DFB-Team hat nächsten VerletztenNagelsmann lüftet auch letztes Aufstellungsgeheimnis

Julian Nagelsmann lässt sich vor dem ersten Test im WM-Jahr voll in die Karten schauen. Die Startelf des Bundestrainers steht und er teilt sie schon vorab mit der Öffentlichkeit. Gute Nachrichten gibt es für Kai Havertz, Antonio Rüdiger dagegen muss sich in Geduld üben.
Vom Abwehrchef zum Ersatzmann: Antonio Rüdiger hat seinen Platz in der Innenverteidigung der deutschen Fußball-Nationalmannschaft erst einmal verloren. "Als Trainer wechselst du nicht von Spiel zu Spiel deine Innenverteidigung. Die Innenverteidigung ist sehr, sehr nah an deinem Herzstück und sollte nicht ständig verändert werden", sagte Julian Nagelsmann vor dem Start ins WM-Jahr in Basel gegen die Schweiz am Freitag (20.45 Uhr/RTL und im ntv.de-Liveticker). Zuvor hatte der Bundestrainer Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck eine Einsatzgarantie gegeben.
Rüdiger honoriere "deren Leistung", betonte Nagelsmann, und akzeptiere "die Situation". Bei der WM in den USA, Mexiko und Kanada (11. Juni bis 19. Juli) werde der 33-Jährige vom spanischen Rekordmeister Real Madrid dennoch "eine gewichtige Rolle" einnehmen, auch wenn "er nur reinkommt". Es werde aber auch Spiele geben, "in denen er von Beginn an spielt", sagte Nagelsmann. Aber wenn Tah und Schlotterbeck "stabil bleiben, ist es erst einmal so".
Der zuletzt immer wieder von Verletzungen geplagte Rüdiger will der DFB-Elf bei der WM aber helfen - unabhängig von seiner Rolle. "Wenn Julian mich braucht, werde ich da sein - egal, ob Startelf oder von der Bank, um das Ergebnis zu sichern", sagte er schon vor Nagelsmanns Aussage dem "Kicker". "Während einer WM", ergänzte Rüdiger, "brauchen wir sowieso mehr als nur elf Spieler, erst recht in diesem Sommer. Die Bedingungen werden sehr fordernd sein, aber auch der Reiseaufwand und die etwas erhöhte Anzahl an Spielen."
Experimentieren? "Einspielen!"
Das sieht auch Nagelsmann so. "Leider passieren beim Turnier immer mal wieder Sperren, wir hoffen nicht, dass sich irgendeiner verletzt", sagte der Bundestrainer und machte auch deshalb Rüdiger Hoffnung: "Es kann sich auch wieder drehen."
"Experimentieren", betonte der Bundestrainer vor dem ersten Härtetest beim WM-Teilnehmer, "werden wir nichts mehr!" Sein Motto laute: "Einspielen". Im Tor steht Oliver Baumann, Joshua Kimmich bleibt trotz aktueller Sechser-Probleme Rechtsverteidiger. Links spielt David Raum.
Davor fehlen ihm derzeit in Aleksandar Pavlovic und Jamal Musiala zwei Stammspieler und Mitglieder des mächtigen Bayern-Blocks, auch Torwart-Neuling Jonas Urbig fällt kurzfristig aus, er wurde durch den Augsburger Finn Dahmen ersetzt. Ein längerer Ausfall von Urbig sei allerdings nicht zu befürchten. "Ich wollte ihn nicht durchjagen, das bringt ihm nichts und uns nichts", sagte Nagelsmann. Man wolle Vernunft walten lassen.
Havertz bekommt Einsatzgarantie
Die Münchner, zu denen jetzt auch Jung-Dribbler Lennart Karl zählt, sollen "Gier" und das "Selbstverständnis für Siege" in die Mannschaft tragen. Pavlovics "Klon" auf der Sechs neben dem offensiven Leon Goretzka soll Angelo Stiller sein. Der nachnominierte Stuttgarter ist einer jener Spieler, die sich noch für eine WM-Nominierung empfehlen müssen. Musialas Part in der Offensive neben Florian Wirtz und voraussichtlich Nick Woltemade fällt Serge Gnabry zu, im Verlauf darf Karl auf sein Debüt hoffen.
Der 18-Jährige habe "sehr auffällig trainiert", schwärmte Nagelsmann, "ich bin sehr positiv angetan gewesen und hatte null den Eindruck, dass ihm der Hype zu Kopf steigt". Bliebe die Neuner-Position - und auch da legte sich Nagelsmann schon am Vorabend fest: auf Rückkehrer Kai Havertz. "Er ist ein extrem guter Spieler, der uns guttun wird auf der Position. "Havertz hatte zuletzt im November 2024 für die DFB-Auswahl gespielt.
Insgesamt will der Boss eine neue "Variabilität" sehen, einen Mix der Systeme, der "super einfach gehalten" sei. Seinen Plan, taktisch wie personell, hat er sich über Monate zurechtgelegt. "Das Schlimmste, was passieren kann", sagte er, sei eine Pleite und die Erkenntnis: Alles war "für die Katz". Stattdessen soll wie im März des Aufbruchs vor der Heim-EM 2024 ein "Glaube" entstehen, der bis zum Titel trägt.