Fußball

Gruselige Saison - und nun? Schalkes Derbyhelden enttäuschen die Fans

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Immerhin: Die Choreo für Rudi Assauer war überragend. Aber die Fans sind beim FC Schalke 04 auch nicht das Problem.

(Foto: imago images / RHR-Foto)

Das wenig begeisternde torlose Unentschieden gegen den FC Augsburg sichert den Schalkern den Klassenverbleib. Die von Trainer Huub Stevens geforderte Wiedergutmachung bleibt allerdings aus. Ab jetzt gilt alle Konzentration der Zukunft des Fußball-Bundesligisten.

Eines muss man den Schalkern lassen: In Sachen Choreo macht der gewaltigen Fan-Gemeinde so schnell niemand etwas vor. Auch vor dem nahezu bedeutungslosen Spiel der Fußball-Bundesliga gegen den FC Augsburg, das fast folgerichtig torlos 0:0 (0:0) endete, präsentierte die Nordkurve, Schmelztiegel der ganz Treuen, wieder große Banner mit viel Symbolkraft. Noch einmal ließen sie ihren vor Monaten verstorbenen Manager Rudi Assauer hochleben, der am vergangenen Dienstag 75 Jahre alt geworden wäre.

Erst schickten sie ihre Gratulation in Schwarz und Weiß gen Stadiondach und huldigten ihrem Idol mit dem Spruch "Malocher, Macho, Manager", danach flaggten sie zu Spielbeginn auf Blau-Weiß um. Was soll man auch machen in dieser tristen Zeit, die am Ende einer verkorksten Saison eher königsgrau daher kommt, als sich an die große und erfolgreiche Vergangenheit in der Ära des Schalker Übervaters zu erinnern. Selbst Interimsrainer Huub Stevens zeigte sich tief bewegt. "Wenn ich sehe, wie die Fans meinen Freund verehren, dann macht das etwas mit einem."

Die emotionale Gemengelage von Mannschaft und Verantwortlichen dürfte in diesen Tagen allerdings eine ganz andere sein. Auch wenn vor einer Woche der ebenso unerwartete wir wichtige 4:2-Sieg beim Erzrivalen in Dortmund gelang, sitzt der Frust tief. Insofern hatten sich die Anhänger gewünscht, dass die Derbyhelden sich die markigen Worte ihres Coaches zu Herzen genommen hätten. "Der Erfolg im Revierderby ist ein Pflaster, mehr nicht", hatte der Holländer gesagt und gefordert: "Wir wollen in den drei letzten Spielen noch das eine oder andere reparieren." Er wurde nicht erhört. Ohne Treffer misslang der erste Akt der dreiteiligen Wiedergutmachung, in Leverkusen und im abschließenden Heimspiel gegen den VfB Stuttgart sollen nun weitere Instandsetzungsmaßnahmen erfolgen, um das noch vor Wochen zerrüttete Innenverhältnis zwischen Kurve und Team wieder zu kitten.

"Wir haben den Klassenerhalt geschafft"

Die Geschichte dieses Sonntagnachmittags ist rasch erzählt. Schalke dominierte, kam auch zu zahlreichen vielversprechenden Abschlüssen. Die besten davon vergaben Suat Serdar, der in der 52. Spielminute lediglich den Pfosten traf, Rabbi Matondo, dessen Schuss aus elf Metern geblockt wurde (64.) und noch einmal Serdar in der 90. Dann war Schluss an einem wenig begeisternden Nachmittag, an dem Schalkes Schlussmann Alexander Nübel nur ein einziges Mal eingreifen musste. Nach einem Freistoß von der linken Augsburger Angriffsseite von Jonathan Schmidt kam Michael Gregoritsch zum Schuss, den Derbyheld Daniel Caligiuri mit der Hacke abfälschte und seinen Keeper zu einer Glanztat zwang (56.).

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Geschafft: Huub Stevens.

(Foto: imago images / Horstmüller)

"Wir haben taktisch sicher gestanden und auch im Aufbau gut agiert", sagte Stevens. "Aber nur bis zum gegnerischen Strafraum. Wir hatten etliche Chancen, waren im Abschluss aber einfach glücklos." Dabei war Augsburg lediglich ein besserer Sparrungspartner, allein die Hausherren schlugen kein Kapital aus dem fehlerhaften Aufbauspiel eines Gegners, dem offensichtlich die letzte Spannung fehlte. So blieb beim pünktlichen Schlusspfiff der eine Punkt, der den Schalkern zumindest die letzten theoretischen Abstiegssorgen nimmt. "Wir haben den Klassenerhalt geschafft, und das war meine Aufgabe", sagte Stevens. "Wie, das ist nicht so wichtig." Die Begegnung zeigte aber einmal mehr die eklatanten Schwächen der Blau-Weißen auf, die zu dieser Misere geführt hatten: Aus dem Spiel heraus treffen die Angreifer das gegnerische Gehäuse viel zu selten.

Dass die Stimmung besser ist als beim Revierrivalen aus Dortmund, der den Meisterschafts-Blues hat, ist nur ein schwacher Trost. "Ich hätte mir allein für die Fans heute das eine oder andere Tor gewünscht", sagte Stevens. Wichtiger als die misslungene Aufhübschung einer gruseligen Saisonbilanz aber war die Erkenntnis, dass nun Gewissheit herrscht, dass die Schalker auch in der kommenden Saison erstklassig sein werden und ihnen ein Zitterfinale am letzten Spieltag gegen den VfB Stuttgart erspart bleibt. Diese Planungssicherheit brauchen sie dringend, angesichts der vielen Baustellen, die es nun in Eile zu beheben gilt, bevor mit Eröffnung der neuen Spielzeit neue Erwartungen an das Fußballkollektiv aus Gelsenkirchen gerichtet werden. Denn die sind bekanntlich stets gewaltig.

Und nun? David Wagner?

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Kommt er? David Wagner.

(Foto: imago images / PRiME Media Images)

Immerhin verdichten sich die Anzeichen, dass in einer zentralen Personalfrage Sportvorstand Jochen Schneider die Planungen vertragsreif forciert hat. Wenn Stevens in knapp zwei Wochen sein drittes Trainerengagement als Retter beenden und sich wieder in die Reihen des Aufsichtsrates eingliedern wird, könnte ein ehemaliger Schüler des blau-weißen Jahrhunderttrainers dessen Nachfolge antreten. David Wagner, 47 Jahre alt, zuletzt in der englischen Premier League in Huddersfield unter Vertrag, gilt als Wunschkandidat beim Traditionsverein. Und glaubt man den Quellen auf der Insel, ist diese Information safe. Die Gelsenkirchener Kommandozentrale hält sich diesbezüglich noch bedeckt. Doch es wird auch nicht dementiert, dass der einstige Eurofighter, dem damals, 1996, in Runde eins im Rückspiel beim holländischen Teilnehmer Roda Kerkrade - damals noch von Huub Stevens trainiert - sogar ein Tor gelang, neuer Chef-Übungsleiter wird.

Gut möglich, dass die Führungsetage des in Schieflage geratenen Gelsenkirchener Bundesligaklubs darauf wartet, die große Lösung der Neuordnung zu präsentieren. Noch suchen sie einen Sportdirektor und einen Technischen Direktor, wobei sich die Anzeichen auch hier verdichten, dass zumindest Ersterer bereits gefunden ist. Markus Krösche heißt der Fachmann, derzeit noch beim Zweitligisten aus Paderborn unter Vertrag. Auch mit dem Transferspezialisten, so rumort es, sei man sich bereits handelseinig, auch wenn Krösche noch bis 2022 im Ostwestfälischen unter Vertrag steht. Sicher ist: Das Triumvirat, das künftig die zentralen Positionen in Schalke besetzt, hat viel Arbeit. Das hat sich nach dem wenig begeisternden Auftritt gegen Augsburg nicht geändert.

Quelle: ntv.de