Fußball

DFB-Elf übt für die WM Neuer ist "perfekt" - Özil braucht "Substanz"

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Manuel Neuer spielte am Mittwoch für die U20 - und zeigte trotz zwei Gegentreffern einige Paraden, loben die Trainer.

(Foto: dpa)

In Südtirol dreht sich im DFB-Trainingslager fast alles um Manuel Neuer. Ob Trainer oder Mitspieler - alle sind vom offenbar nahezu genesenen Torwart mehr als begeistert. Da fällt auf, dass bei der Personalie Mesut Özil weniger Freude aufkommen will.

Was sagt der Bundestrainer?

Täglich grüßt das Südtiroler Murmeltier. Nein, das hat er nicht gesagt, sondern: Fußball-Bundestrainer Joachim Löw ist wieder nicht vor die Presse in Eppan getreten. Er wird sicherlich auch am Mittwoch geredet haben, aber eben erneut nicht mit Journalisten. Dafür hatte der DFB heute Thomas Schneider im Angebot. Immerhin ist er gemeinsam mit Marcus Sorg Assistent von Löw. Ebenfalls auf dem Podium: Innenverteidiger Niklas Süle sowie - und da können wir doch einen waschechten Bundestrainer präsentieren - U20-Coach Frank Kramer. Das zweite Muster, das wir aus dem WM-Vorbereitungstrainingslager in Eppan erkennen können: Weiterhin dreht sich (fast) alles nur um die Torhüter-Position.

Was macht Manuel Neuer?

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Der Hoffnungstorwart der ganzen Nation wurde degradiert - aus taktischen Gründen. Wie die beiden Trainer berichten, hat der lange verletzte Kapitän im zweiten "geheimen" Test gegen die U20-Auswahl am Mittag zwei Mal 35 Minuten für den Nachwuchs im Tor gestanden. Er wurde dabei von Thomas Müller und Julian Draxler bezwungen, die die Tore zum 2:0 der A-Mannschaft schossen. Wir können also konstatieren: Neuer wurde überlistet. "Ist ja klar, dass wir zu Null spielen wollten. Das Ziel haben wir verfehlt, das ist ein bisschen unglücklich", kommentiert U20-Trainer Frank Kramer das Ergebnis mit einem Grinsen.

Um dann sofort eine ultimative Lobhudelei anzustimmen: "Manuel Neuer ist ein perfekter Torwart." Er preist unter anderem die Ausstrahlung des 32-Jährigen - "live ist das nochmal ein ganzes Stück beeindruckender". Worten, denen sich Neuers Kollege im DFB und beim FC Bayern, Süle, anschließt: "Er hat es super gemacht, zwei, drei super Reflexe gehabt." Und weiter: "Ich hab schon schwer aus der Röhre geguckt, als Manu das erste Training gemacht hat und die ersten Dinger da rausgekratzt hat. Er ist der beste Keeper, den es gibt." Allein der Name Neuer mache einen Unterschied, bekennt auch Schneider. Der Bayern-Torhüter sei in allen Bereichen komplett. "Nicht umsonst ist er so oft Welttorhüter gewesen." Ob er nun wirklich bei der Weltmeisterschaft spielen wird? "Das kann man mit Sicherheit noch nicht sagen", schränkt der Co-Trainer ein. Doch wenn es einen so unfassbar guten Torwart gebe, "möchte man ihm die Tür so lange wie möglich offen halten". Und zwar bis Samstag. Dann wird Neuer in Klagenfurt gegen Österreich sein erstes Länderspiel seit Oktober 2016 bestreiten. Danach muss sich Löw entscheiden.

Wie ist der Krankenstand?

Die DFB-Elf vor der WM

seit Mittwoch, 23. Mai
Trainingslager in Südtirol (bis 7. Juni)

Samstag, 2. Juni, 18 Uhr
Österreich - Deutschland in Klagenfurt

Montag, 4. Juni
DFB meldet Fifa endgültigen WM-Kader

Freitag, 8. Juni, 19.30 Uhr
Deutschland - Saudi-Arabien in Leverkusen

Dienstag, 12. Juni: Abflug nach Moskau

WM in Russland vom 14. Juni bis 15. Juli

Sonntag, 17. Juni
Deutschland - Mexiko in Moskau, 17 Uhr

Samstag, 23. Juni
Deutschland - Schweden in Sotschi, 20 Uhr

Mittwoch, 27. Juni
Deutschland - Südkorea in Kasan, 16 Uhr

Kommen wir von der Glückseligkeit über den Zustand des Keepers zu den Wehwehchen des Tages. Mario Gomez konnte sich beim Spiel gegen die U20 nicht in die Torschützenliste eintragen - weil er gar nicht dabei war. Der Stürmer klagt laut Schneider über muskuläre Probleme und absolvierte eine Laufeinheit. Ob er am Samstag auflaufen kann? "Da warten wir noch ab", so Schneider. Mehr als nur Laufen kann Jérôme Boateng. Der Innenverteidiger habe gestern zwei Sequenzen mit dem Ball gearbeitet, berichtet Löws Assistent: "Ich denke, dass er bei 80 Prozent vom normalen Speed ist." Nächste Woche könne der Bayern-Verteidiger vermutlich ins Training einsteigen, was das Trainerteam für die WM sehr zuversichtlich stimme.

War sonst noch was?

Thomas Schneider hat Angst. Angst vor Sonntag. Dem Tag, an dem die Trainer den endgültigen WM-Kader bestimmen müssen. "Der Plan ist noch nicht ausgereift. Das ist unheimlich schwer und ich habe Angst vor dem Sonntag, wenn wir das entscheiden müssen." Es sei schwer, wenn man Spieler, die sich reinhauen und denen man nichts vorwerfen kann, nach Hause schicken muss. "Das wird sicherlich kein schöner Tag für uns Trainer", so Schneider.

Bei all der guten Laune, die der DFB derzeit verbreitet, fällt auf, wenn einer kritisiert wird: Mesut Özil. Der leidet nach wie vor an Rückenproblemen und wird immer wieder behandelt. Trotzdem fordert Schneider: "Wir erwarten, dass er sich selbst fordert in den Einheiten, um Substanz aufzubauen."

Substanz aufbauen darf übrigens am Abend noch der Sparringspartner - die U20-Mannschaft, wenn auch andere, als von Özil gefordert. "Wir laden die Jungs heute Abend zum Grillen ein, dann können sie die Kohlenhydratspeicher wieder auffüllen", verkündet Schneider.

Wer ist der Klassenclown des Tages?

Gut gelaunt waren alle drei Anwesenden. Vor allem die beiden Trainerkollegen überhäuften sich mit gegenseitigem Lob und Wertschätzung. Einen rausgehauen hat dann aber Niklas Süle - und zwar auf die Frage, was er seit seinem Wechsel von Hoffenheim zum FC Bayern gelernt habe: "Ich habe gelernt, dass man kritische Fragen gestellt bekommt, wenn man in der Champions League zu Hause 3:0 gegen Anderlecht gewinnt - und wie man damit umgeht."

Quelle: n-tv.de

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