Fußball

Schweigen statt Vertragsgespräch Timo Werner lässt RB Leipzig weiter leiden

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Timo Werner traf im ersten Saisonspiel, eine Vertragsverlängerung durfte RB noch nicht bejubeln.

(Foto: imago images / Xinhua)

Timo Werner hat sich noch immer nicht entschieden, ob er RB Leipzig nach Ablauf seines Vertrages verlassen wird oder doch noch verlängert. Entgegen der Forderung des Fußball-Bundesligisten ist eine zeitnahe Lösung nicht abzusehen. Die Fans beginnen langsam zu meutern.

Timo Werner saß bekleidet mit einem grauen Parka samt Pelzkragen im Triebwagen einer Straßenbahn und posierte für die Fotografen. Das Wetter war nasskalt, ein dunstiger Freitagabend im Leipziger Straßenbahnhof Angerbrücke – gleich neben dem Trainingsgelände von RB Leipzig gelegen – Mitte Dezember. Die Einweihung einer Tram im RB-Design war der letzte öffentliche Auftritt, bei dem sich Timo Werner persönlich gegenüber den Leipziger Journalisten äußerte.

Natürlich ging es bereits damals auch um das seither dauerpräsente Thema, ob Werner seinen Vertrag in Leipzig verlängert oder nicht. Er habe sich weder mit dem Leipziger Angebot beschäftigt, noch mit anderen Offerten, sagte der Nationalstürmer damals ausweichend. Kein Ja, kein Nein – vielleicht. Wenige Tage später flirtete er vor einem Millionenpublikum beim TV-Interview direkt nach dem Spiel mit dem FC Bayern München. Und seither schweigt Werner – auf Wunsch des Vereins ebenso wie auf eigenen.

Werner hat es nicht eilig, der Verein schon

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Julian Nagelsmann (l.) und Markus Krösche geben sich in der Personalie öffentlich gelassen.

(Foto: imago images / Picture Point LE)

Acht Monate ist das jetzt her. Und im Prinzip hat sich seither nichts geändert. Mal davon abgesehen, dass Bayern München den schnellen Stürmer zumindest in dieser Transferperiode nicht verpflichten wird, wie ihm am vergangenen Freitag mitgeteilt wurde. Nach Informationen von n-tv.de ist weiter unklar, ob der Turbo-Stürmer ohne neuen Kontrakt sein letztes Vertragsjahr bei RB absolviert, um dann ablösefrei wechseln zu können; oder ob er nicht doch noch in Leipzig verlängert. Entschieden hat sich der 23-Jährige demnach nach wie vor nicht. Und es sieht derzeit auch nicht danach aus, als habe er es besonders eilig mit dieser Entscheidung. Werner wolle sich nun erst einmal auf den Bundesligastart und das erste Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt (So., 15.30 Uhr im Liveticker auf n-tv.de) konzentrieren, heißt es.

Am Wahrscheinlichsten ist nach wie vor, dass er seinen auslaufenden Vertrag bis zum Sommer 2020 erfüllt und sich dann nach der Europameisterschaft das passendste Angebot heraussuchen kann. Doch wie n-tv.de erfuhr, ist es auch nicht auszuschließen, dass die seit Monaten ruhenden Vertragsgespräche wieder aufgenommen werden. Doch ob und wann das geschehen wird, ist völlig offen. Das Angebot von RB liegt seit Dezember 2018 auf dem Tisch und hat sich seither auch nicht verändert.

Seitdem dringt der Champions-League-Teilnehmer auf eine Entscheidung. Mal mehr, mal weniger polterig. Ralf Rangnick hatte Werner Ende Februar noch durch die Blume mit der Tribüne gedroht, was beim Stürmer gar nicht gut ankam. Aktuell rollt RB dem Torgaranten den Roten Teppich aus. Die Klubbosse sind sich mittlerweile der Tatsache bewusst, dass sie nicht in der Verhandlungsposition sind, immer neue Ultimaten zu stellen.

"Es ist allein Timos Entscheidung"

Nach dem 4:0-Auftaktsieg in der Bundesliga bei Union Berlin sagte Leipzigs neuer, betont sachlicher Sportdirektor Markus Krösche: "Wir haben ihm alle Wertschätzung entgegengebracht, die man als Verein geben kann, wollen unbedingt mit ihm verlängern", so der Ex-Paderborner. "Es ist aber allein Timos Entscheidung." Gleichwohl kündigte Krösche einmal mehr an, in den nächsten Tagen eine endgültige Entscheidung herbeiführen zu wollen. "Wir wollen jetzt eine Entscheidung und die Seite von Timo hat ebenfalls angedeutet, dass sie das will."

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Im Spiel kurz zuvor hatte Trainer Julian Nagelsmann Werner zuvor überraschend früh ausgewechselt (65.) und das damit begründet, seinen Star nicht gleich überlasten zu wollen. Wer den ehrgeizigen Werner ein wenig kennt, weiß, dass ihn die Auswechslung gewurmt haben muss. "Er ist mein Spieler, und ich freue mich sehr, dass ich die Möglichkeit habe, ihn aufzustellen", sagte Nagelsmann später nur.

Bei Union hatte Leipzigs bester Bundesliga-Torschütze (51 Treffer) endlich mal wieder das gezeigt, was er am Besten kann: Mit Tempo und Wucht in den Strafraum dringen und abziehen. Sein Vollspannschuss schlug kurz vor der Pause unhaltbar zum 3:0 (42.) im Tor der Gastgeber ein. Sonst zog Werner Spieler auf sich, ließ sich auf den linken Flügel fallen und forderte gestikulierend Bälle und versuchte, sich ins Spiel einzubringen. Das gelang jedoch mäßig, oft suchten die Kollegen im Spielaufbau andere Akteure. Doch dass der Wettkampftyp Werner zum Bundesligastart deutlich besser drauf ist als in der Vorbereitung und im Pokal, war zu sehen. Krösche attestierte dem Angreifer, "dass er uns unheimlich helfen kann, unsere Ziele zu erreichen".

So wartet RB Leipzig weiter auf einen Sinneswandel von Werner oder zumindest auf eine Absage, damit der Klub für die kommende Saison mit einem neuen Goalgetter verhandeln kann. Während Mitspieler Amadou Haidara Werner per Instagram-Post zum Bleiben animieren will, murren viele Fans in den sozialen Netzwerken. "Es nervt nur noch. Dazu seine seit Monaten andauernde Formschwäche. Bin gespannt, ob es demnächst auch im eigenen Stadion ungemütlicher für ihn wird", twittert ein RB-Fan. Werner habe "alle Kredite verspielt". Und ein anderer schreibt: "Müssen wir Fans das gut heißen, dass er nur an sein Wohl und nicht an das des Vereins denkt, welcher ihn besser gemacht hat? Von mir aus soll er weg, dieses Theater seit ’nem halben Jahr. Hab’ schon gar keinen Bock mehr, seinen Namen bei der Aufstellung zu rufen."

Quelle: n-tv.de

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