Fußball

Eklat wegen Feminismus-Protest Vatikan pfeift Frauen-Team bei Debüt zurück

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Auch am Spielfeldrand gab es Proteste gegen die Einstellungen der Katholischen Kirche.

(Foto: imago images / Eibner Europa)

Es soll das erste internationale Fußballspiel des neuen Vatikan-Frauenteams werden. Doch während in Wien die Hymne des Kirchenstaats läuft, protestieren Spielerinnen des Gegners FC Mariahilf gegen die Haltung der Kirche zu Abtreibung und Homosexualität. Der Vatikan bricht die Partie kurzerhand ab.

Fast 30 Jahre nach seiner Fußball-Männermannschaft gründet der Vatikan Anfang 2019 auch ein Frauenteam, das am Samstag in Wien sein internationales Debüt feiern sollte. Dazu kam es aber nicht. Weil vor Beginn des Freundschaftsspiels gegen den in Wien ansässigen Verein FC Mariahilf mehrere österreichische Spielerinnen gegen die Haltung der Kirche zur Abtreibung protestierten, wurde die Partie gar nicht erst angepfiffen.

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Während des Abspielens der Hymnen hatten drei Mariahilf-Spielerinnen ihre Trikots angehoben und Botschaften auf Bauch und Rücken enthüllt. "Mein Körper, meine Regeln", war beispielsweise zu lesen. Auf den Bäuchen war ein Uterus aufgemalt. Daraufhin verfügte die sportliche Führung des Vatikan-Teams, dass ihre Spielerinnen nicht antreten durften und beorderte das Team umgehend zurück in die Kabine.

"Das Spiel wurde abgebrochen, weil wir wegen des Sports hier sind und nicht wegen politischer oder anderer Botschaften", sagte Danilo Zennaro, Vertreter des vatikanischen Sportverbandes, im österreichischen Sender ORF. Am Rande des Spielfelds kam es nach dem Spielabbruch zu homophoben Aussagen. "Wir distanzieren uns von diesen Aussagen und möchten uns bei den betroffenen Personen entschuldige", teilte der FC Mariahilf mit.

Die Spielerinnen des FC Mariahilf reagierten der österreichischen Tageszeitung "Kurier" zufolge mit Unverständnis auf den Abbruch, der offenbar über das Vatikan-Team hinweg entschieden wurde. "Die Spielerinnen wollten gegen uns spielen. Doch es wurde hier über ihre Köpfe hinweg entschieden", wird Torhüterin Anna Ressmann zitiert, die ihren drei Mitspielerinnen keinen Vorwurf wegen des Abbruchs machen wollte: "Wenn so ein leiser Protest zum Abbruch aller Beziehungen führt, dann ist das auch ein Statement. Aber kein Statement von uns."

Auflösung des Vatikan-Teams stand im Raum

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Das Spiel gegen den Vatikan war zur Feier des 20-jährigen Bestehens des FC Mariahilf angesetzt worden. Vor dem geplanten Spiel wurde in Wien eine Feldmesse mit gut 500 Zuschauern gefeiert. Der Verein selbst schreibt bei Facebook: "Trotz ambivalenter Haltungen innerhalb des Vereins zum Vatikan, haben wir uns für das Match ausgesprochen, weil Fußball keine Grenzen kennt."

Man stehe der Gründung eines Frauenteams im Vatikan positiv gegenüber, da es ein Zeichen für die Gleichstellung sei - wenn auch nur ein kleines. Die Aktion der drei Spielerinnen sei selbständig organisiert gewesen. Sie hätten damit "auf die Einstellung der Kirche zum Thema reproduktive Selbstbestimmung und LGBTIQ-Rechte hinweisen" wollen. Der Protest sei verständlich, aber zu einem "unpassenden" Zeitpunkt erfolgt. Der Verein entschuldigte sich beim Team des Vatikans, aber stellte auch klar: "Wir sehen uns als FC Mariahilf Familie: Bei uns sind alle willkommen, die gerne Fußball spielen. Weder Alter, Geschlecht, sexuelle Orientierung, religiöses Bekenntnis, Hautfarbe noch sonstige Merkmale sind bei uns ausschlaggebend, ob jemand zu unserem Verein dazugehört. Uns alle verbindet der Fußball."

Vatikan-Mann Zennaro verteidigte die Entscheidung zum Nichtantreten als alternativlos - im Sinne seines Frauenteams, für das er mit großem Einsatz 25 Spielerinnen hatte gewinnen können. Der "Kurier" zitiert Zennaro mit den Worten: "Wären wir angetreten und wären anschließend die Fotos der drei Spielerinnen in den sozialen Medien aufgetaucht, müssten wir damit rechnen, dass unser Frauen-Team aufgelöst wird."

Quelle: n-tv.de, cwo/dbe/AFP