Fußball

Pokal-Arbeitssieg mit Elfmeterkrimi Neuer muss FC Bayern gegen Bayer retten

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Bayern-Keeper Manuel Neuer entschied die Partie mit seiner Elfmeterparade gegen Leverkusens Josip Drmic.

(Foto: REUTERS)

In einer wahren Pokalschlacht hält der FC Bayern den Triple-Traum am Leben, muss sich in Leverkusen aber durchs Elfmeterschießen zittern. Dort sorgt ein Spieler für die Entscheidung, der gar nicht mehr auf dem Platz stehen dürfte.

Der FC Bayern München darf weiter vom dritten Pokalsieg in Serie träumen. Nach einer Pokalschlacht, wie sie hitziger und emotionaler nicht sein konnte, fiel die Entscheidung gegen Bayer Leverkusen im Elfermeterschießen. Dort konnte sich der Rekord-Pokalsieger einmal mehr auf Welttorhüter Manuel Neuer verlassen. Der 29-Jährige parierte gleich den ersten Elfmeter der Leverkusener gegen Josip Drmic und verfestigte damit das Strafstoßtrauma der Gastgeber. Die Werkself war in dieser Saison bereits in der Champions League gegen Atletico Madrid vom Elfmeterpunkt gescheitert.

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Das Halbfinal-Abo des FC Bayern verlängerte sich in Leverkusen.

(Foto: imago/Moritz Müller)

Den entscheidenden Elfmeter für die Bayern zum 5:3-Sieg verwandelte der Spanier Thiago. Damit folgten die Münchner dem VfL Wolfsburg, Borussia Dortmund sowie Drittligist Arminia Bielefeld ins Halbfinale und stellten einen Rekord auf: Als erstes Team schafften sie sechsmal hintereinander den Sprung in die Vorschlussrunde. Dort haben die Bayern am 28. April Heimrecht gegen den BVB, wie die Auslosung ergab. Erstliga-Schreck Bielefeld empfängt nach dem Coup gegen Gladbach einen Tag später nun Wolfsburg und darf darauf hoffen, nach Hertha BSC, Werder Bremen und der Borussia den vierten Erstligisten aus dem Pokal zu werfen.

Leverkusen beginnt mit Siegeswillen

Bei der Pokal-Generalprobe gegen Borussia Dortmund hatte der FC Bayern am Wochenende eine bislang eher unbekannte Seite gezeigt. Ehrliche Maloche, statt glanzvollem Offensivfußball, Bälle klären, statt Bälle halten. Mit einer taktischen Meisterleistung und dem nötigen Glück hatte Trainer Josep Guardiola seine Elf zu drei Punkten in Dortmund gecoacht. Besonders stolz war der Spanier indes nicht auf die gezeigte Leistung. Er hätte, gestand er nach dem 90-minütigen Fight, gerne anders gespielt, aber angesichts der personellen Probleme keine andere Wahl gehabt.

Vor dem Pokalhit in Leverkusen hatte sich die Personalsituation durch das Aus von Bastian Schweinsteiger noch einmal verschärft. Guardiola vertraute deshalb erneut auf seinen Abwehrriegel, mit einer Änderung: Mario Götze ersetzte seinen verletzten Weltmeister-Kollegen in der Startelf.

Viel lebendiger wurde das Offensivspiel der Bayern dadurch aber zunächst nicht, was aber vor allem am mutigen Auftakt der Gastgeber lag. Leverkusens Trainer Roger Schmidt hatte vor dem Duell mit den Bayern angekündigt, dass sich seine Mannschaft nicht klein machen wolle. Seine Botschaft war klar: "Wir wollen als Sieger vom Platz gehen." Und die von Schmidt aufgestellte Elf, im Vergleich zum beeindruckenden 4:0-Erfolg gegen den Hamburger SV nur auf der Position des Rechtsverteidigers verändert, folgte den Worten ihres Trainers.

Im offensiven 4-4-3-System attackierten die Gastgeber die defensiven Münchener spätestens an der Mittellinie – und sie hatten damit Erfolg. Die Bayern brachten in der ganzen ersten Halbzeit nur einen einzigen guten Angriff zusammen und das bei 73 Prozent Ballbesitz. Allerdings: Dieser eine Bayern-Angriff hatte es in sich. Dante spielte Juan Bernat auf rechts frei, der Spanier fand mit seiner Flanke den völlig blank stehenden Thomas Müller. Der allerdings zögerte einen Moment zu lange und scheiterte mit seinem Schuss dann am stark reagierenden Bayer-Keeper Bernd Leno.

Bayern kontrolliert den Ball, Bayer das Spiel

Bis zu dieser Aktion hatten die Platzherren das Spiel komplett unter Kontrolle, auch wenn sie nur selten Zeit an der runden Kugel verbringen durften. Die Leverkusener ließen die Bayern ihren Ballbesitzfußball spielen, waren aber bissig in den Zweikämpfen und nutzten ihre Ballgewinne zu schnellen Angriffen, die aber nur selten zu Ende gespielt wurden. Zweimal jedoch kamen die fixen Leverkusener in den ersten 45 Minuten durch – beide Male war Nationalspieler Karim Bellarabi beteiligt. Nach drei Minuten kam seine Flanke auf den jungen Julian Brandt zu ungenau und Mitte der ersten Halbzeit schloss er ein Solo über die rechte Außenbahn zu überhastet ab – der Schuss ging deutlich drüber (21.).

Mit frischem Elan und dem offensichtlichen Vorhaben, das Spiel etwas kreativer und zuschauerfreundlicher zu gestalten, kamen beide Teams aus der Kabine. Bayers Youngster Julian Brandt schnappte sich kurz nach Wiederanpfiff den Ball und sprintete auf FCB-Keeper Manuel Neuer zu, doch anstatt auf den mitgelaufenen Bellarabi abzulegen, versuchte es Brandt selbst und verzog deutlich. Zwei Minuten später hatte der bereits nach 35 Minuten für Mehdi Benatia eingewechselte Sebastian Rode eine gute Szene, doch sein Dribbling im Strafraum wurde von Hilbert rechtzeitig abgegrätscht.

Geholze statt Offensivspektakel

Wer aber nun Hoffnung auf ein munteres Offensivspektakel hatte, der wurde trotz mehr Torraumszenen bitter enttäuscht. Denn was sich beide Teams in den Minuten danach lieferten, war weniger Schlagabtausch als eine Mischung aus Geholze und Gegurke – bei der eigentlich immer irgendein Spieler verletzt oder angeschlagen am Boden lag. Den Höhepunkt des aggressiven Bekämpfens lieferte der eingewechselte Thiago ab, der kurz vor Schluss der regulären Spielzeit nach einem Tritt gegen Stefan Kießlings Oberkörper hätte Rot sehen müssen. Schiedsrichter Felix Zwayer entschied sich für Gelb, es war nicht seine einzige Fehlentscheidung.

Bereits in der 60. Minute hatte er nicht gut ausgesehen, als er einem Kopfballtreffer von Robert Lewandowski die Anerkennung verweigerte. Das Foulspiel das er gesehen hatte, gab es ebenso wenig wie eine Entscheidung nach 90, beziehungsweise 120 Minuten.

Dabei hatten beide Teams jeweils noch mindestens eine gute Gelegenheit, diese herbeizuführen. Auf Leverkusener Seite verpasste Brandt eine Hereingabe von Bellarabi kurz vor Ende der regulären Spielzeit ganz knapp. Für die Münchner vergab Götze in der sehr hitzigen und hektischen Verlängerung, als er den Ball freistehend aus drei Metern neben das Tor drückte (99.). Tore gab es in Leverkusen erst im Elfmeterschießen - mit dem besseren Ende für die Münchner.

Quelle: ntv.de

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