Fußball

"Völlig übliche Transaktion" Red Bull erlässt RB 100 Millionen Euro

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Wohl dem, der einen so generösen Kreditgeber hat.

(Foto: Kevin Voigt/Jan Huebner/Pool)

Aus Schulden wird Eigenkapital: Red Bull stundet insgesamt 100 Millionen Euro an Krediten, die der Konzern dem Fußball-Bundesligisten Rasenballsport Leipzig gewährt hat. Laut dessen Finanzdirektor sei das ein normaler Vorgang. Dieser widerspricht den Aussagen von Geschäftsführer Oliver Mintzlaff.

Durch einen Schuldenerlass von 100 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2018/2019 hat Fußball-Bundesligist RasenBallsport Leipzig dank Geldgeber Red Bull sein Eigenkapital gestärkt. "Auf den ersten Blick sieht es so aus, als würde der Leistung von Red Bull keine Gegenleistung gegenüberstehen - das ist aber nicht der Fall. Es ist eine Transaktion, die völlig üblich ist, insbesondere in der freien Wirtschaft, aber auch im Fußballgeschäft und auch in der Bundesliga", sagte RB-Finanzdirektor Florian Hopp der Deutschen Presse-Agentur. Die "Mitteldeutsche Zeitung" und das Internetportal "RBlive.de" hatten zuvor über das Thema berichtet.

Hopp betonte, dass es keine Schenkung durch den Geldgeber sei. "Die Frage, ob eine Schenkung vorliegt, ist klar zu verneinen. Dann würde auch Schenkungssteuer anfallen, was nicht der Fall ist. Darüber hinaus bekommt Red Bull seinen Zinsverlust in Form einer Vorzugsdividende ausgeglichen", betonte Hopp. Für ihn sei es zudem ein Glücksfall in der Corona-Krise. Es solle jedoch nicht der Eindruck entstehen, dass RB Leipzig - wie der Klub offiziell heißt, da Sponsoren im Namen laut DFB nicht erlaubt sind - jetzt zusätzliche 100 Millionen Euro auf dem Konto hat.

Hopp begründete den Schritt vor allem mit der sportlichen Entwicklung bis in die Champions League des von Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz alimentierten Klubs. Wachsende Spielergehälter sowie breitere Strukturen im Verein und die Umsatzsteigerungen machten den Schuldenerlass notwendig. Der Bilanzexperte Professor Ludwig Hierl schätzte gegenüber "Mitteldeutscher Zeitung" und rblive.de ein: "Hier wurden Schulden gegenüber Red Bull sehr elegant und rechtskonform von Fremd- in Eigenkapital gewandelt." Dem Bericht nach schulde Leipzig dem Konzern nun 86 Millionen Euro statt zuvor 186 Millionen Euro.

Allerdings widerspricht die Transaktion den Aussagen, die RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff wiederholt getätigt hatte: Nämlich, dass der Klub "die Kredite mit Zinsen vollständig zurückzahlen" müsse und das Geld "uns nicht geschenkt" worden sei. Laut Finanzdirektor Hopp sei das ein Glücksfall. Die Kritiker am Finanzgebaren Red Bulls im Fußball sehen das sicher anders.

Quelle: ntv.de, tsi/sid