Fußball

FC Bayern kontert RB's Wu(ch)t Atemraubende Anarchie

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Chef-Anarchist.

(Foto: Pool via REUTERS)

Die Spieler des FC Bayern atmen erleichtert auf, doch selbst Doppel-Torschütze Thomas Müller fehlt nach dem turbulenten Spitzenspiel die Kraft zum Jubeln. Beim vogelwilden Remis gegen RB wehren die Münchner den Angriff der mutigen Leipziger gerade noch so erfolgreich ab.

In diesem erstaunlichen Fußballspiel zwischen offensivem Krawall, zwischen krachendem Kampf und defensiver Anarchie, fühlte sich Thomas Müller allerbestens aufgehoben. Der Offensivspieler, der das Unberechenbare so sonderlich perfektioniert hatte, der freudelte sich durch diesen ständig hin und her wechselnden Kontrollverlust zwischen seinem FC Bayern und RB Leipzig. Eine Führung erschlich der 31-Jährige seinen Münchnern, ehe er seine ganze Wucht in einen Kopfball legte, um die zweite Niederlage dieser Bundesliga-Saison noch zu verhindern. Mit 3:3 (2:2) ging dieses Topspiel des 10. Spieltags zu Ende. Es war ein Topspiel, das den Rest der Liga sehr beeindruckt haben wird. Die pressende Daueraggressivität der Leipziger und die grenzlose Gier der Münchner mündeten in einem phänomenalen Schlagabtausch.

Bayern München - RB Leipzig 3:3 (2:2)

Tore: 0:1 Nkunku (19.), 1:1 Musiala (30.), 2:1 Thomas Müller  (34.), 2:2 Kluivert (36.), 2:3 Forsberg (48.), 3:3 Thomas Müller (75.)
FC Bayern:
Neuer - Pavard, Jerome Boateng (84. Richards), Süle, Alaba - Goretzka, Martinez (25. Musiala) - Leroy Sane (64. Gnabry), Thomas Müller, Coman (83. Douglas Costa) - Lewandowski; Trainer: Flick.
RB Leipzig: Gulacsi - Mukiele (72. Dani Olmo), Konate, Upamecano, Angelino - Adams - Haidara (78. Sörloth), Sabitzer (72. Kampl) - Kluivert (78. Orban), Forsberg (62. Poulsen), Nkunku; Trainer: Nagelsmann.
Schiedsrichter: Daniel Siebert (Berlin)

Es war allerdings auch ein Topspiel, dass nicht nur zum genießenden Staunen taugte. Es war ein Spiel, das überraschend viele Erkenntnisse auf den Rasen brachte. Am wenigsten überraschend dürfte dabei gewesen sein, dass solche enthemmten Duelle jene sind, die Thomas Müller am meisten liebt. Wie er sich vor dem 2:1 (35.) vor seinen Leipziger Bewachern versteckte, plötzlich auftauchte und lässig verwandelte - mehr Thomas Müller in einer Aktion geht nicht. Und wie er sich mit seiner Entschlossenheit zum Endstand freiarbeitete, das war gelebtes Mia san mia. Absolut untrennbar verbunden mit Müllers mächtiger Leistung an diesem Abend war Kingsley Coman. Der Mann, der den FC Bayern gegen Paris St. Germain zum zweiten Triple der Klubgeschichte geschossen hatte, spielt seine wohl bislang beste Saison für die Münchner.

Beide Tore von Müller legte der Franzose auf. Den ersten Treffer bereitete er mit einem perfekten, kurzen Zuspiel hinter die Viererkette der Leipziger vor. Vor dem zweiten Tor flankte er den Ball gefühlvoll genau dorthin, wo sich Müller freigemacht hatte. Dass er auch den zwischenzeitlichen Ausgleich zum 1:1 durch das früh für den verletzten Javi Martinez eingewechselte Ausnahmetalent Jamal Musiala eingeleitet hatte, es krönte seine Leistung nur noch. Im Stammplatz-Duell mit Leroy Sané, der für Serge Gnabry auf der eher ungewohnten rechten Seite spielte, sammelte der immer trickreiche, anspielbare und schnelle Coman reichlich mehr Argumente. Sané, auch das ist eine Erkenntnis, hat bei den Bayern noch nicht die Rolle eingenommen, die ihm als Königstransfer vorbehalten sein sollte, trotz bereits sechs Scorerpunkten in der Bundesliga (drei davon beim 8:0 gegen Schalke).

Auch Neuer ist nicht frei von Fehlern

Doch es gibt auch Dinge aus Sicht der Münchner, die ihnen im ersten Titelkampf-Duell mit den Sachsen nicht gefallen dürften. Wieder einmal schwächelten die Abwehrkräfte. Und dieses Mal schwächelte sogar auch Manuel Neuer, der sein Team zuletzt mehrfach vor Unannehmlichkeiten bewahrt hatte. Bei einem Lattentreffer von Marcel Sabitzer in der bereits zweiten Minute sah er nicht souverän aus, der Ball hatte allerdings auch eine äußerst kuriose Flugkurve. Wäre das Alu nicht im Weg gewesen, der Ball wäre wohl unmittelbar neben der linken Hand des Keepers eingeschlagen. Auf der Gegenseite parierte derweil Peter Gulasci derweil einen ähnlich spektakulären Distanzschuss (in der Kunstform Seitfallzieher) von Benjamin Pavard sensationell gut. Und auch beim ersten Gegentor durch den schnellen Christopher Nkunku (19.) verschätzte sich Neuer beim Herauslaufen, seine Grätsche ging ins Leere, der Ball ins Tor. Machtlos war er dagegen bei den Gegentreffern von Justin Kluivert (36.) und Emil Forsberg (48.). Die waren ebenfalls blitzschnell frei vor Neuer aufgetaucht.

Was zu der Erkenntnis führt, dass die Abwehr der Bayern gegen das schnörkellos und aggressiv erpresste Umschaltspiel der Leipziger bisweilen überfordert war. Es ging schlichtweg zu schnell für die Kette um Benjamin Pavard, Jérôme Boateng, Niklas Süle und David Alaba. Die weniger resistenten Abwehrkräfte als noch in der vergangenen Saison schreiben derweil die Geschichte der vergangenen Wochen fort. Es fehlt, nächste (nicht neue) Erkenntnis, Joshua Kimmich. Die Art, wie er das Spiel gemeinsam mit Leon Goretzka in beide Richtungen des Feldes organisiert, ist nicht kopierbar. Nicht von Corentin Tolisso (eh verletzt), nicht von Javi Martinez (mittlerweile zu langsam) und offenbar auch nicht von Marc Roca. Der Spanier, der als Ersatz für Thiago verpflichtet worden war, wurde gegen Leipzig nicht mal eingewechselt. Statt seiner kam Musiala (und überzeugte), obwohl der 17-Jährige eigentlich eher offensiver agiert.

Zu diesem erstaunlichen Fußballspiel zwischen offensivem Krawall, zwischen krachendem Kampf und defensiver Anarchie, offenbarte Thomas Müller, der sich allerbestens aufgehoben fühlte, übrigens noch eine weitere, eine letzte erstaunliche Erkenntnis: "Dass wir zurückkommen können, wussten wir schon vor dem Spiel, und dass wir aktuell leider oft zurückkommen müssen, wissen wir auch nicht erst seit heute. Deswegen können wir am Ende damit leben, müssen damit leben. Ich habe mich kurz vor Schluss kurz mit Manu ausgetauscht, ob wir volles Risiko gehen sollen, aber ich denke, es war besser, dass wir nicht übertrieben haben und nicht noch einen Konter zulassen."

Quelle: ntv.de

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