Fußball

Fürchtet Arsenal Pekings Zorn? Özil kritisiert Chinas Lager für Muslime

China geht gegen den Volksstamm der Uiguren vor, und Fußball-Star Özil spricht das offen an. Der Arsenal-Profi prangert das Schweigen muslimischer Staaten an. Sein Klub geht auf Distanz - mit einer Botschaft in einem chinesischen Kurznachrichtendienst. Wohl auch aus wirtschaftlichen Gründen.

Der deutsche Weltmeister von 2014, Mesut Özil, hat sich für den unterdrückten Volksstamm der Uiguren in China starkgemacht und gleichzeitig die muslimischen Länder für ihr Schweigen kritisiert. China wird vorgeworfen, die muslimische Minderheit in der chinesischen Provinz Xinjiang zu verfolgen und in Lager einzusperren.

"Korane werden verbrannt ... Moscheen werden geschlossen ... muslimische Schulen werden verboten ... religiöse Gelehrte werden einer nach dem anderen umgebracht ... Brüder werden gewaltsam in Lager gesperrt ... ", schrieb Özil auf türkisch auf seinem Twitter-Account. Zudem kritisierte der Profi des englischen Klubs FC Arsenal die Zurückhaltung anderer muslimischer Länder. "Woran man sich Jahre später erinnern wird, ist nicht die Gewalt der Tyrannen, sondern das Schweigen der muslimischen Brüder", schrieb Özil weiter.

"Özils persönliche Meinung"

Der FC Arsenal distanzierte sich von den Kommentaren. "Die veröffentlichten Inhalte sind Özils persönliche Meinung", teilten die Gunners über den chinesischen Kurzbotschaftendienst Weibo mit. "Als Fußballverein hat sich Arsenal immer an das Prinzip gehalten, sich nicht in die Politik einzumischen."

Die Reaktion von Arsenal könnte laut eines Berichts des "Guardians" auch wirtschaftliche Interessen haben. Demnach ist der Klub in China an einer Restaurantkette beteiligt. Über den offiziellen englischsprachigen Twitter-Account des Klubs gab es keine Reaktion auf Özils Wortmeldung, ebenso wenig auf der Homepage des 13-fachen englischen Meisters.

Menschenrechtsgruppen und Experten berichten von mehr als einer Million Uiguren und anderen Muslimen, die in chinesischen Lagern interniert sind. Nachdem China die Existenz der Lager lange abstritt, erklärte das kommunistische Land inzwischen, es handle sich um Ausbildungszentren zur Umschulung und Deradikalisierung. Im November hatte das Internationale Konsortium Investigativer Journalisten die "China Cables" veröffentlicht. Dabei ging es um als geheim klassifizierte Dokumente der chinesischen Regierung, die die weitgehend unmenschlichen Zustände in den Lagern beschrieben.

Quelle: ntv.de, tsi/sid