Fußball

Bundesliga-Check: Hannover 96 Ohne Knipser gibt's das Knalltrauma

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Und tschüss? Für Hannover 96 wird's echt schwer mit dem Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga.

(Foto: imago/Ralph Peters)

Auf den Abstieg aus der 1. Fußball-Bundesliga folgt für Hannover 96 der direkte Wiederaufstieg. Ein alternativloser Plan. Und den gibt's nun für die Comeback-Saison auch wieder. Blöd nur, dass der an der Liga-Realität scheitern wird.

Wäre das Phrasenschwein eine monetäre Quelle, aus der sich Bundesliga-Aufsteiger Hannover 96 frei und nach Belieben bedienen könnte, um den Klub wäre es finanziell ganz prima bestellt. "Wir wollen keine Zittersaison", "für uns wird die Saison eine echte Herausforderung", "keiner darf die Nerven verlieren" und "es gibt keine Kleinen mehr". Schon vor dem Start der Comeback-Saison im Oberhaus grunzt das fiskalische Ferkel angesichts der erkenntnisreichen Fußball-Rhetorik der Bosse noch euphorischer als bei Pressekonferenzen von DFB-Co-Trainer Thomas Schneider. Doch das Problem an der Phrase ist, dass sie eine Phrase ist - finanziell zudem völlig uninteressant. Und die Lösung des Problems mit der Phrase könnte sich für das ziemliche biedere Hannover-Team und seinen fast neuen Coach André Breitenreiter als "Mission impossible" herausstellen. Trotz tüchtig gesteigerten Etats von 24 auf 40 Millionen Euro.

Was gibt's Neues?

FC-Duo

Dem "Effzeh" und deren Sportdirektor Jörg Schmadtke nacheifern, das wollen die 96er in den kommenden Jahren.

(Foto: Marius Becker/dpa)

Nun, der Blick geht nach Köln. Zum dort erfolgreich werkelnden "Effzeh". Denn den haben die 96er für sich als Musterknaben für nachhaltige Klubentwicklung ausgemacht. Durchaus interessant an diesem Copy-and-Paste-Gedanken: Einer der wichtigsten Strategen des Kölner Modells ist Sportdirektor Jörg Schmadtke, der - jetzt Obacht - vor vier Jahren bei H96 ebenfalls erfolgreich arbeitete, aber völlig entnervt aufgab. Nun also ist Schmadtke wieder da als geistiger Vater für den angestrebten Weg Richtung - Obacht (II) - nach Europa. Dieses ambitionierte Vorhaben nach Kölner Vorbild jedenfalls verkündet der "Schmadtke in spe", Horst Heldt, gegenüber der "Sport Bild": "Kontinuierlich in Ruhe arbeiten, mit dem krönenden Abschluss, irgendwann wieder international dabei zu sein. Ich habe keine Angst zu sagen, dass das auch ein realistischer Weg für Hannover sein kann." Zumal – Obachts-Hattrick – den 96ern dieser Plan schonmal geglückt war, 2011/2012 - allerdings ohne Happy End. In Gedanken singen wir daher schon einmal den alten VfL-Bochum-Klassiker: "Wir steigen auf, wir steigen ab und zwischendurch Uefa-Cup!"

Auf wen kommt es an?

Auf den neuen Stürmer! Ah, Moment ... Das Thema kommt ja erst noch. Denn: Es gibt ihn noch gar nicht. Also gucken wir lieber nach hinten. Denn da pflegte die Mannschaft in Liga 2 den Huub-Stevens-Style – 32 Gegentore, 16 Mal zu null. Da wird selbst der niederländische Knurrer zum niedersächsischen Schnurrer. Zentraler Mann des Bollwerks war Salif Sané. Am Boden stabil, in der Luft nicht zu bezwingen – so soll der Senegalese den Laden auch eine Liga höher dicht halten. Doch bei aller Begeisterung für die durchaus beeindruckenden Torverhinderungswerte waren die Niedersachsen nicht immer auf der Höhe. Gerade der Schnellangriff des Gegners setzte den 96ern zu. Problem erkannt – und gebannt? Nun, zumindest hat Horst Heldt dem Transfermarkt mit Gladbachs Edelreservisten Julian Korb und dem Hamburger Dauer-Abstiegsverweigerer Matthias Ostrzolek zwei schnelle Außenverteidiger sowie mit dem Hoffenheimer Pirmin Schwegler einen erfahrenen Mittelfeldstrategen entlocken können. Dass mit dem Castrop-Rauxeler Michael Esser noch ein ligaerfahrener Schlussmann von den abgestiegenen "Lilien" kommt, schadet sicher auch nicht.

Was fehlt?

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Sturmverstärkung: Hannover umwirbt den derzeit in China kickenden Anthony Ujah.

(Foto: imago/Team 2)

Herausragende Spieler in einem eher biederen Kollektiv. Aber allem voran: ein Stürmer. Ein Knipser. Einer, der Tore garantiert. Eine konstant treffsichere Alternative zum stets kampfstarken, aber leidenschaftlich leistungsschwankendem Martin Harnik. Anthony Ujah wird ja gehandelt, der war bekanntermaßen ganz gut, als er für Köln und Bremen vor den Ball trat. Nun aber hat der Nigerianer ein Jahr Fußball-Feldversuch in China hinter sich. Wie sich dieser lukrative Ausflug leistungstechnisch auf die Wiedereingliederung in den europäischen Spitzensport auswirkt, dafür gibt's noch keine empirisch gesicherten Daten. Weniger riskant könnte der Versuch sein, Luuk de Jong zurück in die Bundesliga zu lotsen. Denn nach seiner gefloppten Zeit in Mönchengladbach hat sich der Niederländer beim PSV Eindhoven wieder zu jenem Torjäger entwickelt, der er schon vor seinem Borussen-Alptraum war. Allerdings würde der Bursche wohl wieder um die zehn Millionen Euro kosten. Sehr, sehr viel Geld für eine zweite Bundesliga-Chance und für einen Aufstiegsklub. Noch teurer, nämlich das Doppelte, wäre Emre Mor gewesen. Hochbegabter, aber leider zu oft völlig überspielter Feinfuß von Borussia Dortmund. Auf die von 96 angepeilte Leihe wollte sich der BVB nicht einlassen. Folglich sagt Heldt: "Der Spieler ist kein Thema."

Wie lautet das Saisonziel?

Eine sorgenfreie Saison. Sprich Klassenerhalt. Der ist nämlich ebenso alternativlos wie der Ende Mai erfolgreich vollzogene Wiederaufstieg. Denn zu einer Ligen-Lifttruppe wollen die 96er auf ihrem mittelfristigen Weg nach Europa nicht werden. Und die Motivation beim kickenden "Kommando Klassenerhalt" ist groß. Beinahe schon grenzwertig, wie Breitenreiter zum Trainingsstart der "Bild"-Zeitung erklärte: "Die Jungs haben ihre Laufeinheiten im Urlaub seriös abgearbeitet. Sie haben eher zu wenig Gewicht als zu viel, haben nicht mal den Toleranzraum ausgenutzt." Das ...

Die Prognose von n-tv.de

… führt uns zu folgendem phrasisch-fantastischem Wortspektakel: In einer Liga, "in der es keine Kleinen mehr gibt", gehört Hannover in aktueller Besetzung zu den Leichtgewichten. Der Kader ist im besten Fall biederer Durchschnitt, im entgegengesetzten Fall allerdings der am schlechtesten besetzte der Liga. Bedeutet wohl leider: Ambitioniert zum Abstieg. Ehrenrunde drehen und dann reden wir in zwei Jahren nochmal über Europa.

Quelle: ntv.de