Knallharte Sätze vom BossNächste Chaos-Leistung: Eintracht Frankfurt droht Trainer-Knall

Eintracht Frankfurt rutscht in der Fußball-Bundesliga tiefer in die Krise. Trotz zweimaliger Führung reicht es bei Werder Bremen nur zum glücklichen 3:3 in letzter Sekunde. Wie lange ist der Cheftrainer noch zu halten?
Tief in der Nachspielzeit traf Ansgar Knauff für Eintracht Frankfurt. Der Flügelstürmer erzielte das 3:3 (1:1) und wendete damit den größten Schaden für sein Team bei Werder Bremen ab. Nicht aber die Krise. Aus den vergangenen neun Spielen gab es nur einen Sieg. Für die Ambitionen des Klubs, die nach den vergangenen, herausragenden Jahren mächtig gestiegen sind, ist das zu wenig. Viel zu wenig. In der Bundesliga droht die Eintracht den Anschluss an die europäischen Ränge zu verpassen.
Jubelte Knauff deswegen nach seinem Ausgleich in der 94. Minute so zurückhaltend? Oder war er zunächst so unemotional, weil er fürchtete, dass der Ball vor seinem Tor im Aus gewesen war? War er aber nicht, der Treffer zählte. Aber er war höchstens noch ein Tropfen Löschwasser auf den Großbrand bei der Eintracht. Wieder einmal hatten sich die Frankfurter defensiv selbst zerlegt. Sie wirkten bisweilen vogelwild, als wüssten sie nicht, was sie zu tun hätten. Neun Gegentore gab es in den letzten drei Ligaspielen. Sportvorstand Markus Krösche mochte das nicht mehr mitansehen. Er war nach dem vergeigten Rückrunden-Auftakt seiner SGE stinksauer und sprach Sätze aus, die große Konsequenzen vermuten lassen.
Trainer Dino Toppmöller, schon länger auf wackeligen Trainerbeinen unterwegs, könnte bald Geschichte sein. Seit zweieinhalb Jahren ist der ehemalige Assistent von Julian Nagelsmann (beim FC Bayern) verantwortlich für die SGE. Aber wenn man nun die Worte von Krösche hört, könnte das Spiel gegen Bremen Toppmöllers letztes gewesen sein. "Wir besprechen das jetzt. Wir müssen die Themen angehen und müssen sehen, dass wir solche Leistungen nie wieder zeigen", sagte er und wich der Frage aus, ob das den aktuellen Trainer noch einschließe. Dringend benötigte Rückendeckung ist das nicht.
Vernichtende Urteile vom Sportvorstand
Die Geduld beim Chef ist aufgebraucht: "Wir haben jetzt seit 17, 18 Partien immer wieder die gleichen Themen, die uns begleiten", befand Krösche. "Wir bekommen unfassbar einfache Gegentore. Wir sind im Ballbesitz viel zu hektisch und haben keine Struktur. So können wir nicht weitermachen." Jedes Mal stünden sie da und sagen, es seien zu einfache Fehler, zu viele Gegentore. "Trotzdem verändert sich nichts." Mehr Vertrauensentzug in die Arbeit des Trainers ist verbal kaum möglich. "Das ist ein leidiges Thema, und auch leider diese Muster, die sich wiederholen", sagte Toppmöller. "Und natürlich bin ich in allererster Linie in der Verantwortung."
Er weiß um die brisante Lage, versucht das allerdings auszublenden. Von einem Wendepunkt für ihn wollte er nicht sprechen. "Das Gefühl habe ich nicht", sagte er. "Am Ende geht es nicht darum, was ich für ein Gefühl habe. Ich glaube, dass wir alle nicht zufrieden sind." Möglicherweise reist er schon nicht mehr zum Last-Chance-Spiel der Hessen am Mittwoch (18.45 Uhr im Liveticker bei ntv.de) in der Champions League bei Qarabak Agdam in Aserbaidschan mit.
Werder zwischen Frust und neuem Mut
Auch bei Frankfurts Gegner Werder war es zuletzt unruhig. Und auch im neuen Jahr treten die Bremer nach dem bitteren Remis vorerst weiter auf der Stelle und haben nun sieben Partien in Serie nicht gewonnen. Gegen Frankfurt fehlten nur einige Sekunden, weil Knauff eben doch ausglich, nachdem der neue Stürmer Jovan Milosevic Werder zuvor zum ersten Mal an diesem Abend in Führung geschossen hatte (80.). Bei den Bremer Profis herrschte so nach dem Spiel großer Frust. "Wenn du bis zur letzten Sekunde führst, fühlt es sich wie eine Niederlage an", sagte Justin Njinmah, der Werders erstes Tor erzielte (29.). Für den zwischenzeitlichen Ausgleich zum 2:2 sorgte Jens Stage (78.).
Zufrieden war indes der Bremer Coach mit der Leistung seiner Fußballer. "Grundsätzlich haben wir vor allem im zweiten Durchgang eine gute Spielanlage gezeigt", sagte Horst Steffen. "Doch die Enttäuschung nach der Partie ist groß und wir müssen das jetzt erstmal verdauen. Unterm Strich fehlen uns zwei Punkte." Die dürften in Bremen dagegen weniger Folgen haben als in Frankfurt.