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Zuckerpässe im DFB-Trikot Metronom Gündogan erntet endlich Applaus

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Zog die Fäden im Spiel gegen Estland: Mittelfeld-Metronom Ilkay Gündogan

(Foto: imago images / DeFodi)

Vor einem Jahr bricht für Ilkay Gündogan eine Welt zusammen, als er vom heimischen Publikum wegen des Erdogan-Fotos ausgepfiffen wird. Zwölf Monate danach ist er wieder ein wichtiger Bestandteil des DFB-Teams, spielt Zuckerpässe und übernimmt Verantwortung.

Der Applaus ein Jahr nach den Pfiffen war Balsam für die verwundete Seele von Ilkay Gündogan. "Das ist extrem schön, gerade nach den negativen Zeiten letzten Sommer, das tut extrem gut", sagte der Nationalspieler nach dem 8:0 (5:0) im EM-Qualifikationsspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Estland.

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Als Gündogan nach einer bärenstarken Vorstellung in der 53. Minute ausgewechselt worden war, hatte ihm das Mainzer Publikum geschlossen applaudiert. Viele jubelten ihm zu, manche erhoben sich von ihren Sitzen. Genau ein Jahr nach den Pfiffen gegen Gündogan im Zuge der Erdogan-Affäre bei der WM-Generalprobe in Leverkusen gegen Saudi-Arabien (2:1) war es für den 28-Jährigen wie eine Erlösung von einem bösen, lang anhaltenden Fluch.

Gündogan trägt DFB-Trikot mit "großem Stolz"

"Nicht nur ich, wir alle hatten eine sehr, sehr schwere Zeit im DFB-Trikot", sagte Gündogan. Das Erdogan-Foto und das WM-Desaster wogen schwer, doch während sich sein Kumpel Mesut Özil in der Folge von der DFB-Elf abwendete, biss sich Gündogan durch. Er empfinde nach wie vor "großen Stolz", wenn er das Trikot mit dem Adler auf der Brust trage, sagte er, doch ihm war bewusst, dass er die Gunst der Fans nur über Leistung wieder würde erobern können. Das tat er. Mit einer starken Saison bei Manchester City - und nun auch in Mainz.

Gündogans Zuckerpässe leiteten die ersten beiden Tore ein, in Abwesenheit des geschonten Toni Kroos war er das Metronom des deutschen Spiels. Gündogan harmonierte nahezu perfekt mit seinen Nebenleuten Joshua Kimmich und Leon Goretzka im Dreier-Mittelfeld, er glänzte mit spielerischer Eleganz und zeigte wenn nötig Zweikampfhärte. Dass er den Elfmeter schießen durfte, zeigt seine herausgehobene Position in der neuen Team-Hierarchie. Er traf sicher vom Punkt und krönte seine tolle Leistung mit seinem ersten Länderspieltor seit Herbst 2015.

Doch dieser traumhafte Abend in Mainz soll nur der Anfang auf einem langen Weg gewesen sein, nicht nur für Gündogan ganz persönlich. "Das macht Bock auf mehr", sagte der 28-Jährige. Bei der EM 2020 soll die verjüngte deutsche Auswahl wieder Titelreife besitzen - und von den Fans getragen werden. Der Grundstein dafür ist laut Gündogan gelegt. "Es macht jetzt wieder Spaß, nicht nur auf dem Platz, auch auf den Rängen", sagte er. Besonders, wenn von dort warmer Applaus kommt statt Pfiffe.

Quelle: n-tv.de, Marco Mader und Oliver Mucha, sid

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