Fußball

"Steigen wieder auf" - echt? VfB Stuttgart nach Abstieg komplett ratlos

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Sichtlich gezeichnet: die Stuttgarter Ozan Kabak, Holger Badstuber, Anastasios Donis, Christian Gentner und Nicolas Gonzalez.

(Foto: imago images / Sportfoto Rudel)

Schluss, aus und vorbei: Fast die ganze Saison über präsentieren sich die Fußballer des VfB Stuttgart zweitklassig, jetzt sind sie es auch offiziell. Nach dem 0:0 beim 1. FC Union Berlin steht der Abstieg fest. Der Sportdirektor ist raltlos, die Spieler sind es auch. Und der Präsident verbreitet Parolen.

Der umstrittene Präsident Wolfgang Dietrich hat nach dem Absturz des VfB Stuttgart in die Fußball-Zweitklassigkeit die Rückkehr in die Bundesliga angekündigt. "Die wirtschaftlichen sowie strukturellen Voraussetzungen dafür sind gegeben, die Aufarbeitung dieser Spielzeit läuft bereits, und die sportlichen Weichen für die Zukunft werden ebenfalls schon gestellt. Der VfB steigt wieder auf", ließ Dietrich auf der Vereinshomepage ausrichten.

Nach dem 0:0 im Relegations-Rückspiel beim 1. FC Union Berlin am Montagabend war der VfB zum dritten Mal nach 1975 und 2016 in die zweite Liga abgestiegen. Dietrich sprach vom bitteren Ende einer Saison, "in der aus sportlicher Sicht praktisch alles schiefgegangen ist, was schiefgehen konnte". Vom ersten Pflichtspiel an sei der VfB in einen Negativstrudel geraten. "Wir sind mit dem Ziel in die Saison gestartet, uns sportlich weiter zu stabilisieren und jetzt entsprechend schwer geschockt über den nunmehr feststehenden Abstieg."

Restlos bedient war und ist auch Sportvorstand Thomas Hitzlsperger. "Das ist heftig, sehr heftig", sagte er in Berlin und rang nach Worten: "Wir mussten kämpfen, haben das auch getan, aber der Gegner hat sich den Schneid nicht abkaufen lassen. Wir waren nicht in der Lage, fußballerische Lösungen zu finden." Der 1. FC Union Berlin sei verdient aufgestiegen, "das muss man mal festhalten". Hitzlsperger räumte ein, dass beim VfB zu viel "falsch gemacht" wurde, "deshalb sind wir in der zweiten Liga". Auf die Frage, was sich jetzt ändern muss, sagte er: "Kann ich jetzt nicht beantworten, es ist zu früh, weil wir nachdenken müssen." Aber: "Die Mentalitätsfrage würde ich heute sicherlich nicht stellen. Die Qualität hätte ausreichen müssen, um in der Bundesliga zu bleiben."

"Mentalitätsfrage würde ich nicht stellen"

Das wiederum klang so, als habe es doch an der Einstellung gelegen. Auf die Frage, ob es einer der schwersten Momente seiner Karriere sei, sagte der 37 Jahre alte Ex-Profi: "Die Entstehung ist so, dass ich wusste, dass es so kommen kann. Trotzdem jetzt dazustehen und mit dem umgehen zu müssen, ist hart. Aber es hilft ja nichts, zu lamentieren und zu jammern. Es ist so, wie es ist." Auch die Spieler seien bedient gewesen, saßen ratlos in der Kabine. "Es spricht keiner, es gibt ja auch nichts zu sagen."

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"Der völlig falsche Zeitpunkt, irgendwelche Dinge rauszuhauen": Stuttgarts Kapitän Christian Gentner.

(Foto: imago images / Nordphoto)

Torhüter Ron-Robert Zieler und Kapitän Christian Gentner haben dann auch prompt ihre berufliche Zukunft beim VfB offengelassen. "Es ist aus der Emotion heraus der völlig falsche Zeitpunkt, irgendwelche Dinge rauszuhauen", sagte Gentner noch im Stadion An der Alten Försterei. Der Vertrag des 33-Jährigen läuft Ende Juni aus. Ex-Nationalspieler Zieler hat noch einen bis zum 30. Juni 2020 gültigen Kontrakt, wollte aber zunächst nicht darüber sprechen, ob er mit in die zweite Liga geht. "Unmittelbar nach dem Spiel bitte ich einfach darum, zu respektieren, dass das jetzt einfach kein Thema ist", sagte der 30-Jährige.

Somit herrscht nur in einer Frage Gewissheit: Tim Walter wird die Stuttgarter auch nach dem Abstieg als neuer Trainer übernehmen. Das bestätigte der VfB. Der Trainingsauftakt zur Vorbereitung auf die bereits Ende Juli beginnende Zweitliga-Saison stand zunächst noch nicht offiziell fest. Walter, der in der vergangenen Saison Holstein Kiel trainiert hatte, war am Montag vor einer Woche und damit drei Tage vor dem Relegations-Hinspiel gegen den 1. FC Union Berlin als neuer Coach des VfB verpflichtet worden. Der 43-Jährige erhielt einen Vertrag unabhängig von der Liga-Zugehörigkeit.

Quelle: n-tv.de, sgi/dpa/sid