Fußball

Radiolegende kommentiert fürs TV Warum Breuckmann nicht mit Tönnies singt

imago04149664h.jpg

"Natürlich werde ich das nicht machen wie die Herren vom BVB-Netradio. Bei mir wird es fair zugehen": Manfred Breuckmann.

(Foto: imago sportfotodienst)

Radio-Legende Manfred Breuckmann kommentiert erstmals ein Fußballspiel fürs Fernsehen. Dazn installiert bei der Bundesligapartie des FC Schalke 04 gegen den 1. FC Union Berlin einen "Manni-Kanal". Warum er lieber nicht mit Clemens Tönnies das Schalker Vereinslied singt, erklärt er hier.

Manfred Breuckmann, der Baumstammsägen für eine unterschätzte Sportart erachtet, absolvierte seine erste Radio-Übertragung 1972 beim Regionalligaspiel zwischen dem VfR Neuss und der SG Wattenscheid 09. Ein echter Kracher. Aber auch eine Schule fürs Leben. Denn auch später ging es nicht immer nur munter weiter, sondern der Reporteralltag hielt so manch harte Probe parat, wie Breuckmann einmal selbst erzählte: "Bochum gegen Cottbus, das ist eh kein Straßenfeger. Dann auch noch keine Tore - ich kenne Reporter, die wären da persönlich beleidigt." Aber nicht der Manni!

imago00847988h.jpg

"BVB-Arsch"? Rudi Assauer 1964 im Trikot von Borussia Dortmund.

(Foto: imago/Kicker/Metelmann)

Während seiner über 36 Jahre währenden Karriere gab Breuckmann den Zuhörern stets ein Rätsel auf, für wessen Verein denn sein Herz schlägt. Nicht selten bezichtigten sich Schalker und Dortmunder gegenseitig, mit dem beliebten Rundfunkreporter unter einer Decke zu stecken. S04-Manager Rudi Assauer sagte einmal: "Manni, du hast zu lange aus der Wellblechbude kommentiert. Das färbt schwattgelb ab". Assauer nannte den WDR-Radiomann sogar unverblümt ein "BVB-Arsch".

Erst nach dem Ende seiner Berufslaufbahn beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk gestand Breuckmann seine "Schwäche für die Schalker" ein. Diese Vorliebe ist auch der Grund, warum der gebürtige Dattelner heute für den Bezahlstream Dazn aus der Schalker Arena die Bundesligapartie gegen den 1. FC Union Berlin kommentieren wird (ab 20.30 Uhr auch kostenlos im Liveticker bei n-tv.de, aber eben ohne Breuckmann). Im August dieses Jahres war der Deutschland-Chef des Senders auf Breuckmann zugekommen und hatte ihn gefragt, ob er sich vorstellen könne, eine Begegnung der Schalker mit der "blau-weißen Brille" auf der Nase zu kommentieren. Breuckmann wollte eigentlich sofort zusagen und wurde dann aber auch noch, wie er selbst erzählt, mit einem "Batzen Geld geködert".

"Ein großes Herz für Senioren"

Nun richtet Dazn neben der normalen Kommentierung einen extra "Manni-Kanal" ein, auf dem Breuckmann nach Lust und Laune das Spiel seines Lieblingsklubs schildern darf. Ganz Königsblauer sagt er aber sofort: "Natürlich werde ich das nicht machen wie die Herren vom BVB-Netradio. Bei mir wird es fair zugehen!" Auch wenn er sich sehr auf seine Aufgabe freut ("Die ist ja eigentlich ein junger Sender. Aber mit solchen Engagements wie von mir oder Fritz von Thurn und Taxis offenbaren sie ein großes Herz für Senioren"), weiß er auch um die Fallstricke des einmaligen Bildschirm-Gastspiels: "Als Radiomann ist man ja geneigt, die ganze Zeit durchzureden. Ich werde also schauen müssen, dass ich einfach mal die Schnauze halte. Ich werde aber niemanden anschreien, wie das heute so gerne gemacht wird. Die Leute sollten allerdings nicht erwarten, dass ich ihnen den Unterschied zwischen Pressing und Gegenpressing erkläre. Denn den kenne ich selbst nicht."

imago04141582h.jpg

Nikolaustag 2008: Die Schalker Fans verabschieden sich.

(Foto: imago sportfotodienst)

Dass Schweigen übrigens nicht unbedingt Breuckmanns Sache ist, erzählte er einmal in einem anderen Interview, als er eine seiner größten Schwächen preisgeben sollte: "An den richtigen Stellen aus taktischen Gründen das Maul zu halten." Nicht wenige munkeln, dass dies auch einer der Gründe gewesen sein könnte, warum sich Breuckmann bereits mit 57 Jahren in die "passive Altersteilzeit" verabschiedete. Einen anderen Grund hat er so umschrieben: "Ich muss keinem 18 Jahre alten Jungspund hinterherrennen, der mit einem 180.000-Euro-Wagen vorgefahren kommt. Zu dem ganzen Drumherum sollte man große Distanz haben."

In diesem Zusammenhang passt auch sein kluger wie schöner Satz: "Wenn die Eckfahne Nutella-Fahne heißt, höre ich auf." Breuckmann war als "Stimme des Westens" auch bei einer Sternstunde des Radios dabei. Damals, bei der legendären Schlusskonferenz der Saison 1998/1999. Im Mittelpunkt stand in diesen bewegenden Minuten der Franke Günther Koch in Nürnberg. Der Club stieg überraschend ab. Und Koch leitete am Ende seiner Kräfte rüber ins Ruhrstadion zu Manni Breuckmann: "Respekt und Anerkennung an die Adresse der anderen Vereine, der Spieler und der Offiziellen, wenn es denn dabei bleibt, und ich rufe noch einmal Manni Breuckmann in Bochum". Der nahm den Ball auf: "Und Günther, du tust mir auch Leid, erlaube mir dieses persönliche Wort an der Stelle …"

"Der Schiedsrichter pfeift ab, ich packe ein"

Als er mit 57 Jahren in die Altersteilzeit ging, hatten einige Kollegen die Sorge, dass Manni ohne Mikro nicht könne und Dummheiten machen würde. Doch Breuckmann beruhigte die Menschen, dass seine Planungen nicht vorsehen würden, sich "in die Emscher (zu) stürzen". Er hätte noch genug Ideen für die Zeit nach dem Job beim Rundfunk: "Denn der Fußball, dat iss mein Leben - die Schokoladentorte aber auch!" Seine letzten Worte im Dezember 2008 für die WDR-Schlusskonferenz waren diese: "Das war‘s für mich. Ich hab‘ geschrien, ich hab‘ geflüstert, ich hab‘ gegähnt, ich hab‘ gezittert, ich hab‘ gefroren, ich hab‘ geschwitzt, aber ich hab‘ Spaß gehabt. Jedenfalls meistens in diesen 36 Jahren."


Und dann war noch einmal alles wie immer: "Der Schiedsrichter pfeift ab, ich packe ein, trinke noch ein Bier, esse eine Stadionwurst und Feierabend". Feierabend war danach noch lange nicht. Und heute beginnt auf Schalke wieder einmal eine neue Schicht im Leben des Kommentators Breuckmann: "Vielleicht startet ich mit einem Glück auf in den Abend. Was ich aber auf gar keinen Fall machen werde, ist, dass ich das Schalker Vereinslied mitsinge. Noch nicht einmal mit Clemens Tönnies. Denn dann würden die Einschaltquoten schlagartig auf Null gehen - und das kann niemand wollen!" Na, dann, lieber Manni Breuckmann: Viel Erfolg heute Abend und Glück auf!

Das aktuelle Buch unseres Kolumnisten Ben Redelings: "Best of Bundesliga: Die lustigsten Legenden des deutschen Fußballs" bei Amazon bestellen. Live ist Redelings deutschlandweit mit seinen Programmen unterwegs: Infos und Tickets zur Tour.

Quelle: n-tv.de