Fußball

Mama weint, Vorwürfe fliegen Ronaldo erschüttert die Premier League

imago1006504669h.jpg

The king is back: Ronaldo feierte ein Debüt nach Maß bei Manchester United.

(Foto: imago images/PA Images)

Als wäre er nie weg gewesen: Cristiano Ronaldo brilliert bei seinem Debüt, das Old Trafford tobt, die Mama weint. Mit CR7 will Manchester United wieder unbezwingbar werden. Doch Ronaldo ist mittlerweile 36 Jahre alt - und auch schwere Vorwürfe begleiten ihn auf die Insel.

Irgendwie war es, als wäre er nie weg gewesen. Als wäre alles wie immer. Cristiano Ronaldo trifft - doppelt natürlich -, das Old Trafford rastet aus, Manchester United brilliert, fährt einen Kantersieg ein und stürmt an die Tabellenspitze der Premier League. Drei Meisterschaften und einmal die Champions League hatte Ronaldo mit dem Klub während seines ersten Engagements von 2003 bis 2009 gewonnen. Nach dem 4:1 gegen Newcastle keimt bei den Fans der Red Devils wieder die Hoffnung auf den Ligatitel auf, den ersten seit 2013. Die Hoffnung, wieder unbezwingbar zu werden im ehrwürdigen heimischen Old Trafford.

"Meine Rückkehr nach Old Trafford war eine kurze Erinnerung daran, warum dieses Stadion als das Theater der Träume bekannt ist", schrieb Ronaldo nach dem Sieg auf Instagram. "Für mich war es immer ein magischer Ort, an dem man alles erreichen kann, was man sich vornimmt. Zusammen mit all meinen Teamkollegen und mit der großartigen Unterstützung, die wir immer von den Tribünen bekommen, sehen wir dem Weg, der vor uns liegt, mit Zuversicht und Optimismus entgegen, sodass wir am Ende alle zusammen feiern werden."

Der Nimbus der Unbesiegbarkeit ist ebenso eng mit Ronaldo wie mit Ex-Coach Sir Alex Ferguson verknüpft. Seit dem Rücktritt der Trainer-Legende (er war 27 Jahre im Amt) nach der letzten Meisterschaft ging es abwärts für Man United, die Premier League und der Henkelpott konnten nicht mehr gewonnen werden. Dafür übernahm Stadtrivale City die Vormachtstellung in Manchester. So dürfte sich nun auch der sportliche Ziehvater Ronaldos am Samstag an alte Zeiten erinnert gefühlt haben. Zwar stand Ferguson diesmal nicht an der Seitenlinie, sondern saß auf der Ehrentribüne, aber der von ihm zum Weltklassefußballer geformte Portugiese machte einfach da weiter, wo er 2009 aufgehört hatte im Old Trafford.

"Der König ist zurück"

Kurz vor der Pause staubte CR7 zur Führung ab, als Newcastles Schlussmann den Ball nach vorne abprallen ließ. Das Stadion tobte, Ferguson strahlte, Ronaldos Mutter weinte. Natürlich ließ es sich der Superstar nicht nehmen, zu seinem Jubelsprung anzusetzen, den mittlerweile Kinder auf der ganzen Welt nachahmen. "Siiii", begleitete das Rund den finalen Urschrei der Feierchoreografie des 36-Jährigen. "Biblische Begeisterung" benannte "The Times" den Ausnahmezustand. In der zweiten Halbzeit glich Newcastle schnell aus, aber Ronaldo wäre nicht Ronaldo, wenn er darauf nicht die passende Antwort parat gehabt hätte.

Einen Steckpass von Luke Shaw nahm der Portugiese bei einem Gegenstoß in vollem Tempo elegant mit rechts mit und vollendete mit links durch die Hosenträger des Keepers. Es folgte die nächste Jubelekstase, das nächste stadionweite "Siiii" samt Macho-Leistengegend-Bewegung. "Als wäre er nie weggegangen", twitterte Teamkollege Marcus Rashford im Anschluss an die Partie. "Der König ist zurück", schrieb der "Guardian".

Natürlich, es war nur das erste Spiel, aber es bewegt sich etwas in Manchester. Allein durch die Präsenz Ronaldos. Auch die anschließenden Tore durch Bruno Fernandes und Jesse Lingard waren von solcher Finesse und Schönheit, wie sie die Fans lange nicht mehr gesehen hatten im Old Trafford. Die Anhänger forderten selbst 45 Minuten nach dem Schlusspfiff lautstark, der Superstar möge noch einmal aufs Feld kommen. Langsam schritt CR7 aus dem Tunnel für eine Zugabe und forderte die Fans lachend auf, nach Hause zu gehen. "Viva Ronaldo" singend verließen sie schließlich das Stadion.

"Ronaldo, wo bist Du?"

Mit Ronaldo, das spürten die Zuschauer, ist diese gewisse Zerbrechlichkeit nicht mehr vorhanden, die United die vergangenen Jahre so oft begleitet hatte. Da hatte es in der Mannschaft nur kleinste Situationen benötigt, damit eine gute Leistung doch wieder in eine Niederlage umkippte. Zu oft stolperte der Gigant, zu oft reisten Crystal Palace, Burnley und Co. in die Stadt und gewannen. Die Unbezwingbarkeit, sie war dem Old Trafford irgendwann komplett abhandengekommen.

Trainer Ole Gunnar Solskjaer deutete nun an, dass Ronaldo für ein höheres Niveau in der Mannschaft sorge. Dass der Perfektionist und akribische Arbeiter keinerlei Nachlässigkeiten im Team dulde. Solch eine Einstellung färbt ab, besonders auf junge Spieler. Der Portugiese übernimmt sofort Verantwortung in seinem neuen Klub und hielt am Freitagabend vor seiner Premiere die Ansprache an die Mannschaft. Und mit CR7 auf dem Platz (United-Stürmer Edinson Cavani wurde extra gebeten, die Rückennummer an den Neuzugang abzugeben), wissen die Fans, die Gegner, die Mitspieler und vor allem Ronaldo selbst: Der Superstar wird mit höchster Wahrscheinlichkeit sein Tor machen und egal, wie schlecht die Chancen stehen, sein Team wird ziemlich sicher gewinnen. So war es in der Vergangenheit, so scheint es immer noch zu laufen.

Und da passt es, dass Ronaldos Ex-Klub Juventus Turin zwei Stunden nach seiner Gala mit 1:2 bei der SCC Neapel baden ging und nun unmittelbar vor den Abstiegsrängen herumdümpelt. "Cristiano Ronaldo, wo bist Du? Juve bekommt schmerzhaft die Abwesenheit seines Ex-Stars zu spüren", schrieb "Tuttosport". Das, was CR7 bei Manchester in die Mannschaft einhauchte, fehlt seinem alten Team nun: der Nimbus der Unbezwingbarkeit. "Schwach, fantasielos und ohne Seele, Juve ist nur noch der Schatten seiner selbst", befand der "Corriere dello Sport".

Banner wegen Vergewaltigungsklage

Manchester United muss nur aufpassen, dass es sich nicht zu sehr in seiner glorreichen Vergangenheit verrennt. Ronaldo ist immer noch einer der besten Spieler des Planeten und hat neben seinen Qualitäten eine enorme Ausstrahlung. Aber die Zeiten, in denen er komplett allein Spiel um Spiel entschied, sind vorbei. Auch die Fußballwelt hat sich geändert, ihre Kräfteverhältnisse sehen anders aus als 2009. Die Öl-und-Scheich-Klubs stellen in der Premier League und in Europa eine ganz andere Art der Konkurrenz dar. United ist keine unbestrittene Kraft mehr und kann sich höchstens zu einer der zwei Supermächte in der Stadt (zurück)mausern.

Und dass mit dem 36-Jährigen nicht nur Tore, Ruhm und Instagram-Follower, sondern auch Makel und Vorwürfe nach Manchester zurückkehren, konnten die Fans hoch oben über dem Old Trafford beobachten. Die Gruppe für Geschlechtergerechtigkeit Level Up ließ ein Flugzeug über dem Stadion fliegen, um Kathryn Mayorga zu unterstützen, die eine Vergewaltigungsklage gegen Ronaldo eingereicht hatte. Ein Banner forderte die Fans dazu auf, der Frau zu glauben, die die Anschuldigungen erhoben hat, von Ronaldo 2009 in einem Hotelzimmer in Las Vegas vergewaltigt worden zu sein.

Im Jahr 2010 nahm Mayorga im Rahmen einer Geheimhaltungsvereinbarung Geld vom Superstar und seinen Anwälten an. Die Staatsanwaltschaft in Nevada erklärte erst 2019, dass Ronaldo, der zuvor beispielsweise keine Vorbereitungsspiele in den USA mit seinen Klubs abhalten konnte, im Zusammenhang mit den Vorwürfen nicht angeklagt werde. Mayorga reichte daraufhin eine Zivilklage ein, in der sie behauptet, sie sei damals 2010, kurz nach der mutmaßlichen Tat, nicht in der Lage gewesen, die Geheimhaltungsvereinbarung zu unterzeichnen. Ronaldo beantragte im Juni 2021 die Abweisung der Zivilklage.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.