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"Geben uns natürlich nicht auf" Tedesco sucht Elan für desolate Schalker

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Da kann sich auch Kapitän Ralf Fährmann nur an den Kopf fassen.

(Foto: dpa)

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Es ist ein Desaster, ein historischer Zusammenbruch: Nie hat ein deutsches Fußballteam in der Champions League höher verloren als der FC Schalke 04 gegen Manchester City. Hilflos ergibt sich das Team, während sich Trainer Tedesco in Durchhalteparolen versucht.

Der Kreis. Was denn mit dem Kreis gewesen sei, wurde Domenico Tedesco nach der höchsten Niederlage einer deutschen Mannschaft in der Champions League gefragt. Normalerweise ruft der Trainer des FC Schalke 04 seine Fußballer nach getaner Arbeit auf dem Rasen zusammen und spricht ein paar Takte. Dieses Ritual war ausgefallen nach dem 0:7 im Achtelfinal-Rückspiel bei Manchester City, doch der Übungsleiter versicherte, dass es dafür keinen tieferen Grund gegeben habe. Er habe seine Profis einfach "schnell drin haben" wollen, im Schutz der Umkleidekabine, wie er sagte. Dort sei der Kreis nachgeholt worden.

Auf dem Feld hatte sich das Team nur kurz bei den Fans bedankt, die in großer Zahl die Reise in den Nordwesten Englands angetreten hatten. Für ein paar Momente standen sich Zuschauer und Mannschaft schweigend gegenüber nach dem historischen Knockout. Auch für den Trainer war das nach eigener Aussage keine angenehme Übung. "Natürlich ist es schwierig, beim Stand von 0:4, 0:5, 0:6, 0:7 dort zu stehen. Aber: Dafür bin ich da", sagte Tedesco. Er wollte sich nicht aus der Verantwortung stehlen am Ende des desaströsen Abends von Manchester. Immerhin das.

Hoffnung klingt im Nachhinein lächerlich

Nach der ordentlichen Leistung beim 2:3 im Hinspiel war der Vizemeister der Bundesliga, der in dieser Saison zum Abstiegskandidaten geworden ist, in der Hoffnung beim amtierenden Premier-League-Champion angetreten, sich mit erhobenem Haupt aus dem internationalen Wettbewerb zu verabschieden - oder vielleicht, ganz vielleicht sogar ein Wunder zu vollbringen und noch ins Viertelfinale einzuziehen. Im Nachhinein klingt das lächerlich.

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Leroy Sané sorgt dafür, dass sein Ex-Klub Spott erntet.

(Foto: imago images / Focus Images)

Rund eine halbe Stunde hielten die Schalker passabel mit. Sie bildeten zwei neongrüne Verteidigungsreihen in der eigenen Hälfte und gestatteten der Mannschaft von Trainer Pep Guardiola wenig. Doch nach dem ersten Gegentreffer durch den Elfmeter von Sergio Agüero in der 35. Minute brach die Mannschaft in einem Ausmaß zusammen, wie man es selten zu sehen bekommt im internationalen Spitzenfußball. Schon zur Pause war die Partie mit 3:0 für die Gastgeber entschieden. Der Endstand ging auch in der Höhe in Ordnung und hätte noch deutlicher ausfallen können. 10:2 lautete nach Hin- und Rückspiel die Gesamtwertung für Manchester City.

Tedesco sprach davon, dass sein Team in einen "Strudel" geraten sei: "Die Spannung lässt nach und der Gegner gibt Gas" - so beschrieb er die Dynamik des Abends. Beinahe konnte man Mitgefühl haben mit den Schalker Verteidigern, die nach dem ersten Gegentreffer vollkommen überfordert waren. Von ihrer Hilflosigkeit profitierte auch der ehemalige Gelsenkirchener Leroy Sané. Er schoss ein Tor selbst und bereitete drei weitere Treffer vor. "He left cause you're shit" (Er hat euch verlassen, weil ihr Scheiße seid), sang das Heimpublikum in Richtung des Schalker Anhangs. Verspottet wurden die Gäste also auch noch.

"Geben uns natürlich nicht auf"

Trotzdem zeigte sich Tedesco kämpferisch. Auf die Frage nach einem möglichen Rücktritt nach dem tiefsten Tiefpunkt der Saison gab er an, "wirklich keine Sekunde" daran gedacht zu haben, "meinerseits irgendwas zu verändern". Er verlieh seiner Zuversicht Ausdruck, dass die Fans am Wochenende in der Bundesliga gegen Leipzig "ein anderes Spiel" zu sehen bekommen würden. "Wir geben uns natürlich nicht auf. Wenn wir nicht an uns glauben, wer dann?", fragte er. Genauer erläutern konnte er nicht, woher er seinen Optimismus nimmt.

Wenn man das Hinspiel gegen Manchester City einrechnet, haben die Schalker fünf Begegnungen nacheinander verloren und im Schnitt mehr als vier Tore pro Partie kassiert, unter anderem gegen Gegner wie Mainz und Düsseldorf. Eine solche Schreckensbilanz darf sich der Trainer eines Vizemeisters normalerweise nicht leisten. Tedesco geht trotzdem davon aus, seine Mannschaft auf die kommenden Aufgaben vorbereiten zu dürfen. Als erstes muss sie sich dafür so schnell wie möglich von dem Debakel in Manchester erholen - nicht nur körperlich, sondern vor allem seelisch. Der Trainer sagte: "Das Spiel muss innerhalb der nächsten 48 Stunden aus den Köpfen sein."

Quelle: n-tv.de

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