Fußball

"Völlig überzogene Reaktionen" Urheber der Anti-Hopp-Banner äußern sich

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"Red Fanatic" ist für die Anti-Hopp-Plakate auf Bayern-Seite mitverantwortlich.

(Foto: imago images/Plusphoto)

Die beleidigenden Banner gegen TSG-Mäzen Dietmar Hopp von Bayern-Fans führen fast zu einem Spielabbruch. Warum die Gruppierungen sich zu diesen Schmähungen genötigt gefühlt haben, erklären sie nun - und auch, warum sich ihr Zorn zudem gegen den eigenen Klub richtet.

Die Fangruppen "Schickeria" und "Red Fanatic" sind die Urheber der beleidigenden Banner in der Kurve von Bayern München im Bundesliga-Spiel bei der TSG Hoffenheim (6:0) am vergangenen Samstag. Das berichtete die "Süddeutsche Zeitung" (SZ). "Red Fanatic" hat seine Autorenschaft auf seiner Website bestätigt.

Der gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp gerichtete Wortlaut ihrer Spruchbänder sei nur deshalb gewählt worden, weil Dortmunder Ultras für eben diesen bestraft worden seien, sagte ein Schickeria-Mitglied der "SZ". Außerdem übte es Kritik am Deutschen Fußball-Bund (DFB). Führe man mit dem DFB sachliche Diskussionen, dann "verhungert man am ausgestreckten Arm".

Trainingslager in Katar absetzen?

Ähnlich äußerte sich "Red Fanatic": "Die fragwürdigen Ereignisse der letzten Tage - mit der drastischen Kollektivstrafe für die folgenden beiden Partien gegen die Dortmunder Fans in Sinsheim - verdeutlichen weiter vor allem die Ambivalenz des Deutschen Fußball-Bundes." Man müsse die Wortwahl, die eindeutig auf ein ähnliches, sanktioniertes Dortmunder Spruchband Bezug nahm, "nicht teilen", hieß es in einer Stellungnahme. Und weiter: "Dass der DFB sich von einem Mäzen beeinflussen lässt und seine Versprechungen, auf Kollektivstrafen zu verzichten, bricht, überrascht nur wenig. Dies ist nur noch einmal mehr Ausdruck der verschwindend geringen Wertschätzung selbst getätigter Versprechen von Verbandsseite."

Die Gruppierung sei "vor allem von den undifferenzierten und völlig überzogenen Reaktionen auf allen Ebenen entsetzt". Es sei "schlichtweg schwachsinnig", eine bloße Beleidigung "mit rassistisch motivierten Taten zu vergleichen". Gleichzeitig stellte sich "Red Fanatic" auch gegen den Klub. "Fehlende klare Bekenntnisse oder aktives Engagement gegen Antisemitismus, Homophobie und Rassismus stehen demgegenüber aber allzu selten auf der Agenda", schrieb die Gruppierung in ihrem Statement. "Statt leerer Worte sollten auch Taten folgen. Eine Absetzung des jährlichen Trainingslagers in einem homophoben und menschenverachtenden Land wie Katar wäre ohne Frage ein Anfang des FC Bayern."

"Das ist einfach Dummheit"

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Gegen TSG-Mäzen Dietmar Hopp richtet sich die harsche Kritik.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Der "Club Nummer 12", der sich als Dachorganisation der aktiven Münchner Fanszene versteht, hatte sich von den Spruchbändern distanziert. Die drei Bänder, die zur ersten Spiel-Unterbrechung geführte hatten, stammten laut "SZ" von der "Schickeria", die zweite Aktion ging von "Red Fanatic" aus.

Der Klub kündigte für beteiligte Fans harte Konsequenzen an. Schon auf der Pressekonferenz nach dem Spiel hatte Trainer Hansi Flick über die Diskussionen mit den Fans gesagt: "Man hat das Gefühl gehabt, sie haben die zwei Dinge durchziehen wollen. Es ging wohl um Aufmerksamkeit und Solidarität mit den anderen - aber das hat nichts mit Solidarität zu tun, das ist einfach Dummheit." Der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, Karl-Heinz Rummenigge, sagte nach dem Spiel: "Ich würde dringend empfehlen, dass wir uns alle in der Bundesliga abstimmen und dagegen vorgehen." Und weiter: "Manche haben dann Sorge um ihre Stimmung. Aber da sage ich: Scheiß Stimmung, da hab' ich lieber Langeweile im Stadion."

Der Sportrechtler Ingo Bott sagte derweil dem "Kicker", dass sich die Klubs als Inhaber des Hausrechts mehr damit auseinandersetzen sollten, "was sie tun können, um Beleidigungen, Volksverhetzung und Hasskriminalität vorzubeugen". Er erklärte weiter: "In Zeiten, in denen sich Meinungen radikalisieren, muss klar sein: Was ist noch Meinungsfreiheit, was schon Straftat?"  Ein Verbot von Stehplätzen im Kampf gegen radikale Fangruppen lehnt der Düsseldorfer Anwalt ab. Dies sei "faktisch reiner Blödsinn, weil sich die Leute auch so zusammenstellen können", sagte Bott.

Quelle: ntv.de, ara/sid/dpa