Fußball

Aufgewärmte Fußball-Revolution Uefa will Spielkalender ändern

In der Diskussion um eine Winter-WM 2022 wollen Fifa und Uefa offenbar Fakten schaffen - mit einer Reform des Spielkalenders, die 1998 schon einmal abgelehnt wurde. Sie sieht unter anderem vor, die Vereine künftig von Februar bis November spielen zu lassen. Widerspruch ist programmiert.

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Michel Platini ist ein Verfechter einer Winter-WM in Katar. Deshalb hat er einen bereits verworfenen Plan noch einmal abgestaubt.

(Foto: dpa)

Der Weltfußball steht möglicherweise vor einer gravierenden Umstellung des Spielkalenders. Fifa-Boss Joseph Blatter und Uefa-Präsident Michel Platini planen eine Umstellung des internationalen Spielplans mit weitreichenden Folgen für Vereine und Nationalmannschaften, die terminlich künftig strikt voneinander getrennt spielen sollen. Das berichtete die "Sport Bild" und bezieht sich dabei auf ein von Platini entworfenes Modell.

Demnach soll im Klub-Fußball nicht mehr von August bis Mai, sondern von Februar bis November durchgespielt werden. Welt- und Europameisterschaften würden gleich zu Beginn des Jahres im Februar/März statt wie bisher im Sommer ausgetragen. Die sieben Monate danach sollen komplett für den Vereinsfußball reserviert sein. Der deutsche Meister zum Beispiel würde nicht mehr im Mai, sondern im Oktober gekürt werden.

Ab November sind wieder die Nationalmannschaften an der Reihe, die dann sechs Wochen lang Qualifikationsbegegnungen oder Testspiele bestreiten könnten. Ihren vierwöchigen Urlaub erhalten die Spieler Ende Dezember und Anfang Januar. Danach beginnt eine einmonatige Vorbereitung der Nationalteams auf das nächste Turnier.

Revolution mit Staubfilm

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Joseph Blatter und seiner Fifa hat die WM-Vergabe an Katar viel Ärger eingebracht.

(Foto: dpa)

Das Modell, das dem Europäischen Klub-Verband ECA mit dem Vorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge bis März offiziell vorgestellt werden soll, beruht auf einem Vorschlag von Platini aus dem Jahr 1998. Damals sei es "am Widerstand der Spanier und Italiener gescheitert, die wegen der Hitze nicht im Sommer spielen wollten", sagte Platini. Vor dem Hintergrund einer möglichen Winter-WM 2022 in Katar nehmen Platini und Blatter aber offensichtlich einen neuen Anlauf. Vorgestellt werden soll der revolutionäre Plan erst im Sommer. Die endgültige Entscheidung über eine Spielkalender-Reform würde das 24-köpfige Exekutivkomitee der Fifa treffen. Sollte es dafür stimmen, würde der Plan frühestens im Jahr 2015 umgesetzt.

In Deutschland hatte die von Bayer Leverkusens Sportchef Rudi Völler angeregte Reform, die Bundesliga von Februar bis November spielen zu lassen, bereits zu hitzigen Diskussionen geführt. Kritiker befürchten Einnahmeverluste für die Vereine, da die Fans in den Urlaub fahren und weniger Fußball im Fernsehen schauen würden. Zudem wäre Public Viewing bei Schneematsch und Minusgraden wenig verlockend. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) muss sich jedoch bei der Erstellung ihres Spielplans an die Termine des Weltverbandes Fifa und der Europäischen Fußball-Union Uefa halten. Begeistert von einer Verschiebung wäre DFL-Boss Reinhard Rauball aber keinesfalls, wie er mit seiner Fundamentalkritik an WM-Vergabe nach Katar unlängst deutlich machte.

Katar und IOC verstimmt

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Mohamed Bin Hammam steht nicht mehr bedingungslos an Blatters Seite.

(Foto: REUTERS)

Zudem, und das könnte ein Knackpunkt sein, muss eine Verschiebung der WM vom Sommer in den Winter von Ausrichter Katar bei der Fifa beantragt werden. Dass es dazu kommt, ist noch ungewiss und hängt vom Verlauf der Fifa-internen Machtkämpfe ab. Der katarische Fifa-Vizepräsident Mohamed Bin-Hammam ging jüngst auf Konfrontationskurs zu Blatter und verkündete, Katar denke gar nicht an eine Verschiebung: "Wir haben kein Interesse, auch nur eine Woche von Juni oder Juli abzuweichen." Zuletzt hatte sich Bin-Hammam bereits sehr verstimmt über Platinis Vorschlag gezeigt, die Weltmeisterschaft auf die Golfregion auszuweiten und andere Staaten als Co-Gastgeber einzubeziehen.

Widerstand gegen die Fifa regt sich trotz der Aussprache von Blatter mit Jacques Rogge auch im Internationalen Olympischen Komitee, das durch Winter-Weltmeisterschaften einen Konflikt mit seinen Winterspielen befürchtet. Zuletzt hat das norwegische IOC-Mitglied Gerhard Heiberg einer möglichen Winter-WM 2022 in Katar eine klare Absage erteilt. Dem norwegischen Rundfunk NRK sagte er: "Nein, wir sind nicht allzu glücklich damit. Wir müssen im Februar Olympische Spiele veranstalten, die können wir nicht einfach so verschieben. Wenn sich die Fifa jetzt zu einer Verschiebung in den Winter entschließen sollte, müssen sie sich von unseren Daten fernhalten.  Sollte das nicht geschehen, wäre das schlecht für beide, daran gibt es keinen Zweifel."

Zuvor hatte Gianfranco Kasper, Präsident des Internationalen Skiverbandes (FIS) und ebenfalls IOC-Mitglied, die Gedankenspiele  des Fußball-Weltverbandes Fifa kritisiert. Heiberg fürchtet, dass  eine Verlegung der WM in den Winter das Interesse möglicher Bewerber für die Spiele 2022 und die TV-Erlöse mindern könnte.

Quelle: n-tv.de, cwo/sid

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