"Nicht als Waffe gegen andere"Fan-Organisation warnt nach Skandalspiel auch die Politik
Wie behandelt man Fans im Stadion? Die Debatte nimmt im Fußball nach den Ausschreitungen beim Zweitliga-Spiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC nochmal mehr an Fahrt auf. Bei Sachsens Inneminister ist die Geduld am Ende, Fan-Vertreter raten zur Differenzierung.
Die Fan-Vereinigung "Unsere Kurve" hat die Ausschreitungen beim Zweitliga-Spiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC verurteilt und zugleich vor einer Pauschalisierung gewarnt. "Pyrotechnik ist ein Stilmittel und darf nicht als Waffe gegen andere eingesetzt werden. Auch Gewalt ist im Stadion nicht zu tolerieren. Es kann aber ebenfalls nicht sein, dass das Verhalten einiger weniger zum Maßstab für 25 Millionen Fußballfans in den Stadien gemacht wird", hieß es in einer Stellungnahme.
Die Fan-Organisation kritisierte den sächsischen Innenminister Armin Schuster. Er hatte geäußert, dass die Vorkommnisse in Dresden symbolisch für eine "Gewaltfolklore" in deutschen Fußballstadien stünden und den gesamten bisherigen Verhandlungsweg mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) infrage stellten. "Nach diesem erneuten Skandalspiel kann es für die weiteren Verhandlungen oder Gespräche kein Pardon mehr geben. Meine Geduld hat hier endgültig ein Ende", so Schuster.
"Die Einordnung von Herrn Schuster folgt einem bekannten Muster: Einzelne, besonders prägnante Bilder werden herausgegriffen und anschließend zur allgemeinen Bewertung der Fankultur im deutschen Fußball überhöht. Das wird der Realität jedoch nicht gerecht", erklärte "Unsere Kurve".
"Nimmt uns jegliche Argumentation"
Sowohl DFL als auch DFB verurteilten die Geschehnisse. Eine schnelle und konsequente Aufarbeitung sei geboten und im Sinne aller 36 Klubs, teilte die DFL mit. "Die einzigartige Fankultur in Deutschland gerät durch Gewalttäter wie beim Spiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC Berlin in Verruf", sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf. Die Szenen seien "vollkommen indiskutabel, der Fußball ist an diesem Tag leider zur Nebensache geworden", fügte Neuendorf hinzu. Nach den Osterfeiertagen werde ein Ermittlungsverfahren gegen die Klubs eingeleitet, so der DFB.
Dynamos Sport-Geschäftsführer Sören Gonther reagierte geschockt. "Es torpediert, was wir uns rundherum erarbeiten, mit Fanvertretern, Vereinsvertretern, DFL, Polizei und so weiter. Alle arbeiten seit Monaten daran, ein sicheres Stadionerlebnis zu garantieren. Und das nimmt uns als Verein jegliche Argumentation, für Faninteressen einzustehen", sagte Gonther im Sport1-"Doppelpass" - zumal Dresdner Fans in den vergangenen Jahren immer wieder negativ auffielen.
Beim Spiel zwischen Dynamo und der Berliner Hertha war am Samstagabend im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion von beiden Fanlagern zunächst Pyrotechnik gezündet worden. Dresdner Anhänger rannten vermummt entlang des Spielfeldes zum Hertha-Fanblock und entwendeten dort eine Gäste-Fahne. Pyrotechnik wurde hin und her geschossen. Die Partie war zweimal unterbrochen. Polizisten versuchten auf dem Rasen, das Geschehen in den Griff zu bekommen, insgesamt waren 750 Beamte im Einsatz.
Vor den Ausschreitungen sei bei dem Spiel "Werbung für den deutschen Fußball und seine Fankultur gemacht" worden, hieß es in der Stellungnahme von "Unsere Kurve". "Ein volles Stadion, sensationelle Choreografien auf beiden Seiten, mustergültig eingesetzte Pyrotechnik ohne Schäden oder gar Verletzte und eine Atmosphäre, um die man den deutschen Fußball im Ausland beneidet." Die Vorkommnisse seien nun Sache der Ermittlungsbehörden.
