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Bundesliga-Check: Hoffenheim Nagelsmann tönt und greift den FC Bayern an

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"Wir wollen das Ergebnis der Vorsaison toppen": Julian Nagelsmann.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Er versteckt sich mit seinen Hoffenheimern nicht und spricht vom großen Coup: Julian Nagelsmann will in der Fußball-Bundesliga den FC Bayern ärgern. Dabei ist er nur ein Trainer auf Abruf, der Job in Leipzig wartet. Kann das klappen?

Geht das gut? Die Fußballer der TSG Hoffenheim belegen in der Bundesliga Platz drei, schaffen es zum ersten Mal in die Gruppenphase der Champions League. Und was macht Julian Nagelsmann? Er unterschreibt einen Vertrag bei RB Leipzig, sagt das auch prompt - und arbeitet jetzt eine Saison lang auf Abruf. Den mit seinen 31 Jahren jüngsten Trainer der Liga ficht das nicht an. Er will zeigen, "dass die Art der Kommunikation meines Wechsels, die ich gewählt habe, richtig war". Ansonsten gelte: "Ich strebe immer nach dem Maximalen. Und das Maximale ist der Titel." Da trifft es sich gut, dass die TSG nach dem 6:1 in der ersten Runde des DFB-Pokals beim 1. FC Kaiserslautern gleich im ersten Ligaspiel der Saison am Freitag (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) beim Dauermeister FC Bayern antritt.

Was gibt's Neues?

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Hoffenheims Kante: Joelinton.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Nagelsmann geht also in die Offensive. Vielleicht, damit niemand auf die Idee kommt, ihn eine lahme Ente zu nennen. Sein Kapitän findet das prima. "Er strebt nach dem Maximalen. Ich bin ebenso ein Freund davon, groß zu denken", sagte Kevin Vogt dem "Kicker" und hat prompt seinen Vertrag vorzeitig bis 2022 verlängert. Im Pokal hat das ja ganz gut geklappt. Vielleicht nicht mit dem großen Denken, war ja nur der Drittligist Kaiserslautern, dafür aber mit dem Toreschießen. Und damit sind wir beim 22 Jahre alten Brasilianer Joelinton. Der kam 2015 nach Hoffenheim, hat gerade einmal eine Minute in der Bundesliga gespielt und war in den vergangenen beiden Spielzeiten an Rapid Wien ausgeliehen. Nun ist der Angreifer wieder da und schoss im Pokal drei Tore. Sportdirektor Alexander Rosen sagt: "Eine furchtbare Kante da vorne drin, der auch noch gut kicken kann." Teuerster Einkauf ist Kasim Adams, der für acht Millionen Euro vom Schweizer Meister Young Boys Bern kam. Der Ghanaer sei ein Innenverteidiger mit "gewaltiger Physis, ein außerordentlicher Athlet." Aus Mönchengladbach kam Vincenzo Grifo, der zuvor aber mehr beim SC Freiburg reüssierte und schon einmal bis 2013 bei der TSG spielte. Wir tippen, dass sich Mittelfeldspieler Leonardo Bittencourt, der vom Absteiger aus Köln kam, als echte Verstärkung erweisen wird.

Auf wen kommt's an?

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Neulich im Tennisklub: Matthias Sammer.

(Foto: imago/Eibner)

Darauf, wie die Hoffenheimer reagieren, wenn es mal nicht so läuft. Dann werden sie doch über Nagelsmann diskutieren. Der hat immerhin einen prominenten Fürsprecher. Matthias Sammer, Fernsehexperte und externer Berater der Dortmunder Borussia sagte jüngst: "Was Julian Nagelsmann leistet, ist unglaublich. Jetzt den Mut zu haben, von der Meisterschaft zu sprechen - das ist richtig und wichtig. Ich werde jeden attackieren, der diesen Mut kritisiert." Dennoch müssen sie sich bei der TSG 1899 Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH, bei der Mehrheitseigner Dietmar Hopp das Sagen hat, bei Zeiten nach einem neuen Trainer umsehen. "Wir haben klar gesagt, dass wir im Winter Klarheit haben möchten. Und wir machen uns gar keinen Druck, jetzt schon ins Detail zu gehen", sagte Sportchef Rosen der "Sportbild". Jürgen Klopp sagte neulich dem "Kicker": "Hoffenheim ist wirklich toll."

Was fehlt?

Nicht nur gemessen an den Abgängen ist das Ansinnen, die Bayern jagen zu wollen, durchaus ambitioniert. Mark Uth, in der vergangenen Saison treffsicherster Schütze, spielt jetzt für den FC Schalke 04 und Serge Gnabry, der auf zehn Tore kam, ist nach dem Ende seiner Ausleihe zurück in München. Hinzu kommt, dass die Mittelfeldspieler Lukas Rupp, Kerem Demirbay, Dennis Geiger und Nadiem Amiri verletzt sind und länger ausfallen werden. Auch Andrej Kramaric ist angeschlagen. Er hatte in der vergangenen Saison 13 Treffer erzielt, acht Vorlagen gegeben und in der Rückrunde überragend gespielt. Er erreichte mit Kroatien das Endspiel der Weltmeisterschaft in Russland und hat seinen Vertrag in Hoffenheim bis 2022 verlängert. "Die Leistungen sind auch Ausdruck meines Wohlbefindens. Hier passt vieles zusammen", sagte er: "Mir wird von allen Seiten eine hohe Wertschätzung entgegengebracht, und ich möchte gerne mit daran arbeiten, diese Entwicklung voranzutreiben."

Wie lautet das Saisonziel?

Nagelsmann sagt: "Wir wollen das Ergebnis der Vorsaison toppen, die Gruppenphase in der Champions League überstehen und im DFB-Pokal besser abschneiden als bisher." Das ist ein hehrer Ansatz und würde bedeuten: mindestens Platz zwei in der Liga (unrealistisch) und das Pokalachtelfinale (könnte klappen). Und das mit der Königsklasse ist so eine Sache. Bei der Auslosung ist die TSG nur in Topf vier, in der Gruppenphase geht es mutmaßlich gegen drei sehr starke Gegner. Manager Rosen verweist aber darauf, dass man nicht nur antrete, "um die Hymne zu hören und drei schöne Stadien" zu sehen". Und Kramaric sagt: "Ich würde gerne gegen Real Madrid und den FC Barcelona spielen, weil wir dann auf meine Landsleute Luka Modric und Ivan Rakitic treffen."

Die Prognose von n-tv.de

Nach den vergangenen sechs Spielzeiten hieß der deutsche Meister stets FC Bayern München. Dass Nagelsmann den siebten Streich verhindern will, ist aller Ehren wert. Das wird aber nicht klappen. Und wenn die Hoffenheimer sich wieder für die europäische Königsklasse qualifizieren, werden sie auch damit zufrieden sein. Mehr ist nicht drin. Die Konkurrenz aus Gelsenkirchen, Dortmund, Leverkusen und Leipzig hat schließlich ebenfalls Großes vor.

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Quelle: n-tv.de

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