Fußball

"90 Minuten lang keine Leistung" Tuchel ätzt nach Blamage gegen sein Team

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Thomas Tuchel (oben rechts) darf aufgrund einer Sperre nur auf der Tribüne sitzen.

(Foto: imago images / PanoramiC)

Paris Saint-Germain vergibt den nächsten Matchball. Statt die französische Meisterschaft endgültig klarzumachen, bleibt der designierte Meister zum dritten Mal in Folge ohne Sieg. Trainer Thomas Tuchel mag seine Fußballer nach der Pleite in Nantes nicht mehr verteidigen.

Es ist eine ungewöhnliche Serie: Paris Saint-Germain und Trainer Thomas Tuchel vergeben auch die dritte Chance auf den vorzeitigen Gewinn der Meisterschaft in der französischen Ligue 1. Neun verletzte Stammspieler - darunter Neymar, Angel Di Maria und Edinson Cavani - kann auch der Elite-Klub nicht verkraften. Beim 2:3 (1:2) im Nachholspiel beim FC Nantes blieben die Hauptstädter bereits zum dritten Mal in Serie ohne Sieg. Tuchel, der wegen eines Feldverweises in der Partie gegen Straßburg noch eine Sperre absitzen musste und deswegen nur auf der Tribüne Platz nehmen konnte, war ob der Leistung seiner Fußballer entsprechend sauer: "Wir haben sehr schlecht gespielt, wir können glücklich sein, nicht 1:4 verloren zu haben. Die Niederlage war verdient", schimpfte der Coach.

Allerdings: Sein Team war beim Tabellen-15. bloß eine bessere B-Elf. Neben den vielen Verletzten fehlte auch Kylian Mbappé. Offiziell, weil er für das anstehende Pokalfinale geschont werden sollte, gemunkelt wird allerdings über einen Streit mit Tuchel. Zum Fehlen des Stürmers wollte der Coach keine Auskunft geben: "Es ist meine Entscheidung, es ist mein Management. Keine Erklärung." Mit Thilo Kehrer, Julian Draxler und Eric Maxim Choupo-Moting durften indes gleich drei Ex-Bundesligaspieler von Beginn an ran, doch spätestens auf der Bank offenbarte sich Tuchels Problem: Mit Isaac Hemans Arday und Eric Junior Dina Ebimbe saßen dort zwei Nachwuchsspieler, die noch keine Partie in der Ligue 1 absolviert haben.

Tuchel will Spieler nicht verteidigen

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Thilo Kehrer stellt sich nach dem Spiel der Kritik der Fans.

(Foto: imago images / PanoramiC)

Ein Traumtor von Dani Alves aus 28 Metern hatte PSG in Nantes in Führung gebracht, doch zwei Treffer von Diego Carlos (22./52.) und ein Tor von Majeed Waris brachten Paris auf die Verliererstraße. Dem eingewechselten Metehan Guclu gelang bei seinem Debüt im PSG-Trikot in der 89. Minute nur noch der Anschlusstreffer. Unter den Pariser Fans wurde in den sozialen Netzwerken Kehrer als Verantwortlicher der Niederlage ausgemacht. Vor dem 1:2 hatte er an der Torauslinie den Ball gegen Kalifa Coulibaly vertändelt, Waris musste den Ball nur noch über die Torlinie drücken (44.).

Doch nicht ein einzelner Spieler war Ziel der harten Kritik von Tuchel. "Heute gab es 90 Minuten lang keine Leistung. Wir können verlieren, wir können Fehler machen, und ich werde die Spieler immer verteidigen, wenn wir das Gefühl haben, dass sie mit einer großen Mentalität spielen. Heute ist das nicht möglich", resümierte er und verwies auf die vielen Youngster, die er gezwungen war aufzubieten. "Ich weiß nicht, ob sie am Sonntag gegen Monaco wieder auflaufen."

Schon nach der 1:5-Klatsche in Lille hatte Tuchel seinem Ärger über seinen quantitativ zu dünnen Kader Luft gemacht. Dennoch mahnte der Coach angesichts der Mini-Krise in der Liga zur Ruhe. "Es ist eine große Herausforderung. Wir werden ruhig bleiben. Das Team muss akzeptieren, dass es eine schlechte Leistung war", sagte er. Doch der insgesamt achte Titel ist für PSG weiterhin nur eine Frage der Zeit. Am Sonntag hat Paris gegen den AS Monaco die nächste Chance zum Titelgewinn. Vielleicht benötigt der Klub dazu gar keine eigenen Zähler. Falls das zweitplatzierte Team vom OSC Lille zuvor in Toulouse Punkte lässt, wäre PSG Meister. Sechs Spieltage vor dem Saisonende führt Paris mit 17 Punkten Vorsprung die Tabelle an.

Quelle: n-tv.de, ara/dpa

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