Fußball

"Terror" nach Bayern-Aus in CL Salihamidžić-Sohn legt Hass gegen Familie offen

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Nick Salihamidžić muss online einiges ertragen.

(Foto: imago images/foto2press)

Nach dem Ausscheiden des FC Bayern in der Champions League gegen Underdog FC Villareal suchen einige "Fans" einen Sündenbock - und landen wieder einmal bei Hasan Salihamidžić. Münchens Sportvorstand und seine Familie werden beleidigt und bedroht. Das kann ernste Folge haben.

Der FC Bayern schied am Dienstagabend nach einer 0:1-Pleite im Hinspiel beim FC Villareal und einem 1:1 in der heimischen Allianz Arena gegen den Underdog aus der Champions League aus. Soweit, so peinlich. Doch einige "Anhänger" des deutschen Fußball-Rekordmeisters verstanden wieder einmal nicht, dass es sich bei dem fußballerischen Dämpfer eben nur um Fußball handelte. Und dass daraus nicht die schwerwiegenden, persönlichen Beleidigungen und Drohungen folgen dürfen, die Nick Salihamidžić öffentlich machte. Der Sohn von Bayern Münchens Sportvorstand Hasan Salihamidžić teilte auf Instagram Hassnachrichten gegen sich, seinen Vater und seine Familie, die ihn von sogenannten Fans nach dem Ausscheiden erreichten. Das ist nicht nur traurig, sondern gefährlich: Hate-Speech kann besonders bei jungen Leuten schwerwiegende Folgen nach sich ziehen.

Der 19-jährige Salihamidžić, der in der U19 und in der zweiten Mannschaft der Bayern in der Regionalliga spielt, veröffentlichte einige der Nachrichten und Kommentare und schrieb dazu auf Englisch: "Es ist verrückt, wie ihr 'Fans' umschaltet, verrückt, wie jedes Mal, wenn die Dinge gut laufen, es nie an meinem Vater liegt, aber jedes Mal, wenn etwas schlecht läuft, ihr damit beginnt, meinem Vater die Schuld für alles zu geben und meine Familie mit euren Nachrichten und Kommentaren zu terrorisieren. Tolle Leistung von euch, haltet doch auch mal in 'schlechten Zeiten' zu eurem Klub. Unglaublich."

Der Jungprofi teilte zusätzlich einen Screenshot seines Handy-Startbildschirms, auf dem mehrere Hasskommentare zu sehen sind. Unter anderem werden sowohl Hasan Salihamidžić als auch seine Familie als "Hunde" beschimpft. Nick Salihamidžić wird mit den englischen Wörtern "Fuck you" ("Fick dich") beleidigt, sein Vater als "Versager" abgestempelt.

"Lasst meine Mutter und Schwester da raus"

Außerdem sind Screenshots mutmaßlicher Privatnachrichten an den 19-Jährigen hinzugefügt. Darin wird Nick Salihamidžić unter anderem angedroht, dass seine "Mutter gefickt" würde, wenn er nicht seinem Vater sagte, dass dieser Bayern-Trainer Julian Nagelsmann entlassen müsse. In einer anderen mutmaßlichen Nachricht bekommen auch die Töchter des FCB-Sportvorstands Hass und Beleidigungen ab.

Bayern-"Fans" schreiten nicht zum ersten Mal auf diese abscheuliche Art und Weise zur Tat. Bereits vor einem knappen Jahr, als es beim FC Bayern rumorte zwischen Noch-Trainer Hansi Flick und Hasan Salihamidžić, bekamen der Sportvorstand und seine Familie den Hass einiger "Anhänger" online zu spüren. Ehefrau Esther Salihamidžić, die ein Yoga-Studio in München betreibt, schrieb damals auf dem Instagram-Kanal das Studios: "In den letzten Tagen bekomme ich sehr viele unschöne und sehr beleidigende Kommentare, die nichts mit meiner Arbeit [zu tun haben] und sich ausschließlich auf meinen Ehemann und seinen Job beziehen. Man beleidigt ihn als Menschen und auch unsere ganze Familie wird gleich mit angegriffen."

Nick Salihamidžić hatte sich zu dem Zeitpunkt ebenfalls per Instagram Luft verschafft nach den Angriffen: "Ich habe kein Problem damit, wenn ihr meinen Vater oder mich für Lügen attackiert, die Medien oder anderen Leute verbreitet haben. Wir kommen damit klar, aber lasst meine Mutter und Schwester da raus. Widerliches Verhalten, widerliche Leute, Fake Fans", schrieb er damals.

Depressionen als Folge

Die Beleidigungen gegen die Familie Salihamidžić zeugen nicht nur von einer großen Bosheit und Blödheit ihrer Absender, sie können auch zu schwerwiegenden Folgen führen. Wer digital bedroht und abgewertet wird, leidet häufiger unter emotionalem Stress und Angst, zeigen Untersuchungen. Besonders junge Menschen, wie Nick Salihamidžić oder seine Schwestern, sind davon laut einer Studie der Nicht-Regierungsorganisation Campact betroffen: 31 Prozent der 18- bis 24-Jährigen klagen über Depressionen als Folge von Hass und Belästigungen im Netz.

Campact betitelt Hate-Speech sogar als Angriff auf die Demokratie. Hasskommentare erfüllen in Deutschland selbst zwar keinen eigenen Straftatbestand, wenn nicht etwa verbotene Symbole gezeigt werden oder direkt zu Straftaten aufgerufen wird - mit Fußball, einem Spiel, bei dem es zwar um viel Geld geht, das aber vor allem ein Spiel ist und Spaß machen soll, hat das alles schon längst nichts mehr zu tun.

Quelle: ntv.de

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