Fußball

"Eine Million Euro pro Tor" Ronaldos aufreibendes Juve-Projekt scheitert

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Cristiano Ronaldo tut sich schwer bei Juventus Turin, die internationalen Ziele wurden wieder dramatisch verfehlt.

(Foto: imago images/PA Images)

2018 wechselte Cristiano Ronaldo unter großen Erwartungen zu Juventus Turin. Doch die damalige Euphorie ist Ernüchterung gewichen, das Projekt des Superstars beim Serienmeister der Serie A eigentlich schon gescheitert. Sogar eine Rückkehr zu Real Madrid steht im Raum.

Den großen Frust von Cristiano Ronaldo bekam erst einmal Cagliari Calcio zu spüren. Drei Treffer binnen 22 Minuten schenkte der fünfmalige Weltfußballer dem Kellerkind ein, ein lupenreiner Hattrick. Mit "all seinem Talent" habe Ronaldo auf die "schmerzhafte Wunde" des Ausscheidens in der Champions League gegen den FC Porto zuvor reagiert, schrieb die "Gazetta dello Sport". "Die Furie Ronaldo bringt seine Kritiker zum Schweigen. Er verbindet Klasse und Wut", urteilte "La Stampa".

Wenige Tage vorher war das Echo in Italiens traditionell wankelmütigen Medien noch ein ganz anderes. Zwar hatte Juve den krassen Außenseiter aus Portugal mit 3:2 nach Verlängerung niedergerungen, zum Weiterkommen reichte das jedoch nach der 1:2-Niederlage im Hinspiel nicht. CR7, der in beiden Partien torlos geblieben war, wurde von der "Gazzetta" "unter Anklage" gestellt. "La Repubblica" sprach von "Ronaldos Versagen".

Ronaldo als Sündenbock

Eigentlich träumten sie in Turin bei der Ankunft des heute 36-Jährigen vor gut zweieinhalb Jahren vom großen Wurf, dem Titel in der Champions League. Die Realität sieht anders aus: Einmal schied die Alte Dame im Viertelfinale, zweimal im Achtelfinale aus - gegen Ajax Amsterdam, Olympique Lyon und nun eben Porto. In den meisten dieser Duelle trumpfte Ronaldo nicht so auf, wie man es aus seiner Zeit bei Real Madrid gewohnt war, als vor allem er die Königlichen zu vier Königsklassen-Triumphen in Serie führte.

Und inzwischen ist Juventus nicht einmal mehr in der heimischen Serie A unantastbar. Zehn Punkte beträgt der Rückstand auf Tabellenführer Inter, auch wenn die Mailänder ein Spiel mehr absolviert haben. Gut möglich also, dass der Scudetto erstmals seit 2011 nicht nach Turin geht.

Ronaldo als Alleinschuldigen für die Enttäuschungen der jüngeren Vergangenheit hinzustellen, wäre dennoch zu einfach. Immerhin erzielte der portugiesische Europameister auch im Juve-Trikot bislang 95 Treffer in 122 Pflichtspielen und bereitete weitere 22 Tore vor. Allein in der laufenden Saison kommt er auf starke 34 Torbeteiligungen in 33 Einsätzen.

31 Millionen Euro jährlich - netto

Ob diese Zahlen die gigantischen Investition rechtfertigen, die Juventus auch in Zeiten der Corona-Krise für Ronaldo aufwendet, ist im Umfeld des Klubs (und womöglich inzwischen auch intern) umstritten. Fast 120 Millionen Euro überwiesen die Turiner als Ablöse für den damals schon 34-Jährigen nach Madrid. Hinzu kommt Ronaldos Mega-Gehalt in Höhe von 31 Millionen Euro jährlich - netto, versteht sich. "Eine Million Euro pro Tor" koste "Fehleinkauf" CR7 seinen Arbeitgeber, ätzte der frühere Juve-Präsident Giovanni Cobolli gegenüber "Radio Punto Nuovo" - eine keineswegs abwegige Rechnung, angesichts der finanziellen Dimensionen der Liaison.

Dass sich andere Stars wie Paulo Dybala oder Federico Bernardeschi in den letzten Jahren ohne Ronaldo womöglich weiter entwickelt hätten, als sie es tatsächlich taten, ist reine Spekulation. Klar ist aber, dass der übermächtige Schatten des prominenten Teamkollegen bei Juventus quasi immer über allen (und allem) anderen schwebt. Ronaldo sei "eine Belastung" für die Mannschaft, urteilte Cobolli.

Inzwischen ist offenbar nicht mehr ausgeschlossen, dass sich die Wege von Juventus und Ronaldo im Sommer trennen, ein Jahr vor Ablauf seines Vierjahresvertrags. Ein Abnehmer steht angeblich schon bereit: Real Madrid. Ronaldos Agent Jorge Mendes habe mit den Königlichen erste Gespräche geführt, versicherten zuletzt der gewöhnlich gut informierte TV-Sportmoderator Josep Pedrerol sowie die Madrider Fachzeitung "AS" übereinstimmend. Der größte Wunsch des "verlorenen Sohnes" sei es derzeit, wieder das Real-Trikot tragen zu dürfen, berichtete das Blatt.

Sport.de

Dieser Text ist zunächst bei den Kollegen von sport.de erschienen.

Und auch Reals Trainer Zinédine Zidane öffnete die Tür für eine Ronaldo-Rückkehr. "Es ist möglich. Wir kennen Cristiano, wir kennen ihn als Mensch und wissen alle, was er für Real Madrid getan hat", sagte der Franzose bei "Sky Italia". "Im Moment" sei Ronaldo jedoch Spieler von Juventus, "das haben wir zu respektieren".

Glaubt man einem aktuellen "Eurosport"-Bericht, sind die Gerüchte um eine Ronaldo-Rückkehr ohnehin weniger heiß als vermutet. Demnach wolle Real eigentlich viel lieber Kylian Mbappé in die spanische Hauptstadt locken. Zumal das Verhältnis zwischen Klub-Präsident Florentino Pérez und Ronaldo seit dessen Weggang angekratzt sei.

Quelle: ntv.de

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