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Lahme Ente? Famoses TSG-Finish! Nagelsmann straft seine Kritiker furios Lügen

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(Foto: imago images / Michael Weber)

Bei der TSG Hoffenheim neigt sich eine erfolgreiche Ära dem Ende zu. Nach drei Jahren verlässt Trainer Nagelsmann den Fußball-Bundesligisten gen Leipzig. Er hinterlässt ein Team im Formhoch und lässt damit die Unkenrufe verstummen.

Anfang der Woche zeigte Julian Nagelsmann seinen wohl größten Vorzug, der zu seinem Ruf als einer der spannendsten Trainer der Fußball-Bundesliga beiträgt. Bei einer eigens auf ihn zugeschnittenen Veranstaltung der "Rhein-Neckar-Zeitung" gab sich der 31-Jährige als unterhaltsamer, aufmerksamer und redegewandter Gesprächspartner und schaffte es innerhalb weniger Momente, die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. Der Trainer der TSG Hoffenheim versprüht seine Aura zu jeder Zeit - vor interessierten Besuchern einer Abendveranstaltung oder Jungmillionären in der Kabine eines Bundesligaklubs.

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In den USA gibt es einen Begriff für einen Trainer, dessen nahende Demission bekannt ist sowie dessen Überzeugzeugungskraft auf seine Mannschaft dadurch beeinträchtigt ist: "lame duck", die "lahme Ente". Beispiele für dieses Phänomen sind zahlreich und es gab viele Beobachter, die Nagelsmann und der TSG Hoffenheim vor der laufenden Saison dieses Szenario vorhersagten.

Der Fußballlehrer wechselt im Sommer zum Konkurrenten RB Leipzig und machte diesen Schritt bereits vor knapp einem Jahr publik. Von einem Leistungsabfall ist allerdings wenig zu spüren - im Gegenteil: In den letzten Wochen seines Schaffens scheint die TSG stärker denn je und schickt sich vor dem heutigen Spiel beim FC Schalke 04 (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) an, erneut die Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb zu schaffen.

Gier nach Erfolg

Marco Wildersinn wundert sich über diese Entwicklung nicht, für ihn ist sie eher folgerichtig. Wildersinn ist seit einigen Jahren Trainer der U23 der Hoffenheimer und kennt Nagelsmann schon aus dessen Zeit als Jugendtrainer im Kraichgau. "Julian ist sehr, sehr ehrgeizig und konnte schon früher bei einem Kick unter den Trainerkollegen nicht verlieren", erinnert er sich zurück. Die Gier nach dem Erfolg, der sich eben nicht nur in den Stadien der Bundesliga offenbart, treibt Nagelsmann an, machte ihn vor drei Jahren zum jüngsten Cheftrainer der Bundesliga-Geschichte und die TSG zu einer Spitzenmannschaft.

Neben der besonderen Ausstrahlung, mit der Nagelsmann Menschen für sich gewinnen kann, und dem ausgeprägten Ehrgeiz glaubt Wildersinn noch einen anderen Grund zu kennen, warum das Prinzip der "lahmen Ente" in Hoffenheim aktuell nicht auftritt. "Die Spieler haben Julian viel zu verdanken und das sorgt neben den Zielen der Mannschaft, die ja wieder in den Europapokal kommen will, dafür, dass die Jungs bis zum letzten Tag voll mitziehen", erklärt der Hoffenheimer Trainerkollege.

Erfolgstrainer der TSG

Die Reihe der Spieler, die durch und unter Nagelsmann den Durchbruch schafften und mittlerweile bei großen Klubs begehrt sind, ist lang. Akteure wie Nico Schulz, Kevin Vogt, Benjamin Hübner, Kerem Demirbay oder Ishak Belfodil spielten bei ihren Klubs nur eine Nebenrolle, ehe sie in Hoffenheim zu Leistungsträgern wurden. Nadiem Amiri, Dennis Geiger oder Stefan Posch schafften mit Nagelsmann den Sprung vom Talent zum Bundesligaspieler. Sie wollen dem in ein paar Wochen scheidenden Trainer einen positiven Abschied bereiten, was mithilft, dass die TSG sich in einem Formhoch befindet und vier der zurückliegenden fünf Bundesligapartien gewonnen hat.

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Die Tendenz deutet darauf hin, dass Nagelsmann Hoffenheim am 18. Mai nach dem letzten Spiel in Mainz mit der erneuten Qualifikation für das internationale Geschäft verlässt und die Fallhöhe für die Zeit nach dem 31-Jährigen noch ein wenig größer wird. Die TSG als Klub und der Niederländer Alfred Schreuder als Nagelsmann-Nachfolger müssen erst beweisen, dass sie ohne die Coaching-Fähigkeiten des scheidenden Trainers und dessen beeindruckend scharfen Blick für Spieler weiterhin Anwärter auf die Spitzenplätze der Bundesliga bleiben können. Abzuwarten bleibt auch, ob die Spieler, die sich unter Nagelsmann zum Teil rasant nach vorne entwickelten, ihr Niveau halten können.

Erst in ein paar Monaten oder Jahren wird sich zeigen, ob in erster Linie die TSG Hoffenheim Julian Nagelsmann geholfen hat, Bundesligatrainer zu werden, oder ob der junge Coach dem Klub aus dem Kraichgau ermöglichte, ein paar Jahre lang im Europapokal dabei zu sein. Nur eines ist jetzt schon sicher: Mit einer "lahmen Ente" hat Julian Nagelsmann nichts gemein.

Quelle: n-tv.de

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