Fußball

Auch Salah in der Kritik Wardas Belästigungsaffäre spaltet Ägypten

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Amr wird gleich in mehreren Fällen sexuelle Belästigung vorgeworfen - für Ägypten spielt er trotzdem wieder.

(Foto: imago/PA Images)

Sportlich hat Gastgeber Ägypten vor dem ersten K.o.-Spiel beim Afrika-Cup überzeugt. Doch durch die Affäre wegen sexueller Belästigung um Nationalspieler Amr Warda hat das Team viel Kredit verspielt - auch Topstar Mohamed Salah vom FC Liverpool.

Wenn Gastgeber Ägypten am Samstag die heiße Phase des Afrika-Cups in Angriff nimmt, werden die Blicke ausnahmsweise nicht nur auf Topstar Mohamed Salah gerichtet sein. Nach seiner Begnadigung ist im Achtelfinale gegen Südafrika auch Mittelfeldspieler Amr Warda wieder spielberechtigt - der derzeit umstrittenste Fußballer des Landes. Sexuelle Belästigung in gleich mehreren Fällen wird ihm vorgeworfen.

Zunächst suspendiert, dann für die K.o-Runde begnadigt: Das Vorgehen des nationalen Verbandes EFA löste Entrüstung aus - weit über den Sport hinaus. Davon betroffen ist auch Salah. Denn der Stürmer des Champions-League-Siegers FC Liverpool setzte sich wie einige seiner Teamkollegen öffentlichkeitswirksam für Warda ein.

"Frauen müssen mit dem größten Respekt behandelt werden. Nein bedeutet nein", twitterte Salah. Er glaube allerdings auch, dass viele, die Fehler machten, sich zum Besseren verändern könnten. Und: Er glaube an "zweite Chancen". Die Meinung von Salah hat in Ägypten Gewicht. Er musste also wissen, was er auslösen würde. Zumal es nicht die ersten Anschuldigungen gegen Warda waren: 2017 kündigte der portugiesische Erstligist CD Feirense nach nur wenigen Tagen Wardas Vertrag, weil er die Ehefrauen von zwei Teamkollegen sexuell belästigt haben soll.

Auch Salah steht im Mittelpunkt

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Salah (links) bejubelt hier sein Tor gegen Uganda, in der Kritik steht aber auch er.

(Foto: imago images / Chokri Mahjoub)

Nach der Begnadigung hatte sich in den Sozialen Netzwerken, für viele Ägypter der letzte Raum der freien Meinungsäußerung, großer Protest geregt. "Nationalmannschaft der sexuellen Belästiger" wurde bei Twitter einer der beiden beliebtesten Hashtags. Zumal Warda in einem kurzen Facebook-Post bei seiner Familie und den Teamkollegen um Entschuldigung bat - die Opfer aber mit keinem Wort erwähnte. Die englische Tageszeitung The Guardian stellte bereits die Frage, ob sich Salah auch so geäußert hätte, wenn es die Vorwürfe im Kontext des FC Liverpool gegeben hätte. Erst im April hatte er in einem Interview mit dem Time Magazin erklärt: "Wir müssen den Umgang mit Frauen in unserer Kultur ändern. Daran führt kein Weg vorbei."

Denn das Thema ist in Ägypten allgegenwärtig. Eine Studie der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2013 kam zu dem Ergebnis, dass 99 Prozent der ägyptischen Frauen bereits sexuell belästigt wurden. Die Menschenrechtsanwältin Azza Soliman zeigte sich daher von der Unterstützung für Warda durch Salah und Co. geschockt. "Dies zeigt, wie die Gesellschaft mit Fällen von sexueller Belästigung umgeht", sagte sie der Nachrichtenagentur AFP: "Er wird nicht als Straftäter angesehen. Der Fall zeigt, dass ein Belästiger damit davonkommen kann."

Angeklagt wurde Warda nicht. Obwohl sexuelle Belästigung im ägyptischen Rechtssystem als Straftatbestand gilt. Mehrere Frauen hatten Screenshots obszöner Kommentare des Offensivspielers von Atromitos Athen geteilt. Zusätzlich soll Warda einer Frau ein Nacktvideo von sich geschickt haben.

Quelle: n-tv.de, dbe/sid/Dominik Kortus

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