Fußball

"Zu viel Spektakel für uns" Pep Guardiolas Lehrstunde für Leipzig

Der Neuaufbau bei RB Leipzig gestaltet sich schwierig. Nach dem Fehlstart in der Bundesliga gibt es zum Champions-League-Auftakt eine Lehrstunde. Die Beteiligten bemühen sich, positive Erkenntnisse aus der Niederlage bei Manchester City zu ziehen.

In der 79. Minute gab es ein letztes Mal Applaus für Angeliño. Der spanische Linksverteidiger war bei Manchester City zum Profi geworden, konnte sich in der Mannschaft von Trainer Pep Guardiola allerdings nicht durchsetzen. Seit Anfang 2020 spielt er für RB Leipzig, erst war er nur ausgeliehen, mittlerweile ist er in den Besitz des Bundesliga-Vizemeisters übergegangen. Bei Angeliños Rückkehr an die alte Wirkungsstätte zum Start der Champions League schlug ihm viel Wohlwollen entgegen.

Die Fans von Manchester City applaudierten, als vor der Partie sein Name im Rahmen der Leipziger Aufstellung verlesen wurde, sie applaudierten, wenn er sich zur Ausführung eines Eckballs bereit machte, und sie klatschten auch Beifall, als Angeliño vom Platz trabte in der 79. Minute. Es war allerdings nicht so, dass ihn Trainer Jesse Marsch ausgewechselt hätte. Angeliño hatte die Gelb-Rote Karte gesehen und seiner Mannschaft damit die letzten Hoffnungen geraubt, die Heimreise mit einem so dringend benötigten Erfolgserlebnis anzutreten.

Die Leipziger waren beim englischen Meister von Trainer Pep Guardiola immer wieder ins Spiel zurückgekommen, beziehungsweise: Christopher Nkunku hatte sie immer wieder im Spiel gehalten. Er schoss drei Tore, zum 1:2, zum 2:3 und zum 3:4. In Unterzahl allerdings brach der Widerstand des Bundesligisten. Am Ende stand aus Sicht der Gäste ein krachendes 3:6, mit dem Leipzig den Fehlstart in die Saison komplett machte.

Wohin führt Leipzigs Weg?

Drei Niederlagen aus den ersten vier Spielen in der Bundesliga, die Klatsche zum Start in die Champions League, zehn Gegentore in den jüngsten beiden Partien (zuletzt gab es ein 1:4 gegen den FC Bayern) - der Neustart nach dem Weggang von Trainer Julian Nagelsmann zum FC Bayern und Schlüsselspielern wie Dayot Upamecano, Marcel Sabitzer (ebenfalls beide FC Bayern) und Ibrahima Konaté (FC Liverpool) gestaltet sich bislang deprimierend.

Der neue Übungsleiter Jesse Marsch, vom Salzburger Standort des RB-Imperiums übernommen, klagte zuletzt, dass es unfair sei, zum Start seiner Mission mit Gegnern der Preisklasse FC Bayern/Manchester City konfrontiert zu werden. Von daher war es logisch, dass er nach der Niederlage in England positive Aspekte suchte, aus denen sich Hoffnung auf baldige Besserung ableiten lässt. Und ein paar dieser positiven Aspekte gab es ja in der Tat: "Wie wir in der zweiten Halbzeit gespielt haben, war wirklich gut. Wenn wir so eine Leistung auch in den ersten 45 Minuten abgerufen hätten, hätten wir ein offeneres Spiel gehabt", sagte Marsch.

Die Unterschiede zwischen Leipzig und Manchester City hatte er "im letzten Drittel" beobachtet, also beim Herausspielen und Verwerten von Chancen, nicht in der grundsätzlichen Spielanlage oder der Qualität des Personals. Auch Verteidiger Lukas Klostermann konnte der Veranstaltung Erbauliches abgewinnen: "Das Positive war, dass wir uns nicht haben unterkriegen lassen. Wir sind immer wieder rangekommen", sagte er.

"Brauchen mehr Konstanz"

Allerdings vergaß er zu erwähnen, dass Gegner Manchester City keine großen Anstrengungen benötigte, um Leipzig nach jedem Anschlusstreffer wieder zu distanzieren und am Ende klar zu schlagen. Guardiolas Mannschaft musste zu keiner Zeit in den höchsten Gang schalten. Jedes Mal, wenn Leipzig Zuversicht schöpfte, machte City diese schnell wieder zunichte. Die Herausforderung für die Zukunft sei es, so formulierte es Klostermann, nicht nur phasenweise zu glänzen, wie es zuletzt auch schon gegen den FC Bayern der Fall gewesen sei. "Wir müssen es schaffen, über 90 Minuten gut zu spielen. Wir brauchen Konstanz über die ganze Spielzeit", sagte er.

Und, immerhin: Nach Partien gegen zwei der besten Mannschaften Europas innerhalb von fünf Tagen ist der Spielplan in den kommenden Wochen gnädiger. Köln und Hertha BSC, in der Champions League Club Brügge, dann Bochum und Freiburg - das sind die bevorstehenden Gegner für Leipzig. Gute Anlässe, um Punkte und Selbstvertrauen zu sammeln. Trainer Marsch dürfte es recht sein, wenn es in diesen Partien weniger ereignisreich zugeht als beim Start der Champions League. "Es war ein Spektakel", sagte er über die Lehrstunde bei Manchester City: "Vielleicht zu viel Spektakel für uns."

Quelle: ntv.de

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