Fußball

Gladbachs fulminanter Auftritt Rose erzählt ganz umsonst einen vom Pferd

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Marco Rose durfte endlich mal nach einem Champions-League-Abend uneingeschränkt zufrieden sein.

(Foto: picture alliance/dpa)

Zweimal muss Borussia Mönchengladbach in der Champions League leiden, beim dritten Mal gibt es beinahe uneingeschränkten Jubel: Ein Kantersieg in der Ukraine sorgt für eine überraschende Situation in einer "Hammergruppe". Der Trainer verrät, dass er in der Halbzeit ganz umsonst warnte.

6:0 bei Schachtjor Donezk, mit einer fulminanten Leistung herausgespielt, nie gefährdet und so wichtig im Hinblick auf Punktekonto und Seele: Endlich mal ein Champions-League-Abend, der für Borussia Mönchengladbach nicht im Gefühlschaos endet. Gegen die Großklubs Real Madrid und Inter Mailand hatte der starke, aber unglückliche Bundesligist durch Last-Minute-Gegentreffer insgesamt vier Punkte liegengelassen und schwebte hernach zwischen Stolz über die eigene Leistung und Ärger über die aus der Hand gegeben Zähler.

Die Sache mit dem Stolz ist noch aktuell, der Ärger ist ganz weit weg. "6:0 ist außergewöhnlich. Heute haben wir eine Menge richtig gemacht - um nicht zu sagen, fast alles", freute sich ein schon früh während des Spiels sichtbar entspannter Trainer Marco Rose. "Die Jungs waren von der ersten Minute an da, haben den Gegner unter Druck gesetzt und dadurch viele Bälle gewonnen. Die Mannschaft hat den Matchplan super umgesetzt."

Dieses Donezk stürzte Real in die Sinnkrise?

Der Matchplan war offensichtlich: Konsequent sollte es über die Flügel gehen, die Außenverteidiger wurden auffällig oft bis in die letzte Aktion vor dem Abschluss hinein in den Offensivvortrag eingebunden. "Das 1:0 war ein Paradebeispiel: schnell über die Außen zu kommen und dann auch Präsenz im Strafraum zu zeigen", freute sich Kapitän Lars Stindl. Außenverteidiger Stefan Lainer hatte den Ball flach herein gegeben, Alassane Pléa vollendete. "Das war eine sehr, sehr gute Leistung. Wir wollten von Beginn an sehr konzentriert und unangenehm sein gegen eine technisch starke Mannschaft. Und wir haben von Anfang an wenig Zweifel aufkommen lassen. Wir waren griffig, giftig, haben sie früh unter Druck gesetzt, Ballgewinne gehabt und danach zielstrebig gespielt - und die Tore gemacht", freute sich Stindl über den Auftritt. "Das war insgesamt eine sehr reife Leistung."

Zur Erinnerung: Auch die Ukrainer hatten gegen Inter Mailand einen Punkt geholt - und vorher Real Madrid mit einem 3:2-Auswärtssieg im Estadio Santiago Bernabeu tief in die Sinnkrise gestürzt. Und diese Mannschaft wurde von den Fohlen nun einfach überfahren, von Anfang bis Ende. Obwohl das Spiel nach zwei Treffern von Pléa, einem von Verteidiger Rami Bensebaini und einem von Christoph Kramer erzwungenen Eigentor schon nach 45 Minuten entschieden war. "Zur Pause habe ich den Jungs natürlich von dem Pferd und der Apotheke erzählt, um die Spannung hochzuhalten", sagte Rose. Nötig war das nicht. Später legten Stindl und noch einmal Pléa noch nach - zum zweithöchsten Auswärtssieg der langen Gladbacher Europapokal-Historie.

Der erste Treffer Pléas in der 8. Minute war das früheste Tor in der Champions-League-Geschichte des Bundesligisten, später ließ der Franzose noch zwei weitere Tore folgen. Historisch ja, aber an diesem durch und durch begeisternden Europapokal-Abend eher eine Randnotiz. Auch, dass sich Stindl und seine Kollegen mit dem Spektakel unter den höchsten deutschen Siegen in der Champions League verewigten, dürfte kaum interessiert haben. Dafür ist das Jetzt noch zu erfreulich.

"Haben noch nichts erreicht"

Jetzt, nach dem Ende der Hinrunde der Gruppenphase, führt Borussia Mönchengladbach die "Hammergruppe" B an. Dort sind immerhin 16 Champions-League- bzw. Europapokal der Landesmeister-Titel versammelt, Gladbach und mehr noch Donezk wurden bestenfalls wohlwollend Außenseiterchancen eingeräumt. Nun grüßen beide von oben, der dreizehnfache Titelträger Real Madrid und Inter Mailand arbeiten sich hinterher. Das 6:0 war nicht alleine eine "reife Leistung" (Stindl), sondern der nächste, diesmal ein gewaltiger Knall, mit dem der Bundesligist die strauchelnden Konkurrenten endgültig aufgeschreckt haben dürfte.

Borussia Mönchengladbach hat sich die große Chance erspielt, sogar in der Champions League zu überwintern. Und diese Aussicht sorgte dann doch noch ein bisschen, ein ganz klein bisschen für gemischte Gefühle. "Wir dürfen das Ergebnis genießen, klar. Aber im Grunde genommen haben wir noch nichts erreicht", sagte Fohlen-Flüsterer Rose. "Ich bin kein Freund davon, jetzt komplett in die Euphoriewelle einzusteigen, weil ich genau weiß, wie schnell es gehen kann. Wir bleiben auf dem Teppich und versuchen, die Dinge, die wir gut gemacht haben, mitzunehmen."

Am 25. November kommt das arg zerlegte Donezk zur Revanche in den Borussia-Park. Der nächste Sieg wäre für Roses Mannschaft ein gewaltiger Schritt in Richtung Achtelfinale. Und der zufriedene, aber nicht euphorische Rose warnt schon Momente nach dem rauschhaften Sieg: "Ich glaube jetzt schon zu wissen, dass Schachtjor in drei Wochen in Mönchengladbach völlig anders auftreten wird." Man hat ja auch schon Pferde vor der Apotheke kotzen sehen.

Quelle: ntv.de

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