Fußball

Fußball-Kontinent im Copa-Fieber Selecao und Albiceleste lechzen nach Titel

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Gut gelaunt zur Copa: Messis Lionel.

(Foto: REUTERS)

Gastgeber Brasilien ohne Superstar Neymar, der ewige scheiternde Favorit Argentinien mit Superstar Lionel Messi, Titelverteidiger Chile, Uruguay und auch Kolumbien mit James - alle wollen die Copa América gewinnen. Und WM-Ausrichter Katar darf sich als Gast mit den Großen des Fußballs messen.

"Vibra Continente" - ein vibrierender Kontinent, so heißt der Song zur Copa América. Und tatsächlich fiebern sie nicht nur im Gastgeberland Brasilien dem größten Fußballturnier Südamerikas entgegen. Superstar Lionel Messi sehnt sich nach seinem ersten Triumph mit Argentinien, Champion Chile könnte als erstes Team seit 72 Jahren das Turnier zum dritten Mal in Folge gewinnen. Und auch Kolumbien um den Jetzt-nicht-mehr-Münchener James Rodríguez hat Ambitionen auf den Sieg am Sehnsuchtsort Maracana im Endspiel am 7. Juli.

Wer überträgt?

Die Copa America wird nicht im deutschen Fernsehen zu sehen sein. Aber: Der Streamingdienst DAZN überträgt im Internet, das kostet allerdings Geld. Und falls sich jemand für den Spielplan interessiert: hier entlang.

Für keine Mannschaft aber steht nach zwölf Jahren ohne großen Titel so viel auf dem Spiel wie für die Selecao. "Wir haben nie darüber nachgedacht, Teil einer gescheiterten Generation zu sein. Es ist eine neue Gelegenheit, im Trikot der Nationalmannschaft Geschichte zu schreiben", sagte Außenverteidiger Filipe Luìs. Gastgeber Brasilien eröffnet das Turnier an diesem Freitag in Sao Paulo mit der Partie gegen Außenseiter Bolivien (in der Nacht zum Samstag ab 2.30 Uhr unserer Zeit bei DAZN). Und das Trauma des jüngsten Heimturniers mit dem historischen Halbfinal-Aus beim 1:7 in Belo Horizonte gegen Deutschland bei der Weltmeisterschaft 2014 wirkt noch nach. "Dieser Wettbewerb ist eine große Chance. Zu Hause vor unseren Fans müssen wir gewinnen."

Auch ohne Superstar Neymar - der wie beim 1:7 verletzt zuschauen muss. Neben den zehn Nationalmannschaften aus Südamerika sind als Gäste Asienmeister und WM-Gastgeber Katar und Japan mit dabei. Die Copa América wurde 1916 zum ersten Mal ausgetragen und ist einer der ältesten Fußballwettbewerbe der Welt. Vor genau 100 Jahren war das Turnier zum ersten Mal in Brasilien zu Gast. Der Gastgeber beklagt Ausfälle, die Form aber stimmt. Im letzten Vorbereitungsspiel fertigte die Mannschaft von Trainer Tite Honduras mit 7:0 ab. "Die Fans wollen die Nationalmannschaft gewinnen sehen", sagte Torwarttrainer Claudio Taffarel. "Es geht nicht nur darum, schön zu spielen. Was am Ende zählt, ist der Sieg."

Messi, Firmino, Suarez und Cavani

Sieger der Copa América

1917Uruguay
1919Brasilien
1920Uruguay
1921Argentinien
1922Brasilien
1923Uruguay
1924Uruguay
1925Argentinien
1926Uruguay
1927Argentinien
1929Argentinien
1935Uruguay
1937Argentinien
1939Peru
1941Argentinien
1942Uruguay
1945Argentinien
1946Argentinien
1947Argentinien
1949Brasilien
1953Paraguay
1955Argentinien
1956Uruguay
1957Argentinien
1959Argentinien
1959Uruguay*
1963Bolivien
1967Uruguay
1975Peru
1979Paraguay
1983Uruguay
1987Uruguay
1989Brasilien
1991Argentinien
1993Argentinien
1995Uruguay
1997Brasilien
1999Brasilien
2001Kolumbien
2004Brasilien
2007Brasilien
2011Uruguay
2015Chile
2016Chile

Bis 1993 nahmen nur Teams aus Südamerika teil, seitdem auch Vertreter aus Nord- und Mittelamerika sowie Asien.

* Im Jahr 1959 wurde der Wettbewerb zweimal ausgetragen.

Nicht minder hoch ist die Erwartungshaltung der Argentinier an ihre Nationalmannschaft nach vielen Enttäuschungen. Trotz Messi liegt der bisher letzte internationale Titel der Albiceleste bereits 26 Jahre zurück. "Wir sind uns sehr klar darüber, wie wir spielen wollen", sagte Nationalcoach Lionel Scaloni. "Wir verfügen über großartige Spieler, vor allem im Angriff. Wenn wir auch in der Verteidigung solide stehen, können wir für Probleme sorgen."

Titelverteidiger Chile, der die Copa América zweimal in Folge holte, geht da deutlich entspannter in das Turnier. Zwar sei es eine große Motivation, das Tripel holen zu können, sagte Trainer Reinaldo Rueda. Als Favoriten sehe er die Mannschaft aber nicht. "Chile wird seiner DNA treu bleiben, der Suche nach Ordnung, der Freude am Spiel, der Zusammenarbeit." Zuletzt gelang Argentinien von 1945 bis 1947 der kontinentale Hattrick.

Auch ohne Neymar wird die Copa zum Schaulaufen der Superstars. Liverpols Roberto Firmino und Alisson Becker kommen mit dem Champions-League-Sieg im Rücken heim nach Brasilien, Luis Suarez und Edinson Cavani sind die Traum-Sturmspitze Uruguays und wollen für den Rekordmeister den 16. Titel holen. James Rodríguez konnte bei den Bayern nicht mehr glänzen, könnte aber in der ganz auf ihn ausgerichteten Nationalmannschaft Kolumbiens wieder zur Hochform auflaufen, wie auch bei der WM vor fünf Jahren, als sein Stern als Torschützenkönig mit sechs Treffern aufging. Auch zwei Spieler aus der Bundesliga mischen bei der Copa mit: der Chilene Charles Aranguiz von Bayer 04 Leverkusen und der Uruguayer Marcelo Saracchi von RB Leipzig.

Katar will mehr sein als ein Punktelieferant

Für die Gäste aus Katar bietet die Copa América die bislang größte Bühne seiner nicht allzu üppigen Fußballgeschichte. Erstmals misst sich der WM-Gastgeber mit den ganz Großen der Welt. "Gegen so starke Teams zu spielen, ist für uns eine historische Chance", sagte Stürmer Almoez Ali Abdulla, im Frühjahr Torschützenkönig bei der Asien-Meisterschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Als Außenseiter gewann Katar dort sensationell den Titel und schlug die international renommierten Teams aus Südkorea und Japan. Dem außerhalb Katars bis dahin fast unbekannten spanischen Trainer Félix Sánchez ist es gelungen, eine viel versprechende Mannschaft aufzubauen. Viele Spieler stammen aus der Aspire Academy, Katars nationalem Ausbildungszentrum. Ein Testspiel gegen Brasilien ging zuletzt zwar mit 0:2 verloren. Sánchez nimmt die Copa América aber sehr ernst. Katar will bei dem Turnier mehr sein als ein freundlicher Gast und Punktelieferant. "Wir haben großes Vertrauen in uns als Spieler", sagte Almoez Ali.

Quelle: n-tv.de, Denis Düttmann und Jan Kuhlmann, dpa