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Zwei, die sich nach internationaler Reputation sehnen: Thomas Müller und Philipp Lahm.
Zwei, die sich nach internationaler Reputation sehnen: Thomas Müller und Philipp Lahm.(Foto: picture alliance / dpa)
Mittwoch, 22. Mai 2013

"BVB kann Saison der Bayern zunichte machen": Müller fürchtet den Versagerstempel

Von Stefan Giannakoulis

Für die Bayern geht es im Endspiel der Champions League nicht nur um einen Titel. Sondern darum, finale Traumata auszulöschen. Der BVB kann den Münchnern die Saison versauen. Und so fürchtet Thomas Müller das Image des ewigen Verlierers.

Für einen Leistungssportler ist es keine gute Sache, sich vor dem Wettkampf das Szenario des größtmöglichen Scheiterns vor Augen zu führen. Andererseits ist es vor dem Finale der Champions League am Samstag in London nun einmal so, wie es ist. Peter Neururer, Trainer des Fußball-Zweitligisten VfL Bochum und Experte für alles, hat es in einem Interview mit der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" gewohnt prägnant formuliert: "Die Dortmunder können nur gewinnen und in einem Spiel die Saison der Bayern zunichte machen. Eine Saison, in der die Bayern die Liga total dominiert haben."

Da es also eh alle wissen, beschäftigt sich auch Münchens Flügelspieler Thomas Müller mit dem für den FC Bayern schlechtesten aller anzunehmenden Spielausgänge. Da es nur zwei gibt, ist das auch nicht allzu kompliziert. Er weiß: Peter Neururer und alle anderen haben Recht. Selbst wenn die Bayern noch den DFB-Pokal gewinnen würden, am 1. Juni geht es in Berlin gegen den VfB Stuttgart - es wäre mit der deutschen Meisterschaft das wertloseste Double der Vereinsgeschichte, wenn sie in Wembley gegen den BVB verlieren. Und so sagt Thomas Müller: Für mich wird's auch langsam Zeit, dass ich das Ding mal hole. "Wenn du dreimal verlierst, hast du einen Loser-Stempel drauf - und den willst du nicht."

Zweimal haben die Bayern es bereits verpatzt, 2010 mit 0:2 gegen Inter Mailand und im vergangenen Jahr im eigenen Stadion gegen den FC Chelsea nach Elfmeterschießen. Ein Trauma, das bis heute wirkt. Nur dass jetzt der Druck noch größer ist, weil die Bayern die fußballerisch beste Saison seit Jahren spielen. Und wer den FC Barcelona in zwei Halbfinalpartien mit insgesamt 7:0 besiegt, der will sich auch krönen. Ach was, er muss. Thomas Müller, seit 2000 im Verein, stand bei beiden Niederlagen auf dem Platz. Gegen Chelsea gelang ihm sieben Minuten vor dem vermeintlichen Ende der Partie der Führungstreffer. Doch dann kamen dieser Eckball und Didier Drogba. Der Rest ist Geschichte.

"Zu einer großen Ära gehören internationale Titel"

Und obwohl er erst 25 Jahre alt ist, hat er auch mit der deutschen Nationalmannschaft zwei Enttäuschungen hinter sich. In Südafrika 2010 bei der Weltmeisterschaft verlor er mit der DFB-Elf das Halbfinale gegen Spanien, zwei Jahre später bei der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine die Vorschlussrunde gegen Italien. Kurzum: Was ihm fehlt, ist ein internationaler Titel. Wenn er wissen will, was das Problem ist, muss er nur seine Teamkollegen Philipp Lahm, 29 Jahre, und Bastian Schweinsteiger, 28 Jahre alt, fragen.

Die haben mit dem FC Bayern sieben beziehungsweise elf nationale Titel geholt, doch auch ihnen fehlt der eine große Titel. "Zu einer großen Ära gehören internationale Titel. Wenn es in den nächsten Jahren, in denen ich dabei bin, nicht mit Titeln klappt, wird man nicht von einer großen Ära oder einer Goldenen Generation sprechen können. Daran lasse ich mich messen", hatte Philipp Lahm, Kapitän der Bayern und der DFB-Elf, vor einem Jahr gesagt. "Allzu lange haben Spieler wie Basti und ich nicht mehr." Jetzt vor dem Showdown in Wembley klingt das ein wenig moderater. "Wir haben große Titel gewonnen, aber der große internationale fehlt uns noch. Es ist das große Ziel, aber es gibt keine Garantie, dass man ihn irgendwann holt." Klingt so, als baue da jemand für den Fall der Fälle vor.

Wesentlich aggressiver gibt sich da Bastian Schweinsteiger. Wenn er keinen großen Titel hole, "sterbe ich auch nicht früher", motzte er jüngst. Hilft aber auch nichts. Borussia Dortmund kann ihnen alles versauen. In einem einzigen Spiel. Oder wie Peter Neururer sagt: "Bayern hat eine Menge zu verlieren, obwohl sie schon einiges gewonnen haben."

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Quelle: n-tv.de

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