Fußball

Fünffacher Abstieg des TSV 1860 Verein verkauft - die Fans vergessen sich

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Stangen und Sitzschalen flogen aus dem Münchner Block, die Polizei marschierte auf.

imago/MIS

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Als der Münchner Abstieg bevorsteht, wenden sich die Fans des TSV 1860 gegen die eigene Mannschaft. Verantwortlich ist auch Investor Hasan Ismaik, der wohl schlicht zu wenig Ahnung und ein extremes Kommunikationsproblem hat.

"Wir haben seit Sommer 2016 viele Millionen in die Mannschaft gesteckt und neben Stuttgart sowie Hannover den teuersten Kader. Und was kam dabei heraus? Die Relegation!" So beschwerte sich Investor Hasan Ismaik über das Ergebnis seines finanziellen Engagements bei TSV 1860 München und kündigte einen personellen Kahlschlag an - am Tag vor dem Rückspiel, das nun über das Schicksal des Klubs entschieden hat. Einen dümmeren Zeitpunkt kann es kaum geben. Der Abstieg in die Dritte Liga ist das Ergebnis, die Löwen verloren zuhause 0:2 (0:2) gegen Jahn Regensburg, und das völlig verdient.

Ismaik wollte hoch hinaus, und mit ihm Vitor Pereira ab der Winterpause. "We go to the top" - dieses Zitat des portugiesischen Trainers könnte weiter gelten, aber ohne ihn und eben eine Spielklasse tiefer, wenn es bald gegen Konkurrenten wie FSV Zwickau, SG-Sonnenhof-Großaspach und die zweite Mannschaft von Werder Bremen geht. Es ist auch das Ergebnis eines permanenten Machtkampfs zwischen Ismaik und den Gremien des Vereins, seit der milliardenschwere Jordanier vor genau sechs Jahren einstieg und die Münchner vor der Insolvenz rettete.

"Wir sind Löwen und ihr nicht", rief der Heimblock, als das Sportliche schon fast entschieden war. Häufig schon sind diese Worte bei Misserfolg der eigenen Mannschaft durch deutsche Stadien gehallt, aber selten waren sie so nah an der Wahrheit wie an diesem frühen Abend in der Münchner Arena. Sie dürften nicht nur der Mannschaft gegolten haben, sondern auch denen, die sie zusammengestellt haben. Für Ismaik ist 1860 wie ein Spielzeug, er gilt nicht gerade als Fußballexperte. Gefühlt will er überall mitreden und tendiert zu Kurzschlussentscheidungen; trägt Machtkämpfe gerne öffentlich aus, beschimpft die eigenen Funktionäre und Angestellten und sperrt bei unliebsamer Berichterstattung die Presse aus. Jemand mit ausreichendem Sachverstand verhält sich nicht so.

Vorgriff auf die Zukunft

Investor

Es könnte einsam werden um Investor Hasan Ismaik.

(Foto: Andreas Gebert/dpa)

In Bezug auf die Mannschaft waren die Sprechchöre auch als höhnischer Vorgriff auf die Zukunft zu verstehen. Nur sechs Spieler von 1860 haben Verträge für die Dritte Liga. Nicht zu verstehen war jedoch das, was folgte, dass Wut in Hass umschlug, die Anhänger der Löwen sich vergaßen, das Auffangnetz vor dem Block zerschnitten, und dann Sitzschalen und Metallstangen aufs Grün warfen. Die Partie musste mehr als zehn Minuten unterbrochen werden, um den Regensburger Torwart und die anderen Spieler zu schützen, die in seinen Strafraum kamen.

Der letzte Baustein, der den Klub nach fast einem Vierteljahrhundert nach unten riss, war womöglich Coach Pereira, der zuvor Klubs wie Fenerbahçe Istanbul und den FC Porto trainiert hatte. Der sagte auf der Pressekonferenz nach dem Spiel, er habe alles gemacht, was er machen konnte. Das war offensichtlich wenig: Der Mannschaft war keine Spielidee anzumerken, und von Coaching war kaum etwas zu sehen. Er dürfte nun den Klub verlassen.

Der Abstieg der Profis wirkt wie ein Abwärtsstrudel für den restlichen Verein. Durch den Gang in die Dritte Liga muss die zweite Mannschaft von 1860 aus der Regionalliga in die Bayernliga absteigen. Unabhängig davon gehen auch die U19, U17 und U16 in die nächsttiefere Spielklasse. Fünf Abstiege auf einmal - viel desaströser kann eine Saisonbilanz nicht ausfallen. Der neue Geschäftsführer Ian Ayre, erst vor wenigen Wochen vom FC Liverpool gekommen, warnte vor dem Abstieg als "Desaster epischen Ausmaßes" - und schmiss der "SZ" zufolge schon kurz vor der Partie in München wieder hin. Investor Ismaik hatte da schon angekündigt, dass er auch in der Dritten Liga weitermachen wolle. Aber mit wem?

Quelle: n-tv.de

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