Fußball

Dynamo wird böse erwischt Paderborn bejubelt Pokal-Sensation in Berlin

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So jubeln Coupisten!

(Foto: imago images/Nordphoto)

Böse Überraschung in der Hauptstadt: Zweitligist SC Paderborn feiert einen Pokal-Coup bei Union Berlin. Bei den Eisernen erlebt Torwart Loris Karius ein bitteres Debüt. Äußerst souverän erledigt derweil Borussia Mönchengladbach seine Aufgabe.

Union Berlin - SC Paderborn 2:3 (1:3)

Im T-Shirt hat Ur-Unioner Steffen Baumgart dem Überraschungsteam der Fußball-Bundesliga den Jahresabschluss verdorben. Mit Zweitligist SC Paderborn warf der frühere Profi des 1. FC Union Berlin seinen Ex-Klub durch ein 3:2 (3:1) aus dem DFB-Pokal und sorgte kurz vor Weihnachten in der zweiten Runde für eine handfeste Überraschung. Zweimal Sven Michel (3./36. Minute) und Dennis Srbeny (31.) erzielten im Stadion an der Alten Försterei die Treffer für die von Baumgart trainierten Ostwestfalen. Grischa Prömel (6.) hatte für den Bundesliga-Sechsten nur zwischenzeitlich ausgleichen können. Paderborns Uwe Hünemeier (57.) unterlief noch ein Eigentor.

Union Berlin - SC Paderborn 2:3 (1:3)

Tore: 0:1 Michel (3.), 1:1 Prömel (6.), 1:2 Srbeny (31.), 1:3 Michel (36.), 2:3 Hünemeier (57., Eigentor)
Berlin:
Karius - Trimmel (77. Ryerson), Friedrich, Knoche, Lenz (77. Gießelmann) - Andrich - Prömel, Teuchert (58. Griesbeck) - Becker (70. Gogia), Endo (58. Bülter) - Awoniyi; Trainer: Fischer.
Paderborn: Zingerle - Dörfler (78. Ananou), Hünemeier, Schonlau, Okoroji - Schallenberg - Thalhammer (66. Justvan), Ingelsson - Führich (67. Antwi-Adjei), Michel (90.+4 Pröger) - Srbeny (78. Owusu); Trainer: Baumgart.
Schiedsrichter: Frank Willenborg (Osnabrück)

Sechs Monate nach dem an gleicher Stelle besiegelten Abstieg feierte Baumgart eine Revanche und steht mit Paderborn nun im Achtelfinale. Nicht etwa Unions Schlussmann Loris Karius in seinem neongrünen Outfit war bei seinem ersten Pflichtspieleinsatz für die Eisernen der Blickfang. Baumgart sprang zwei Tage vor Heiligabend lautstark im T-Shirt an der Seitenlinie herum. Seine Gattin - einst für die Union-Fan-Shops zuständig - war im türkisfarbenen Plüschmantel samt gleichfarbiger Winterstiefel auf der Tribüne angesichts der frischen Temperaturen angemessener gekleidet. Warm ums Herz konnte Baumgart schnell werden - zum Leidwesen von Karius. Die erste Hereingabe der Gäste nutze Michel aus kurzer Distanz zur Führung. Union antwortete, wie man es nach dem 2:1-Coup gegen Borussia Dortmund vier Tage zuvor erwarten durfte. Auch die Berliner nutzten die erste Unaufmerksamkeit des Kontrahenten. Prömel konnte aus kurzer Distanz ausgleichen.

Fortan suchten die Gastgeber die Lücke in der Paderborner Defensive. Cedric Teuchert (20.) und Sheraldo Becker (27.) nutzten ihre Chancen nicht. Effektiver war der Zweitligist. Und das nach einer Ecke - eigentlich die Union-Spezialität. Karius parierte noch einen Schuss von Svante Ingelsson. Srbenys Nachschuss war nicht zu halten. Unglücklich sah Karius aus, als ihn Michel wenig später zum nächsten Paderborner Treffer tunnelte. Punkte im Zweikampf gegen Stammkraft Andreas Luthe konnte Liverpools Leihgabe so nicht sammeln. Der Rückstand nervte die Eisernen, das war zu spüren. Die Spannung stieg nochmals, als Hünemeier eine Hereingabe von Christopher Lenz ins eigene Tor beförderte. Union drängte auf Ausgleich und Verlängerung. Prömel (71.) traf die Latte und scheiterte an Paderborns Torwart Leopold Zingerle (73.). Auch den Schuss von Marius Bülter (73.) parierte der Schlussmann. Der Versuch von Robert Andrich (80.) wurde abgefälscht und segelte ganz knapp drüber.

Dynamo Dresden - SV Darmstadt 98 0:3 (0:1)

Zweitligist Darmstadt 98 hat zum ersten Mal seit fünf Jahren das Achtelfinale erreicht. Bei Drittliga-Wintermeister Dynamo Dresden gewannen die über weite Strecken klar überlegenen und gefährlicheren Gäste mit 3:0 (1:0). Die Treffer erzielten Fabian Schnellhardt mit einem sehenswerten Schuss aus gut 20 Metern (24.), Seung-ho Paik (59.) und der herausragende Serdar Dursun (72.).

Dynamo Dresden - Darmstadt 98 0:3 (0:1)

Tore: 0:1 Schnellhardt (24.), 0:2 Paik (59.), 0:3 Dursun (72.)
Dresden:
Broll - Becker, Ehlers, Knipping (62. Großer), Meier - Stark (77. Kulke), Kade (63. Stefaniak) - Königsdörffer, Weihrauch, Daferner (39. Sohm) - Hosiner (76. Diawusie); Trainer: Kauczinski.
Darmstadt: Schuhen - Mai, Höhn, Rapp (46. Pfeiffer) - Skarke (74. Patrick Herrmann), Schnellhardt, Holland - Tobias Kempe (85. Honsak), Mehlem, Paik (80. Berko) - Dursun (74. Platte); Trainer: Anfang.
Schiedsrichter: Sven Jablonski (Bremen)

Die seit acht Ligaspielen ungeschlagenen Dresdner hatten für das Spiel 72.112 "Geistertickets" verkauft, die Unterstützung hätten die Gastgeber auch in der Tat gebrauchen können. Darmstadt war spielbestimmend und vor allem durch Dursun stets gefährlich. Ein abgeblockter Schuss des 29 Jahre alten Stürmers führte zunächst zur Führung der Lilien, den Treffer von Paik legte er mit der Hacke auf. Zwei Minuten nach seinem eigenen Treffer durfte Dursun seinen Arbeitstag beenden.

SV Elversberg - Borussia Mönchengladbach 0:5 (0:3)

Borussia Mönchengladbach hat die Hürde beim Viertligisten SV Elversberg ganz locker genommen. Mit einem 5:0 (3:0) erreichte die Mannschaft von Trainer Marco Rose das Achtelfinale. Gegen den Außenseiter aus dem Saarland trafen Hannes Wolf (5. Minute), Laszlo Benes (21.), Kapitän Lars Stindl (35.), Patrick Herrmann (69.) und Julio Villalba (83.) per Foulelfmeter für den Fußball-Bundesligisten. In der leeren und verregneten Arena an der Kaiserlinde war der Gastgeber durch die Gelb-Rote Karte wegen Meckerns für Sinan Tekereci (31.) früh dezimiert und auch demoralisiert.

SV Elversberg - Borussia Mönchengladbach 0:5 (0:3)

Tore: 0:1 Wolf (5.), 0:2 Benes (21.), 0:3 Stindl (35.), 0:4 Herrmann (69.), 0:5 Villalba (83., Foulelfmeter)
Elversberg: Lehmann - Feil (57. Koffi), Rehfeldt, Conrad, Kohler - Dragon, Dürholtz (84. Politakis) - Dacaj (68. Mustafic), Suero Fernandez (46. Karger), Tekerci - Schnellbacher; Trainer: Steffen.
Mönchengladbach: Sippel - Lainer (46. Lang), Ginter, Elvedi, Wendt - Kramer (78. Villalba), Benes - Wolf, Stindl (64. Neuhaus), Hofmann (46. Traore) - Embolo (64. Herrmann); Trainer: Rose.
Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart)

In den vergangenen beiden Jahren schied Gladbach jeweils bereits in der zweiten Runde nach Niederlagen gegen Bayer Leverkusen und bei Borussia Dortmund aus. Gegen den Tabellenfünften der Regionalliga Südwest hatten sie jedoch leichtes Spiel. Auch ohne den wegen seiner Spuckattacke gesperrten Franzosen Marcus Thuram beseitigte der DFB-Pokalsieger von 1960, 1973 und 1995 schnell alle Zweifel am Weiterkommen. Wolf erzielte nach schnellem Umschaltspiel das frühe 1:0. Stürmer Luca Schnellbacher hatte nach einer guten Viertelstunde die Chance zum Ausgleich, als er Borussia-Keeper Tobias Sippel umkurvte, aber ins Straucheln geriet. Danach brach es über die Elversberger herein: Benes nutzte einen Abpraller von Nationalspieler Jonas Hofmann, der nach überstandenem Muskelbündelriss im Oberschenkel auf den Rasen zurückkehrte, zum 2:0. Stindl profitierte beim 3:0 von einem Durcheinander im Strafraum des Außenseiters. Allerdings fehlte der SVE die halbe Abwehr verletzungsbedingt.

So lag das Gastgeber-Team von Chefcoach Horst Steffen, der von 1991 bis 1993 insgesamt 20 Bundesliga-Spiele für Gladbach absolvierte, bereits zur Pause hoffnungslos zurück. In der ersten Runde hatten die Elversberger den Zweitligisten FC St. Pauli ausgeschaltet, aber diesmal reichte es nicht für eine Überraschung. Auch in der zweiten Halbzeit hetzten die Saarländer dem übermächtigen Gegner meist nur hinterher, zogen sich am Ende trotzdem noch achtbar aus der Affäre. Torhüter Frank Lehmann rettete per Fußabwehr gegen Breel Embolo (60.), ehe der gebürtige Saarländer Herrmann als Joker per Kopf auf 4:0 erhöhte. Kevin Koffi vergab in der Schlussphase die Chance zum Ehrentreffer, ehe Villalba vom Punkt zum 5:0 traf.

Quelle: ntv.de, tno/dpa/sid