Fußball

Gefährlicher Realitätsverlust Schalke 04 verweigert das Fußballspielen

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Besser wegdrehen: Der Fußball des FC Schalke 04 ist derzeit nur schwer zu ertragen.

(Foto: Anke Waelischmiller/ Pool)

Der FC Schalke 04 verliert auch das dritte Spiel in Folge gegen einen Abstiegskandidaten. Die Leistung gegen Werder Bremen in Halbzeit eins: erschütternd schlecht. Trainer David Wagner verteidigt sich und seine höchst umstrittene Taktik dennoch - zunehmend genervt allerdings.

Die Frage nach seiner Jobsicherheit fand David Wagner "müßig", seine äußerst umstrittene Mauertaktik "gar nicht so schwer zu verstehen". Die Horrorserie in den Geisterspielen setzt dem angeschlagenen Trainer von Schalke 04 zu, auf die vielen kritischen Fragen reagiert er zunehmend genervt. Wie viel die Jobgarantie von Sportvorstand Jochen Schneider nach dem elften Spiel in Folge ohne Sieg wert ist, wollte Wagner nicht sagen. "Es macht wenig Sinn, diese Frage jede Woche zu stellen", kanzelte er einen ZDF-Reporter nach dem 0:1 (0:1) gegen den Tabellenvorletzten Werder Bremen ab.

Schalke - Bremen 0:1 (0:1)

Tor: 0:1 Bittencourt (32.)
Schalke: Nübel - Kabak, Salif Sane,  Todibo (46. Oczipka) - Kenny, McKennie (55. Boujellab), Schöpf,  Miranda (80. Burgstaller) - Matondo (46. Raman), Caligiuri -  Gregoritsch (58. Kutucu); Trainer: Wagner.
Bremen: Pavlenka - Gebre Selassie, Langkamp, Moisander, Friedl -  Vogt - Maximilian Eggestein, Klaassen - Bittencourt (46. Osako,  90.+1 Groß) - Sargent (70. Bargfrede), Rashica (58. Selke); Trainer: Kohfeldt.
Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin)
Zuschauer: keine

Dass wegen der Corona-Pandemie die Fans aus den Arenen verbannt sind, kommt dem Erfolgstrainer der Hinrunde nach dem beispiellosen Absturz in der Rückrunde entgegen: So bleibt ihm ein Spießrutenlauf, wie ihn viele seiner Vorgänger erlebten, erspart. Mit 60.000 "Wut-Schalkern" im Stadion wäre er nach drei Pleiten in Folge gegen drei Abstiegskandidaten mit dem von ihm verordneten Angsthasenfußball wohl schon nicht mehr im Amt. So kann Schneider an seinem Wunschtrainer (noch) festhalten.

Er wolle "die Gegentorflut eindämmen" und seiner Mannschaft "wieder ein Gefühl von Stabilität geben", begründete Wagner die erneute Fußball-Verweigerung, die dem Tabellenvorletzten in der ersten Hälfte phasenweise 80 Prozent Ballbesitz und das Siegtor durch Leonardo Bittencourt (32.) bescherte. Auch der vierte Torwartwechsel der Saison zurück zum künftigen Münchner Alexander Nübel half wenig.

Schon "eigentlich sehr gut"

Dass Schalke nach der Pause hin und wieder den Weg in den Bremer Strafraum fand, bewertete Wagner schon als "eigentlich sehr gut". Mittelfeldspieler Alessandro Schöpf sah sogar den "Weg, wie wir in der Hinrunde gespielt haben". Ein gefährlicher Realitätsverlust, denn die Fakten sind alarmierend: 3:25 Tore stehen während der Sieglos-Serie zu Buche, gegen die Klubs auf den Tabellenplätzen 14, 16 und 17 gab es drei Niederlagen in Folge mit teilweise extremer Defensivtaktik, vom angestrebten und wirtschaftlich bitter nötigen Europapokalplatz ist Schalke als Zehnter schon weit entfernt.

Bei Union Berlin, einem weiteren Abstiegskandidaten, droht am kommenden Sonntag (15.30 Uhr im Liveticker bei ntv.de) die Einstellung des Negativ-Rekords: Zwölf Spiele ohne Sieg erlebte Königsblau in der Bundesliga nur 1993 unter den Trainern Helmut Schulte und Jörg Berger. Damals war Schalke Tabellenletzter und musste lange um den Klassenerhalt zittern. Schon jetzt ist das Team so schlecht wie seit 23 Jahren nicht, wie der "Reviersport" recherchiert hat. Damals gewann der Klub trotz der Horrorserie in der Liga allerdings den Uefa-Cup.

Davor bewahrt Wagner wohl allein die starke Hinrunde, in der sein Team zwischenzeitlich vor Bayern München und Borussia Dortmund lag. Ohne die 30 Punkte aus der ersten Saisonhälfte wäre die schwächste Rückrundenmannschaft der Liga in akuter Abstiegsgefahr - und Jahrtausendtrainer Huub Stevens, der auf der Tribüne fassungslos zusah, müsste wohl wie im Vorjahr erneut aushelfen.

Quelle: ntv.de, tno/sid