Fußball

Nations League in Europa Uefa-Pläne empören Bundesligaklubs

imago28922629h.jpg

Die deutsche Nationalelf feiert den Gewinn des Confed Cups 2017. Vielleicht war es die letzte Austragung des Turniers.

(Foto: imago/Russian Look)

Neben Fußball-EM und -WM soll es künftig einen weiteren Wettbewerb geben: Die Nations League. Der neue Modus ersetzt Freundschaftsspiele und wird als neuer Confed Cup gehandelt. Von der Idee einer weiteren Belastung sind längst nicht alle begeistert.

Erst Europa-Schlager gegen Italien oder England - und dann eine Mini-WM mit Brasilien oder Argentinien? Wenn Joachim Löw kommende Woche die deutschen Gegner für die Premiere der Nations League erfährt, ist dies erst Auftakt für eine mögliche Länderspiel-Revolution. Aus dem neuen Wettbewerb für europäische Nationalteams soll nach Wunsch der Europäischen Fußball-Union Uefa eine Mini-WM entstehen. Zuvor dürfte der Modus der Nationenliga aber spätestens bei der Auslosung am Mittwoch in Lausanne bei Fans für reichlich Fragezeichen sorgen: Wie läuft der Weg zum Titel? Welche Auswirkungen gibt es für die EM? Gibt es jetzt gar keine Freundschaftsspiele mehr? Und - was soll das Ganze eigentlich?

imago25427283h.jpg

Michel Platini hat sich zu Amtszeiten für eine Nations-League stark gemacht.

(Foto: imago/ANE Edition)

Der Beginn: Die Nations League war neben der europaweiten EM 2020 mit 13 Gastgeberländern ein Lieblingsprojekt des inzwischen aus dem Fußball entfernten Michel Platini. "Die Freundschaftsspiele interessieren niemanden wirklich mehr, weder die Zuschauer noch die Journalisten oder Spieler", formulierte der damalige Uefa-Präsident im März 2014. Ein Trend, der sich verschärft hat. Das Spiel Deutschlands gegen Frankreich vor zwei Monaten wollten in Köln gerade einmal noch 36.948 Besucher sehen. Das Uefa-Rezept gegen die Test-Tristesse: Mehr Pflichtspiele, die zu einem neuen Titel führen.

Der Modus: Keine zwei Monate nach dem WM-Finale von Moskau geht es los. Die 55 Uefa-Mitglieder wurden entsprechend ihrer Ranglistenposition in vier Ligen eingeteilt. In Liga A spielen die besten Teams, darunter auch Deutschland. Jede Liga ist in vier Gruppen gesplittet. Mögliche Gegner für das Löw-Team sind Frankreich, England, Schweiz und Italien sowie Polen, Island, Kroatien und die Niederlande. Die vier Gruppensieger der Liga A spielen im Juni 2019 den Nations-League-Titel aus. Die Gruppensieger der übrigen Ligen küren ebenfalls noch ihren Besten und steigen auf, die schlechtesten Teams steigen ab.

Die EM: Der neue Wettbewerb hat Auswirkungen auf die EM 2020. Die Qualifikation beginnt nicht wie bislang kurz nach der WM, sondern erst im März 2019. Zudem ergibt sich das Ranking für die Auslosung der EM-Qualifikation aus der Platzierung in der Nations League. Noch wichtiger: Die Sieger der vier Ligen erhalten einen Platz bei der EM in zwei Jahren. Dies könnte die Prozedur aber für den Zuschauer zum undurchsichtigem Mysterium machen. Sollte ein Ligasieger sein Ticket bereits direkt über die normale EM-Qualifikation gebucht haben, würde das nächstbeste, nicht-qualifizierte Team nachrücken. Sollten alle Teams aus einer Liga bei der EM dabei sein, geht der Platz in die Liga darunter.

Skurriles: Bei bestimmten Konstellationen könnte es durch die Nations League sogar zu einer zweiten Auslosung für die EM nach der ersten Ziehung im Dezember 2019 kommen. Wenn beispielsweise zwei Teams, die EM-Gruppenspiele ausrichten, in den Quali-Playoffs aufeinander treffen, könnte es zu Komplikationen kommen, bestätigte die Uefa auf Anfrage. Passendes Datum für die Nach-Auslosung: 1. April 2020.

Die Zukunft: Die Uefa will die Nations League auf die ganze Welt ausweiten. Beim Treffen des Fifa-Councils soll nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur eine Global Nations League verhandelt werden. Das Modell nach europäischem Wunsch: Neben drei Teams, die sich aus Europa qualifizieren, sollen sich auch die Gewinner der anderen fünf Konföderationen im November alle zwei Jahre messen. Da dieses System dem Confed Cup ähnelt, soll es diesen dann nicht mehr geben.

Die Kritiker: "Ich sehe die inflationäre Entwicklung von Wettbewerben der Nationalmannschaften grundsätzlich kritisch", sagte Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef des FC Bayern. Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc stimmt zu: "Ich empfinde das als ein weiteres Drehen an der Schraube, wo man zu dem Punkt kommt, ob es nicht doch zu viel wird. Ob die Belastung zu viel wird, ob es am Ende des Tages nicht eine Überfrachtung an Wettbewerben gibt."

Das Ausland: Die kleinen Nationen freuen sich über die Nations League, der Uefa-Beschluss fiel einstimmig. Doch vor allem die Engländer kritisieren den Modus. "Das ist weniger ein Sportwettbewerb als ein beklopptes Abenteuer. Ein Versuch, etwas Leben in ein tot geweihtes Produkt einzuhauchen, in dem die künstliche Dramaturgie einer Fernsehshow übernommen wird", schrieb der "Independent". "Und diese schaut übrigens niemand mehr."

Quelle: n-tv.de, Florian Lütticke und Arne Richter, dpa

Mehr zum Thema