Fußball

Schlagstöcke und Pfefferspray - wegen eines Banners Polizeieinsatz empört FC Schalke und Fans

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(Foto: imago sportfotodienst)

Brutale Szenen beim Champions-League-Spiel gegen Saloniki: Mit Gewalt dringt die Polizei in den Schalker Block ein, um eine Fahne zu entfernen. Fans und Verein kritisieren die Polizei. Die erklärt, sie habe Lebensgefahr von Unbeteiligten abgewendet.

"Dieser Vorfall muss unbedingt aufgearbeitet werden", sagte Schalkes Vorstand Peter Peters nach dem 1:1 im Playoff-Hinspiel gegen PAOK Saloniki. Er meinte nicht die maue Leistung seiner Kicker, die das Erreichen der Champions-League-Gruppenphase gefährdet. Er meinte einen Einsatz der Polizei im Stadion, um den es am Tag danach mindestens so viele Diskussionen gibt wie um das Spiel selbst. Die Polizei war in der zweiten Halbzeit in den Schalker Block N eingerückt, in dem viele Ultras stehen, um eine Fahne zu entfernen. Den Weg bahnten sich die Polizisten mit Schlagstöcken und Pfefferspray.

Ein Sprecher der Polizei Gelsenkirchen wies darauf hin, dass die Beamten schon beim Einrücken in den Block mit Schlägen und Tritten angegriffen worden seien. Der Einsatz von Pfefferspray sei nur gegen "Störer" erfolgt: "Allerdings ist so ein Block sehr voll, es ist nicht auszuschließen dass auch Unbeteiligte getroffen wurden."

Ein Video zeigt das massive Vorgehen der Beamten. Inwieweit die Kommentare im Video stimmen, war zunächst nicht festzustellen. Die Bilder sprechen eine deutliche Sprache, meint aber Peter Peters. "Dieser Einsatz war völlig unverhältnismäßig. Wir können dies absolut nicht gutheißen und bringen dafür nicht das geringste Verständnis auf", sagte er. Der FC Schalke 04 verurteile das Vorgehen der Polizei.

Die Polizei selbst fühlte sich zu einer langen Stellungnahme veranlasst. Darin heißt es, die Polizei habe die Schalker Verantwortlichen aufgefordert, ein Banner abzunehmen. Dabei handelte es sich um eine Fahne der Ultras Skopje, die laut S04 eine Fanfreundschaft mit den Schalker Ultras pflegen. Das Banner habe einen volksverhetzenden Inhalt gehabt. Die Fans von Saloniki hätten sich davon so beleidigt gefühlt, dass sie mit einem Platzsturm gedroht hätten.

Inhalt des Banners bleibt unbekannt

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Fans von PAOK Saloniki sollen mit einem Platzsturm auf Schalke gedroht haben, sagt die Polizei.

(Foto: imago sportfotodienst)

Polizeisprecherin Stefanie Dahremöller sagte in einem Interview mit dem Radio Emscher Lippe, der Polizeiführer vor Ort habe sich schließlich entschieden, die Herausgabe der Fahne zu erzwingen. "Es erschien als die absolut geeignetste Maßnahme, um Lebensgefahr für Unbeteiligte abzuwenden."

Was genau auf dem Banner stand, konnte die Polizei auf Anfrage von n-tv.de nicht sagen. Die Fahne sei vor dem Zugriff der Beamten verschwunden und sei bisher nicht aufgetaucht, hieß es. Videoermittlungen laufen. Die Behauptung, das Banner sei volksverhetzend, erhält die Polizei jedoch aufrecht. "Ein griechischer Beamter hat uns darauf aufmerksam gemacht. Einige deutsche Kollegen mit langjähriger Einsatzerfahrung auf dem Balkan haben dies bestätigt", sagte die Polizei n-tv.de. Außerdem habe das selbe Banner schon zu schweren Ausschreitungen von Saloniki-Fans gesorgt.

Laut Informationen von der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zeigt die Flagge die Vergina-Sonne auf rotem Grund, die erste mazedonische Nationalflagge nach der Unabhängigkeitserklärung von Jugoslawien. Im Streit mit Griechenland änderte Mazedonien auf Druck aus Athen hin die Flagge. In dem Konflikt der Staaten geht es hauptsächlich um den Namen Mazedonien, den Griechenland historisch für eine eigene Provinz beansprucht. Deshalb firmiert Mazedonien bei den Vereinten Nationen unter dem Namen "The former Yugoslav Republic of Macedonia".

Fans beschimpfen die Polizei

Abzuwarten bleibt, wie sich der Vorfall auf das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen Teilen der organisierten Fans und der Polizei auswirken wird. Während des Einsatzes entlud sich der Frust in Gesängen wie "Alle Bullen sind Schweine".

Die Schalker Verantwortlichen wählten da schon eher die subtile Gangart. Sportdirektor Horst Heldt sagte nach dem Spiel ironisch: "Wenn jetzt in Hannover Fans von uns eine Braunschweig-Fahne mit in die Kurve nehmen, gehen die dann wieder rein?"

Quelle: ntv.de

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