Fußball

Er überragt alles beim FC Bayern Thomas Müller, der Fußball-Chaot

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Drin, das Ding!

(Foto: dpa)

In diesen Tagen und Wochen gerät der FC Bayern überraschend häufig in Bedrängnis. Nachhaltig Schaden nimmt die Mannschaft von Trainer Hansi Flick allerdings nicht. Und das vor allem, weil sie einen in allen Teilen überragenden Thomas Müller in ihren Reihen hat.

Nach einem Spiel, in dem Thomas Müller der Welt wieder einmal gezeigt hatte, warum der Fußball des Müllerthomas so einmalig ist, befand er selbst: "Für mich waren heute bei mir auch zu viele Ballverluste dabei, da muss ich öfter auch mal kontrollieren." Kontrolle, ja die fehlte am Samstagabend im Topspiel der Fußball-Bundesliga zwischen dem FC Bayern und RB Leipzig. Aber nicht unbedingt bei Müller. Der war in diesem mitreißenden Chaos nämlich mit zwei Toren maßgeblich dafür verantwortlich, dass seine Münchner die Tabelle weiter anführen und den Angriff der furiosen Leipziger ohne gravierenden Schaden überstanden. 3:3 endete dieser spektakuläre Schlagabtausch zwischen den beiden derzeit wohl besten Teams des Landes.

Und das eine von denen, den FC Bayern, führt dieser Thomas Müller an. Auf beeindruckende Weise. In Abwesenheit des sehr vermissten Joshua Kimmich ist er der alleinige Chef im Mittelfeld. Er treibt das Team an und sich selbst herum. Unablässig sind seine Ansagen zu hören, was ihm in Corona-Zeiten den Beinamen "Radio Müller" eingebracht hat. Unablässig schleicht er durch die Reihen der Gegner, schafft sich mal einfach selbst Räume, findet gelegentlich aber auch die vorhandenen, freien. Was dann immer zu Gefahr führt. Und gegen Leipzig eben auch zu seinen Saisontoren fünf und sechs in der Bundesliga, im erst zehnten Spiel. "Natürlich schießt man nicht in jedem Spiel zwei Tore, gerade in so einem Spiel." So einem Spiel auf erstaunlich ähnlicher Flughöhe beider Teams.

Tatsächlich ist sein letztes Zwei-Tore-Spiel noch gar nicht so lange her. Am 17. Oktober traf er beim 4:1-Erfolg auf der Bielefelder Alm doppelt. Aber gut, damals war der Gegner halt ein überforderter Aufsteiger und kein sehr, sehr ernstzunehmender Herausforderer im Kampf um die deutsche Meisterschaft. Damals konnten die Münchner den Sieg souverän herspielen, nun war's mindestens mal schwerste Arbeit. Denn die aggressiven Leipziger stressten die hart strapazierten und personell weiterhin gerupften Münchner über alle Maßen. "Dass wir zurückkommen können, wussten wir schon vor dem Spiel, und dass wir aktuell leider oft zurückkommen müssen, wissen wir auch nicht erst seit heute. Deswegen können wir am Ende damit leben, müssen damit leben", gestand Müller, auch weil er das große Risiko scheute: "Ich habe mich kurz vor Schluss kurz mit Manu ausgetauscht, ob wir volles Risiko gehen sollen, aber ich denke, es war besser, dass wir nicht übertrieben haben und nicht noch einen Konter zulassen."

"Haben aktuell auch Problemchen"

Es sind in diesen Wochen tatsächlich eher die Comeback-Qualitäten, mit denen der FC Bayern beeindruckt und nicht mehr die so brutale und alles vernichtende Dominanz des ersten Halbjahres 2020. "Wir haben aktuell sicher auch Problemchen, der Kader ist stark belastet, aber damit müssen wir umgehen", befand Müller. "Das Spiel bezeichnet die aktuelle Phase, es gibt immer wieder Rückschläge, die wird es weiterhin geben, wir müssen gucken, dass wir immer einen nachsetzen." Trainer Hansi Flick sehnt derweil endlich die kurze Pause zwischen Weihnachten und dem Jahreswechsel herbei. "Das Pensum seit einem Jahr ist Wahnsinn, was die Mannschaft rein von der Mentalität her macht, ist gut. Dass Müdigkeit da ist, das ist verständlich, aber wir haben noch ein, zwei Wochen, da müssen wir gucken, dass wir die Konstellation in der Tabelle verteidigen." Die lautet, natürlich, Platz eins, zwei Zähler vor Leipzig und vier vor dem BVB.

Müller, der ist in diesen anstrengenden Wochen, die Münchner Garantie gegen nachhaltigen Schaden. Die zweite, neben Manuel Neuer, auch wenn der sich gegen RB beim Herauslaufen einen ungewohnten Aussetzer leistete. In bislang 18 Pflichtspielen hat der 31-Jährige herausragende 18 Scorerpunkte eingesammelt, neun Tore, ebenso viele Vorlagen. Die Comeback-Geschichte, die hinter dieser sportlichen Wiederbelebung steckt, sie ist längst ausufernd erzählt. Von der "Not-am-Mann"-Alternative unter Ex-Trainer Niko Kovac zurück zum unverzichtbaren Anführer unter Hansi Flick. Als freies Radikal zwischen Stürmer Robert Lewandowski, zwischen den Außenspielern Serge Gnabry und Kingsley Coman, der gegen Leipzig ebenfalls großartig spielte und beide Tore von Müller fein vorbereitete, und zwischen dem zentralen Power-Zentrum um Joshua Kimmich und Leon Goretzka.

Diese fußballerische Auferstehung hat ihn auch wieder nah an die Nationalmannschaft herandiskutiert. In einem Team, was mit Hierarchie, Führung und Kommunikation fremdelt, da sei der Müller doch der richtige Mann. Diese Argumentation wird dem kriselnden Bundestrainer Joachim Löw bei nahezu jeder Gelegenheit von nahezu jedem Experten zugesungen. Müller selbst bleibt bei seiner (mittlerweile) sehr zurückhaltenden Linie. Nach dem Spiel gegen Leipzig und nur wenige Tage nachdem der DFB den Coach gestützt hatte, sagte er zur leidigen Rückkehr-Diskussion: "Das ist ein Thema, das ist in der Phase, in der wir uns derzeit befinden, ganz weit weg. Die nächste Maßnahme ist im März. Das Thema wurde durch die Diskussionen beim DFB thematisiert, ganz klar. Ich versuche, in der Mannschaft, in der ich auf dem Platz stehe, zu helfen, dass wir an der Tabellenspitze stehen, in der Champions League weiterkommen, das klappt ganz gut. Ich bleibe dran, den Rest schauen wir mal."

Quelle: ntv.de

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