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Politische Meinungsmache Özil macht sich zu Erdogans Botschafter

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Nicht nur politische Freunde.

(Foto: AP)

Als Fußballer spielt Mesut Özil beim FC Arsenal keine Rolle mehr - jetzt macht der 31-Jährige wieder einmal in Politik. Und stellt sich erneut an die Seite des türkischen Präsidenten. Für Recep Tayyip Erdogan ist der Ex-Weltmeister mittlerweile ein wichtiger politischer Botschafter.

Recep Tayyip Erdogan hat ein diabolisches Grinsen im Gesicht, mit dem Zeigefinger der rechten Hand deutet der türkische Staatschef auf die Marionette in seiner linken. Dort hängt an vier Fäden ein Fußballer im rot-weißen Trikot des FC Arsenal: Mesut Özil. Die Fotomontage ist einer von über 10.000 Kommentaren unter einem politischen Beitrag des Rio-Weltmeisters bei Twitter, der die Netzgemeinde spaltet - und Özil als Erdogan-Freund outet. Mal wieder. Und wie schon bei seinem viel diskutierten, folgenreichen Foto mit Erdogan vor dem WM-Desaster 2018 gibt es auch diesmal Kritik.

Özil ergreift in seiner Wortmeldung Partei für Aserbaidschan, das sich aktuell mit Armenien in einem blutigen Konflikt um die Region Berg-Karabach befindet. "Aserbaidschans Problem ist unser Problem, seine Freude ist unsere Freude", schreibt der frühere Nationalspieler auf Türkisch: "Eine Nation, zwei Staaten." Dazu die Flaggen beider Länder. Dem Zitat, das dem türkischen Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk zugeschrieben wird, folgt eine Erklärung auf Englisch. Berg-Karabach sei als Teil Aserbaidschans anerkannt, heißt es darin, aber aktuell "widerrechtlich besetzt".

Özil verweist auf eine Erklärung der UN aus dem Jahr 2008, in der Armenien aufgefordert worden sei, seine Truppen aus der Region abzuziehen. Dies müsse endlich geschehen, fordert er. Seine Stellungnahme schließt mit einem Aufruf zu Frieden und einer Zukunft "ohne Gewalt". Özils Verweis auf die "Besatzung" greife "zu kurz", sagte Omid Nouripour. Wenn Özil Atatürk zitiere, sollte er auch erwähnen, dass dieser einmal sagte: "Frieden in der Heimat, Frieden in der Welt." Momentan sei Erdogans Politik jedoch "weder im Inneren noch nach außen friedlich", betonte der außenpolitische Sprecher der Grünen. Özil sollte deshalb "auch die aggressive Außenpolitik der Türkei kritisieren".

Die Türkei unterstützt Aserbaidschan, das sie als "Bruderstaat" wahrnimmt, bei den blutigsten Auseinandersetzungen in der Region seit dem Krieg in den 1990er-Jahren verschiedenen Medien zufolge mit Söldnern und Kampfjets. Nouripours Parteikollege Cem Özdemir hatte Erdogan daher "unerträgliches Zündeln" vorgeworfen. Außerdem bezichtigte Özdemir Aserbaidschan "krimineller Kriegshandlungen". Mit seiner Unterstützung dieser Taten auch gegen Zivilisten zeige Erdogan "einmal mehr eine Skrupellosigkeit, die vor Menschenleben keinen Halt macht".

Özil ficht das scheinbar nicht an. Ebenso wenig der Appell seines früheren Arsenal-Kollegen Henrich Mchitarjan. Der Ex-Dortmunder hatte verschiedene Staatenlenker in der vergangenen Woche "mit sehr schwerem Herzen" in einem offenen Brief zum Handeln aufgefordert. Der "Aggressor" Aserbaidschan greife Kindergärten, Schulen und Krankenhäuser an, schrieb der Armenier, vor den Augen der Welt spiele sich eine "menschliche Tragödie" ab. Am Freitagmittag "reagierte" Mchitarjan mit einem neuerlichen Aufruf auf Özils Erklärung. "Wir wollen Frieden", schrieb er zu einem Video bei Twitter, das armenische Demonstranten zeigt. Ein "Like" von (at)MesutOzil1088 konnte er nicht erwarten - Özil gehört dort (anders als bei Instagram) nicht zu seinen Followern.

Quelle: ntv.de, Marco Mader, sid