rekord für immer mit sich rumtragen wird, so ist es doch sehr wahrscheinlich, dass man sich schon in ein paar Jahren an ganz andere Dinge erinnern wird, wenn man auf seine außergewöhnliche und ereignisreiche Karriere zurückschaut. Heute aber wird erst einmal Geburtstag gefeiert. Und vielleicht macht seine Mannschaft Ginter auch das passende Geschenk. Ein Sieg zum Rückrunden-Auftakt beim rheinischen Konkurrenten in Leverkusen wäre sicherlich eine schöne Sache. Herzlichen Glückwunsch und alles Gute, lieber Matthias Ginter, aber so oder so!

Quelle: n-tv.de

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