Fußball

"Jeder will gegen sie spielen" Meister Liverpool ist jetzt ein Aufbaugegner

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Jürgen Klopp erlebt schwere Wochen in Liverpool.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Jürgen Klopps FC Liverpool taumelt nur noch durch die Premier League: Der überlegene Meister der Vorsaison ist dieser Tage nicht mehr wiederzuerkennen. Dafür gibt es Gründe, der Trainer sieht sogar Anlass zur Hoffnung. Doch die Kehrtwende muss schnell vollzogen werden.

Die vierte Premier-League-Niederlage in Serie für den englischen Fußballmeister FC Liverpool tat Jürgen Klopp besonders weh. "Wir stehen hier, haben das Derby mit 0:2 verloren. Wir wissen alle, wie wichtig das Spiel ist, und das trifft uns hart", sagte der Coach nach dem bitteren Rückschlag am Samstag gegen den Lokalrivalen FC Everton. Klublegende Graeme Souness übte bei Sky Sports harte Kritik. "Das ist nur ein Schatten der Liverpool-Mannschaft der letzten drei Jahre", klagte Souness. "Jetzt will jeder gegen sie spielen, weil sie ein leichtes Ziel sind. Es tut mir weh, so etwas zu sagen."

Tatsächlich ist Klopps Team, das im Vorjahr mit 18 Punkten Vorsprung Meister wurde, in dieser Saison nicht mehr wiederzuerkennen. Als Tabellensechster droht Liverpool sogar die Qualifikation für die Champions League zu verspielen. Trotzdem übte sich Klopp in Durchhalteparolen. "Es gab viel Gutes", sagte der 53-Jährige. "Die Chancen, die wir uns erspielt haben, sind die Garantie dafür, dass wir etwas ändern können."

Schlimme Meilensteine

Etwas ändern müssen die Reds auch dringend, damit die Saison nicht im Desaster endet. Das 0:2 gegen Everton hatte historische Züge. Es war die erste Heimpleite gegen die Toffees seit 1999. Vier Heimspiele in Serie verlor Liverpool zuletzt vor fast 100 Jahren im Dezember 1923. Und dass ein englischer Fußballmeister viermal hintereinander zu Hause verliert, gab es zuletzt in der Saison 1928/29. Es war ausgerechnet Everton.

"Katastrophale Meilensteine" nannte es der "Telegraph". Liverpools 2:0-Sieg gegen RB Leipzig im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League brachte also nicht die erhoffte Wende für Klopp und sein Team. Im Derby geriet der Meister schon nach drei Minuten in Rückstand. Ex-Bayern-Profi James Rodriguez überlistete die überforderte Schalker-Leihgabe Ozan Kabak und passte auf Richarlison (3. Minute). Der Frust war Klopp an der Seitenlinie anzusehen. "Das erste Tor hat dem Spiel eine Richtung gegeben, die unnötig war", sagte er. Über den Strafstoß, der zum zweiten Gegentor durch Gylfi Sigurdsson (83.) führte, wollte der Coach nicht sprechen. "Es ist unfair, mich danach zu fragen, denn alle fragen danach. Und das bedeutet, alle denken, es war kein Elfmeter. Aber das ist wirklich nicht wichtig, denn der Schiedsrichter fand, es war ein Elfmeter."

"Es sieht nicht gut aus" - mal wieder

Die Verunsicherung ist der Mannschaft anzusehen. Hinzu kommt das nicht endende Verletzungspech. Gegen Everton musste nun Kapitän Jordan Henderson nach einer halben Stunde wegen Beschwerden am Oberschenkel ausgewechselt werden. "Es sieht nicht gut aus", sagte Klopp bedrückt.

Liverpool versäumte es, im Rennen um die Königsklasse Boden gut machen. Der FC Chelsea hatte zuvor Punkte liegengelassen und beim FC Southampton nur 1:1 (0:1) gespielt. Trainer Thomas Tuchel, mit den Londoner unbesiegt, ärgerte sich über "verpasste Gelegenheiten". Mit seinem Team war er nicht zufrieden. Besonders hart traf es Callum Hudson-Odoi, den Tuchel nur 20 Minuten nach seiner Einwechslung wieder vom Platz holte. "Vielleicht war das unfair, aber er gab mir nicht das Gefühl, dass er das Spiel entscheiden kann", erklärte Tuchel. "Morgen ist das vergessen und wir bereiten uns auf Atletico Madrid vor." Das Achtelfinal-Hinspiel der Champions League findet am Dienstag in Bukarest statt.

Quelle: ntv.de, ter/dpa