Fußball

Kranke und Tote zur Folge? Pläne für Fußball-EM sind "völliger Irrsinn"

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Die Uefa lebt ihren Traum von der paneuropäischen EM.

(Foto: picture alliance/dpa)

Eigentlich soll die verschobene Fußball-Europameisterschaft im kommenden Sommer in zwölf Ländern stattfinden. Doch ist dieses Konzept in Zeiten der Pandemie noch haltbar? Die Zweifel wachsen. Die ausrichtende Uefa ist derweil offenbar zu Kompromissen bereit.

Die Uefa spielt noch auf Zeit, doch die Zweifel an der paneuropäischen Europameisterschaft wachsen. "Es ist illusorisch, dass im Juni 2021 eine Fußball-EM in zwölf verschiedenen europäischen Ländern stattfindet. Und es wäre auch das komplett falsche Signal aufgrund der Corona-Pandemie", sagte Eintracht Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic dem Nachrichtenportal t-online.

24 Mannschaften auf der Reise quer über den Kontinent - das passt derzeit so gar nicht zur Realität: Europas Länder gehen in oder befinden sich bereits in strengen Lockdowns. Kein Wunder also, dass die Diskussionen um das eigentlich als Fußball-Fest geplante Turnier zunehmen.

Der ehemalige Bundestrainer Berti Vogts bezeichnet die derzeitigen Pläne als "völligen Irrsinn" und fordert eine Verschiebung, "sonst ist es zu spät". Ein Turnier im Sommer auf dem gesamten Kontinent hätte "vielleicht Kranke und Tote zur Folge". Anstatt des Termins im Sommer vom 11. Juni bis zum 11. Juli schlug er einen EM-Start "Mitte Dezember" vor. Auf mögliche Terminprobleme ging er allerdings nicht ein.

... dann wäre nur der Ausfall realistisch

Die Rahmenterminkalender für die kommende Saison sind bereits verabschiedet. "Normalerweise müsste die EM noch einmal verschoben werden. Doch das wird nicht passieren. Da bietet der Terminkalender keine Chance. Vor allem auf Vereinsebene", sagt daher auch Bobic. Für den Ex-Nationalspieler ist klar: "Wenn die EM nicht im Sommer stattfinden sollte, ist der komplette Ausfall des Turniers die einzige realistische Möglichkeit."

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Beide waren sich jedoch einig, dass die Anzahl der Ausrichterländer drastisch reduziert werden müsse. "Wichtig ist, dass die Uefa so schnell wie möglich reagiert", sagte Bobic. Seit Wochen kursieren Gerüchte, dass das EM-Format nicht gehalten werden kann. Spekulationen gab es sowohl um einen möglichen alleinigen Gastgeber Russland als auch einen möglichen Ausrichter Deutschland. Der DFB kommentierte die Gerüchte Mitte der Woche nicht.

Die Uefa teilte mit, dass sie weiter zusammen mit den zwölf Ausrichterstädten an "vier Betriebsszenarien" für die Zuschauerauslastung arbeite. Die Möglichkeit voller Stadien werde dabei ebenso erörtert wie eine Kapazität von 50 bis 100 Prozent bzw. 20 bis 30 Prozent oder Geisterspiele. Schon bis zum 5. März soll die endgültige Entscheidung feststehen, wie die Euro ausgetragen wird. Hinter den Kulissen wird offenbar händeringend nach einer Lösung gesucht. Die Uefa sei bereit, das um ein Jahr verschobene Turnier "in elf, zehn oder neun Städten" auszutragen, sagte Präsident Aleksander Ceferin vor wenigen Tagen der serbischen Zeitung Informer: "Und sogar nur in einem Land, falls es nötig sein sollte."

Quelle: ntv.de, tno/sid