Fußball

Eintracht und Union mühen sich Schlechtes Spiel sorgt für gute Laune

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Viel Kampf, kaum Glanz. Wie hier zwischen Frankfurts Djibril Sow und Unions Christian Gentner ging es am Freitagabend ununterbrochen zu.

(Foto: imago images/Contrast)

Die Partie zwischen Union Berlin und Eintracht Frankfurt bietet ein zerfahrenes Fußball-Bundesliga-Spiel mit vielen falschen Entscheidungen auf beiden Seiten. Den Sieg holt die Mannschaft, die sich einmal weniger selbst ausbremst. Kurios: Hinterher sind beide Trainer zufrieden.

Vom Hauptbahnhof in Frankfurt bis zu seinem Berliner Pendant sind es satte 552 Kilometer. Abgerundet. Wer diese Strecke für ein Spiel der Fußball-Bundesliga in Kauf nimmt - zumal an einem Werktag - , will sicher gehen, dass er seinen Spaß hat. Und so nebelten ein paar der rund 2000 mitgereisten Frankfurter vor dem Anpfiff erstmal nicht nur ihren Block ein, sondern schickten Rauchschwaden quer übers Spielfeld. Als sich der Nebel dann nach wenigen Minuten verzogen hatte, erlebten die 22.012 Zuschauer in der Alten Försterei ein anstrengendes Spiel, das 1:2 endete.

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Lobt das "kampfbetonte Spiel": Adi Hütter.

(Foto: imago images/Contrast)

"Wir haben über 90 Minuten ein kampfbetontes Spiel gesehen", eröffnete Eintracht-Trainer Adi Hütter seine Einschätzung zum Auftakt des sechsten Spieltags und freute sich, dass seine Mannschaft "90 Minuten gefightet habe", um letztendlich einen verdienten Auswärtssieg mitzunehmen. Urs Fischer wiederum, Trainer des Aufsteigers, war nach dem schwachen Auftritt in Leverkusen am letzten Wochenende mit der "Reaktion, die wir gefordert hatten, die die Jungs auch gezeigt haben" hochzufrieden. "Einen tollen Auftritt" will der Schweizer sogar von seiner Mannschaft gesehen haben, "dann kannst du auch mal mit einer Niederlage umgehen." Wenn zwei Trainer nach einem Bundesligaspiel unisono verkünden, vor allem mit der kämpferischen Einstellung ihrer Teams zufrieden gewesen zu sein, dann hat das meistens nichts Gutes für die Qualität der Darbietung an sich zu bedeuten.

Eintracht effizient nach der Pause

Auf Seiten der Frankfurter, die zuletzt immerhin mit ihrem späten Ausgleich beim 2:2 gegen Meisterschaftsanwärter Borussia Dortmund dort die neuerliche Diskussion um diesen "Mentalitätsscheiß" (Marco Reus) losgetreten hatten, sorgten viele falsche Entscheidungen im letzten Drittel des Feldes für Unmut. Dazu hatte 2014er-Weltmeister Erik Durm offenbar eine ganz persönliche Meisterschaft im Halbfeldflankenschlagen ausgerufen. Den Titel muss sich der Frankfurter jedoch mit seinem Berliner Gegenüber Ken Reichel teilen. Wenig war an diesem feuchtkalten Berliner Herbstabend zu sehen vom Angriffswirbel, mit dem die Hessen vor gut einer Woche gegen den FC Arsenal einen Hochkaräter nach dem nächsten kreiert hatten. In der ersten Hälfte sprang diesmal gerade mal eine Chance bei den Bemühungen raus, in der zweiten wurde es dann immerhin etwas besser.

"Hier werden noch einige Mannschaften Punkte liegen lassen", lobte Hütter die tapferen Gastgeber. Dass es am Ende wieder nur Lob und keine Punkte gab, lag an der entscheidenden Schwächephase Berlins nach der Halbzeit.  "Wir können uns nicht erlauben, in gewissen Phasen des Spiels nachzulassen", legte Fischer den Finger in die Wunde und meinte die Viertelstunde nach der Halbzeit. Da lag "der Schlüssel zum Sieg" (Hütter). Erst staubte Bas Dost drei Minuten nach Wiederanpfiff zur Führung der Hessen ab, als er einen von Unions Torwart Rafal Gikiewicz nach vorne abgewehrten Ball einschob.

"Der neue Sturm" ist zufrieden

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Und wenig später machte dann auch André Silva noch sein Tor: "André hat in der ersten Halbzeit eine hundert-, eine tausendprozentige Chance ausgelassen, weil er nicht zum Abschluss gekommen ist. Da hat er sich falsch entschieden", hatte Hütter kurz mit seinem Stürmer gezürnt, der aber dennoch im Spiel blieb. "Er war kurz unglücklich, aber er hat" - natürlich - "weiter gekämpft, gefightet und sich so das Tor verdient." Beim 2:0 nickte der Portugiese eine tolle Flanke von Djibril Sow gegen die Laufrichtung von Gikiewicz ein. Dost und Silva waren erst während der laufenden Saison an den Main gewechselt.

"Der neue Sturm hat getroffen, das ist gut", freute sich Frankfurts Angreifer Bas Dost über den erfolgreichen Arbeitstag von ihm und Sturmkollege Silva. "Wir lernen uns immer besser kennen, trotzdem ist noch viel Luft nach oben." An seiner Fitness werde der Hüne weiter arbeiten, es sei "schon besser geworden", diktierte er noch, "aber bei Flanken fehlen noch ein paar Prozent, das nervt mich." Hütter freute sich mit "für Bas, der nicht nur das wichtige 1:0 gemacht hat, sondern auch sehr gut für die Mannschaft gearbeitet hat".

Ein Abstaubertor und ein Treffer aus nahezu der einzigen hochkarätigen Offensivaktion, die nicht durch eine Unsauberkeit oder eine falsche Entscheidung kurz vor dem Finale selbst zunichte gemacht wurde - kein Wunder, dass hinterher bei beiden Trainern viel von "Effizienz" die Rede war.

Gute Nachricht für Union

Nun geht also in Berlin und Frankfurt die Arbeit weiter - und Urs Fischer weiß, was in den kommenden Wochen bei ihm auf dem Plan stehen sollte: "Wir müssen daran arbeiten, noch präziser zu sein", verriet er. Die gute Nachricht für den Aufsteiger ist, dass seine Spieler dem Trainer gut zuhören, denn bisher reagierte die Mannschaft schon mehrmals in dieser Saison schnell auf die Wünsche des Trainers. Nach dem Debakel zum Auftakt gegen Leipzig (0:4), als sich die Berliner überraschend offensichtlich nicht wettbewerbsfähig präsentierten, organisierten sie sich aus einer soliden Grundordnung heraus erst einen verdienten Punkt in Augsburg, in der Woche darauf gab es mit konsequent ausgespielten Umschaltaktionen das 3:1 gegen Borussia Dortmund. Nun folgte zumindest kämpferisch die offen geforderte "Reaktion" auf die blutleere Leverkusen-Vorstellung, bei der "wir alles haben vermissen lassen, was uns auszeichnet".

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Kevin Trapp räumt Makoto Hasebe ab, Sekunden später ist das Spiel beendet.

(Foto: imago images/Contrast)

Und so waren sie in Köpenick zwar enttäuscht über die dritte Pleite in Serie, aber auch überraschend zufrieden. "Wir müssen positiv bleiben, das wird nicht schwer fallen", sagte Anthony Ujah, der kurz vor Schluss noch zum Anschluss traf, und Kapitän Christopher Trimmel will "einfach so weiter arbeiten" und hatte ohnehin "über 90 Minuten ein gutes Gefühl". Echter Frust ist bei Union noch nicht in Sicht, auch wenn längst nicht mehr alles Spektakel und Abenteuer ist. Aber das kann man ja auch als gute Nachricht interpretieren: Die Berliner bekommen immer neue Aufgaben gestellt und arbeiten sich entschlossen daran ab. Das ist nicht immer schön, aber schnell im Alltag anzukommen, erhöht am Ende vielleicht die Chancen auf den Klassenerhalt.

In der letzten Aktion des Spiels, mit der der noch einmal kurz aufglimmende Funke Hoffnung Unions auf einen vermeintlich verdienten Punkt endgültig erlosch, prallten noch zwei Frankfurter hart zusammen: Torwart Kevin Trapp, der beim Abfangen einer Flanke seinen Abwehrchef Makoto Hasebe resolut abgeräumt hatte, musste an der Schulter behandelt werden, der Japaner hatte sogar zwischenzeitlich das Bewusstsein verloren. Nach kurzer Behandlung auf dem Feld standen beide wieder. Vor allem als Symbolfiguren für die Erkenntnis: Bundesliga ist leider manchmal einfach nur Kampf.

Quelle: n-tv.de

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